Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Energiepass - Verbrauchs- oder Bedarfspass?

03.02.2006


Noch in diesem Jahr wird aufgrund der europäischen Richtlinie zur Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden die Ausstellung von Energiepässen bei Neubau, Verkauf und Vermietung zur Pflicht. Doch noch immer sind viele Fragen offen: Soll es ein Verbrauchspass oder ein Bedarfspass werden? Wie sollen die Kennzeichnung und die mit dem Energiepass verbundenen Modernisierungsempfehlungen genau aussehen? Das ifeu-Institut hat im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbandes e.V. (vzbv) untersucht, ob ein Bedarfs- oder Verbrauchspass besser geeignet ist, die Anforderungen der EU-Richtlinie aus Sicht von Mietern und Käufern zu erfüllen.


Schematische Darstellung des Energiebedarfspasses (Vorschlag des ifeu-Instituts)


Vergleich der Heizenergieverbrauchs- und Bedarfskennwerte von 99 Einfamilienhäusern ifeu-Institut



Mit der Pflicht zur Vorlage eines Energiepasses für potenzielle Nutzer setzt die EU-Gebäuderichtlinie auf die Nachfrager nach Wohnraum. Bei der bisherigen Diskussion wurde die Perspektive der potenziellen Mieter und privaten Käufer bislang nur unzureichend berücksichtigt. Die Studie des ifeu-Instituts legte den Fokus deshalb auf die Sicht dieser potenziellen Nutzer. Primär möchten sie wissen, mit welchen Energiekosten sie bei einer Anmietung oder beim Kauf rechnen müssen und mit welchen Maßnahmen zu welchen Kosten gegebenenfalls eine energetische Verbesserung erreicht werden kann. Dazu benötigen sie unter anderem Informationen über die energetische Qualität des Gebäudes.



Anhand aktueller Auswertungen wurde herausgearbeitet, dass es im Einzelfall selbst bei größeren Gebäuden zur erheblichen Abweichung zwischen dem berechneten Energiebedarfskennwert und dem tatsächlichen Energieverbrauchskennwert kommt. Die Vorstellung, von einem bekannten realen Verbrauch (zum Beispiel aufgrund der letzten Heizkostenabrechnung) auf einen nutzerunabhängigen Bedarf rückschließen zu können oder umgekehrt, ist daher unrealistisch. Auch kann der Verbraucher aufgrund des unterschiedlichen Nutzerverhaltens weder mit Hilfe des Energiebedarfs noch des Energieverbrauchs seine persönlichen zukünftigen Energiekosten verlässlich einschätzen.

Auf der anderen Seite ist durch das Ziel der Gebäuderichtlinie, mit dem Energiepass als Ranking-Instrument indirekt die Energieeffizienz der Gebäude zu erhöhen, die Richtung bereits vorgegeben. Allein aus der Darstellung des aktuellen spezifischen Energieverbrauchs kann nur sehr begrenzt ein verlässlicher Vergleich mit anderen Gebäude erfolgen. Zudem gibt die Richtlinie vor, dass dem Energiepass "Empfehlungen für die kostengünstige Verbesserung der Gesamtenergieeffizienz" beigefügt werden sollen. Spezifische Empfehlungen für Modernisierungsmaßnahmen können jedoch nicht aus einem Verbrauchspass abgeleitet werden.

Ein aussagekräftiger Energiepass im Wohngebäudebereich für Altbau und Neubau kann daher nur ein Energiebedarfspass sein. Dieser stellt die energetische Qualität des Gesamtgebäudes bei einer Standardnutzung dar und erlaubt einen objektiven Vergleich mit anderen Gebäuden. Zugleich bietet er eine Basis für die Ausarbeitung von Maßnahmenempfehlungen.

Weitere Empfehlungen der Studie beziehen sich auf das Layout des Energiepasses, Übergangsfristen und Kontrollmechanismen. Aus Sicht der potenziellen Käufer oder Mieter sollte neben dem Primärenergieverbrauch zusätzlich an prominenter Stelle die Qualität der Gebäudehülle (Dämmstandard) und der Anlagentechnik aufgezeigt und bewertet werden. Bei Heizungssystemen mit einem hohen Anteil an erneuerbaren Energien kommt es beispielsweise auch dann zu einem günstigen Primärenergieverbrauch, wenn Gebäude in Teilaspekten erhebliche Mängel aufweisen. Um zu vermeiden, dass das Instrument Energiepass bereits in der Einführungsphase durch mangelnde Qualität der Ausstellung in Misskredit gerät, sollte zudem ein System der Qualitätskontrolle aufgebaut werden.

Kontakt:
Hans Hertle
ifeu - Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg
Wilckensstraße 3, 69120 Heidelberg
Tel.: 06221/4767-17
Email: hans.hertle@ifeu.de

Elke Dünnhoff | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifeu.de
http://www.ifeu.org/?bereich=ene&seite=vzbvenergiepass

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Seilzugsensor MH60 – erfolgreicher Einsatz in rauer Umgebung
20.04.2018 | WayCon Positionsmesstechnik GmbH

nachricht Treiber für Digitalisierung von Industrieanlagen: ABB, HPE und Rittal stellen Secure Edge Data Center vor
20.04.2018 | Rittal GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics