Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Twister zieht Energie aus jeder Windstärke: Innovative Weiterentwicklung des H-Rotors wird praktisch erprobt

28.06.2006
Der energiegeladene Tornado gilt als Pate für das neueste Projekt aus der Windenergieforschung an der Hochschule Bremerhaven. Der Luftwirbel, der sich durchgehend vom Boden bis zur Wolkenuntergrenze erstreckt, wird auch Twister genannt und war damit Namensgeber für die innovative Kleinwindkraftanlage, die auf Basis des H-Rotors entstanden ist. Der Twister wurde konzipiert für die autarke Stromversorgung von kleinen Inselsystemen.

Seine spezielle Elektronik sorgt dafür, dass schon bei geringsten Windgeschwindigkeiten Strom erzeugt wird. Der Twister ist für den zuverlässigen Betrieb in Extremgebieten oder schwer zugänglichen Einsatzgebieten geeignet. Eine Pilotanlage wird ab heute (28.06.2006) auf dem Dach des Deutschen Schiffahrtsmuseums praktisch erprobt. Dort übernimmt sie die Energieversorgung für die Bannerbeleuchtung. Der Twister entstand im Rahmen eines Projektes der Hochschule Bremerhaven mit dem Ingenieurbüro bg-engineering. Das Unternehmen, welches von den Hochschulabsolventen Andreas Görke und Tim Braun gegründet wurde, will den Twister weltweit vermarkten.

Prof. Dr. Friedrich Zastrow forscht seit über zwei Jahrzehnten am H-Rotor. Der Wissenschaftler, der an der Hochschule Bremerhaven vor allem im Bereich Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik arbeitet, entwickelte seine Anlage über die Jahre weiter und konnte erfolgreiche Einsatzmöglichkeiten ausmachen, wie zum Beispiel an der AWI-Neumayer-Forschungsstation in der Antarktis. Beim H-Rotor werden, anders als bei den bekannteren Windkraftanlagen, die Rotorblätter senkrecht um eine vertikale Rotorwelle angeordnet. Die Drehbewegung des Rotors verläuft auf einer horizontalen Kreisbahn und ist damit unabhängig von der Windrichtung. Diese Konstruktionsweise erscheint dem Betrachter als "H". Der Twister gilt als jüngster Schritt in der H-Rotorentwicklung. Die optimierte Formgebung des Flügelprofils und die korkenzieherartige Verdrehung der Rotorblätter zeichnen das neue Modell aus. Dadurch wurden der Anlauf des Rotors bei geringen Windstärken und die maximale Rotorleistung verbessert.

Der Twister ist eine Gemeinschaftsproduktion von Prof. Zastrow und seinen ehemaligen Studierenden Andreas Görke und Tim Braun. Sie studierten Verfahrenstechnik und wurden im Studium mit der Idee des H-Rotors "infiziert". Vor drei Jahren gründeten sie das Unternehmen bg-engineering. Seit eineinhalb Jahren arbeiten sie am Twister. Sie konstruierten Görke und Braun die Anlage, kümmerten sich um die Mechanik und modifizierten den Generator. Prof. Zastrow und sein Assistent Heiko Schier dagegen sorgten für die Aerodynamik, entwickelten die Flügel und die Automatisierungstechnik. So entstand eine marktreife Kleinwindkraftanlage, die vor allem für die autarke Stromversorgung konzipiert ist. Messstationen, Messbojen, Kommunikationseinrichtungen, kleine Beleuchtungssysteme oder automatische Anzeigetafeln können so mit Strom versorgt werden.

Durch den einfachen Aufbau gilt der Twister als besonders robust und damit bestens für den zuverlässigen Betrieb in Extremgebieten oder schwer zugänglichen Einsatzgebieten geeignet. Zudem hat er im Vergleich zu herkömmlichen Windkraftanlagen einige Vorteile: Der Betrieb der Anlage ist geräuschlos - auch bei starkem Wind. Der Twister läuft bereits bei einer Windstärke von 2,5 Meter/Sekunde an und hat bei einer Rotorfläche von einem Quadratmeter eine Nennleistung von ca. 250 Watt bei 14 Meter/Sekunde.

Schon im Vorfeld konnte der Twister begeistern: So unterstützten die BIS das Projekt sowie die swb-Bremerhaven den Aufbau der Pilotanlage auf dem Dach des Deutschen Schiffahrtsmuseums.

Das Ende der Entwicklung des H-Rotors setzt der Twister aber nicht. Bereits jetzt arbeitet Prof. Zastrow an Einsatzmöglichkeiten im Wasser, zum Beispiel für die Stromversorgung der Tsunami-Beobachtungsbojen.

Daniela Krause-Behrens | idw
Weitere Informationen:
http://www.hs-bremerhaven.de

Weitere Berichte zu: H-Rotor Stromversorgung Twister Windstärke

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht SmartMeter analysieren mit Algorithmen den Stromverbrauch
01.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme IMS

nachricht Energiehybrid: Batterie trifft Superkondensator
01.12.2016 | Technische Universität Graz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie