Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimawandel bringt Wärmekraftwerken Blackouts

04.06.2012
Der Klimawandel macht den Atom-, Kohle- und Gaskraftwerken Europas zu schaffen: Blackouts und steigende Strompreise stehen bevor, da die Kühlsysteme unter dem Rückgang der Wassermenge in Flüssen und dem Anstieg der Wassertemperatur leiden, berichtet ein internationales Forscherteam in der Zeitschrift "Nature Climate Change".

"Wärmekraftwerke wird man in Zukunft häufiger kurzfristig abschalten müssen. Die Situation ist ernst, decken sie doch in Europa derzeit 78 Prozent des Energiebedarfs", sagt Studienleiterin Michelle von Vliet von der Universität Wageningen http://wageningenuniversity.nl im pressetext-Interview.

Probleme mit der Kühlung

Wärmekraftwerke benötigen für ihren Betrieb hohe Temperaturdifferenz, die durch enorme Mengen von Kühlwasser - in großen Anlagen bis zu 100.000 Kubikmeter pro Stunde - erreicht wird. Viele AKWs und Kohlekraftwerke entnehmen es aus Flüssen oder Seen und führen den Großteil davon wieder dorthin zurück. Sie hängen jedoch empfindlich davon ab, dass die Wassermenge und -temperatur konstant sind - andernfalls droht eine Abschaltung, um die Überhitzung der Generatoren abzuwenden.

Genau diese beiden Voraussetzungen der Wassermenge und -temperatur sind angesichts des Klimawandels in Gefahr, zeigen die Forscher. Sie untersuchten dazu 96 Atom- und Kohlekraftwerke mit verschiedenen Kühlsystemen in Europa und den USA. Anhand von Projektionen zum künftigen Strombedarf und Modellen zu Temperaturen und Pegel der Flüsse (pressetext berichtete: http://www.pressetext.com/news/20110725024 ) ermittelten sie, was der Stromerzeugung zwischen 2031 und 2060 sowie von 2071 bis 2090 bevorsteht. Ein Szenario ging von wenig technischen Änderungen im Sektor aus, ein anderes von schneller Überführung in erneuerbare Energien.

Umwelt in Bedrängnis

Von 2031 bis 2060 sind infolge des Kühlwasser-Problems Einbußen in der Kapazität der Wärmekraftwerke von sechs bis 19 Prozent in Europa und von vier bis 16 Prozent in den USA zu erwarten, so das Ergebnis der Modellrechnungen. Die Wahrscheinlichkeit einer Drosselung der Kapazitäten um über 50 Prozent steigt bis 2040 um das 1,4-Fache, jener eines Rückschaltens um über 90 Prozent sogar um das Dreifache, da Hitzewellen zunehmen werden. "Besonders Südeuropa ist betroffen, da hier der stärkste Temperaturanstieg und auch der stärkste Rückgang beim Wasserstand der Flüssen bevorsteht", erklärt von Vliet. Stärker gefährdet sind aber auch Kraftwerke mit Durchlaufkühlung und ohne Kühlwasser-Recycling.

Die Situation könnte zulasten der Umwelt gehen, warnt die Expertin. "Derzeit regeln Wärmelastpläne die Menge des entnommenen Kühlwassers und die Maximaltemperatur bei dessen Rückführung streng, um das Umkippen des Wassers zu verhindern. Angesichts der künftig geringeren Wassermengen in den Flüssen sowie der Klimaerwärmung werden Konflikte zwischen Umweltauflagen und Energiebedarf sehr wahrscheinlich zunehmen." Werden ökologische Standards aufgeweicht, gefährde dies jene Lebewesen im Wasser, die sich bloß an bestimmte Wassermengen und -temperaturen anpassen können.

Vorrang für Erneuerbare

Die beste Lösung des Problems ist ein rascher Umstieg auf erneuerbare Stromproduktion: Sie benötigt meist kein Kühlwasser und kann den Klimawandel bei Verwendung nicht-fossiler Energieträger bremsen. "Die Verletzlichkeit des gesamten Systems würde dadurch sinken", betont von Vliet. Ein Hindernis ist, dass bestehende thermoelektrische Anlagen mit bis zu 60 Jahren Laufzeit sehr langlebig sind. Werden derartige Formen der Energiegewinnung weiter gebaut, sollte man sie besser an Küsten statt an Flüssen konzentrieren oder durch Kraftwerke höherer Effizienz ersetzen, raten die Forscher.

Artikel unter http://bit.ly/KptJh2

Johannes Pernsteiner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.wageningenuniversity.nl

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Gut sortiert: Schüttgutanlagen werden klüger
30.03.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften
29.03.2017 | Technische Universität Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Herzerkrankungen: Wenn weniger mehr ist

30.03.2017 | Medizin Gesundheit

Flipper auf atomarem Niveau

30.03.2017 | Physik Astronomie

Europaweite Studie zu „Smart Engineering“

30.03.2017 | Studien Analysen