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Energie gewinnen statt Entsorgen

10.03.2011
Bleibt es bei den Modellbeispielen oder setzt sich die energetische Nutzung von Holz und Grünschnitt aus der Landschaftspflege flächendeckend durch?

Rund 200 Teilnehmer informierten sich auf der Konferenz „Energetische Nutzung von Landschaftspflegematerial“ in Berlin über Best-Practice-Beispiele, nachhaltige Nutzungswege und Technologien für Gewinnung, Transport und Aufbereitung von Landschaftspflegematerial.

Biomasse kann auf dem Feld gezielt angebaut werden, fällt jedoch ebenso als Koppelprodukt an, wenn Heideflächen entbuscht, Wallhecken auf den Stock gesetzt oder Straßenränder gemäht werden. Diese Arbeiten gehören im weitesten Sinne zur Landschaftspflege. So vielfältig wie diese Tätigkeiten sind auch die Materialien, die im Zuge besagter Maßnahmen anfallen. Es handelt sich dabei unter anderen um Holz, Gras, Heu oder Schilf. Diese Stoffe galten bisher in vielen Fällen als eher lästiger Abfall, der hauptsächlich Kosten verursachte.

Seit 2005 richtet die Biomasseforschung aufgrund umwelt- und energiepolitischer Bestrebungen ihr Augenmerk gezielter auf diese meist heterogenen und diskontinuierlich anfallenden Landschaftspflegebiomassen und versucht, wirtschaftlich sinnvolle und ökologisch nachhaltige Nutzungsoptionen auszuloten. So können mittels bereits verfügbarer - bzw. noch in der Entwicklung befindlicher Technik diese Materialien nachhaltig nutzbar gemacht werden. Unter förderpolitischen Gesichtspunkten schafft das Erneuerbare Energien Gesetz mit dem Landschaftspflegebonus Anreize, insbesondere in der Biogasproduktion verstärkt Landschaftspflegematerialien einzusetzen.

Allerdings wird rege diskutiert, ob die Hürde von 50 % aus Gründen der Prozessstabilität als auch der Biogasausbeute wirklich praktikabel ist. Christof Thoss vom Deutschen Verband für Landschaftspflege sprach sich für einen „Umweltbonus“ aus, mit dem gezielt ökologischer Landbau und extensive Bewirtschaftung unterstützt werden kann. „Immerhin sind die Energieerträge aus Landschaftspflegematerialien weitaus geringer als bei der Verwendung von Mais in der Biogasanlage“, führte er aus und verwies zugleich auf die genehmigungsrechtlichen Schwierigkeiten.

Für Diskussionsstoff sorgte ferner die Spezifizierung des Begriffs Landschaftspflegematerial. In der Vergangenheit wurde zum Teil auch für Anbaubiomasse aus Agrarumweltmaßnahmen der Bonus gewährt, was zum widersprüchlichen Begriff des „Landschaftspflegemaises“ führte. Dr. Wolfgang Peters von Bosch & Partner betonte in seinem Beitrag über die Praxis der Umweltgutachter, dass es sich bei Landschaftspflegematerial um Reststoffe handelt und keineswegs um Anbaubiomasse. Um den mitunter weiten Interpretationsspielraum der Umweltgutachter einzuschränken, bestünde die Notwendigkeit einer Spezifizierung einsatzfähiger Stoffe (z.B. als Positiv-/Negativliste).

In thematisch abgegrenzten Fachforen wurde bspw. über die Problematik der kommunalen Reststoffe, über die Nutzung von Straßenbegleitgrün, zur Problematik ‚Halmgüter in der Verbrennung’ oder aber über die Verwendung von Gras in der Biogasanlage diskutiert. Ein gutes Beispiel eines hybriden Verwertungskonzeptes stellte Franz Werner Dietz von der SIUS GmbH mit der Grüngutvergärungs- und Kompostierungsanlage im bayerischen Regen vor.

Biologische Abfälle und Grünschnitt werden, nach Abtrennung holzartiger Materialien für die thermische Verwertung, in einem Trockenfermentationsverfahren zur Erzeugung von Biogas genutzt. Die Gärreste werden teils kompostiert und teils den Landwirten direkt als Dünger zur Verfügung gestellt. Obwohl auch Konzepte zur Energiegewinnung aus holzigem Landschaftspflegeschnitt vorgestellt wurden, lagen die meisten offenen Fragen doch auf Seiten der halmgutartigen Materialien. Für Feuerungskessel unter 100 kW gäbe es seit Novellierung der 1. BImSchV bspw. keinen Hersteller für eine in Deutschland erforderliche Typenprüfung, die auf halmgutartiges Material abzielt. Das Genehmigungsrecht sei zu kompliziert, war eines der Fazits des Verbrennungs-Forums. Des Weiteren wurden spezifische Flächenbewirtschaftungs- und Aufbereitungskonzepte vorgestellt. Letztere bezogen sich sowohl auf Brennstoffe als auch Biomassen, welche vor dem Einsatz in der jeweiligen Konversionsanlage vorbehandelt werden müssen.

Die Firma Lehmann Maschinenbau aus Sachsen präsentierte in diesem Kontext ein Bioextrusions®-Verfahren, mittels dessen zellulosehaltige Biomasse hydrothermal aufgeschlossen wird. Dies führt zu einer Eigenschaftsänderung des Substrates, so dass bspw. aus Grassilage mehr als 20% mehr Methan gewonnen werden kann.

Unter den Tagungsteilnehmern herrschte Einigkeit, dass sich Reststoffe aus der Landschaftspflege in der energetischen Biomassenutzung noch nicht durchgesetzt haben.

Allen positiven Potenzialerhebungen zum Trotz braucht es regionalspezifische Netzwerke, die passende Konzepte formulieren und gemeinsam umsetzen. Wenn dann zusätzlich noch die gesetzlichen Rahmenbedingungen passende Anreize setzen, steht einer energetischen Nutzung von Landschaftspflegematerial nichts mehr entgegen.

Antje Sauerland | idw
Weitere Informationen:
http://www.energetische-biomassenutzung.de

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