Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mathematik und die Energieversorgung der Zukunft

11.11.2004


Kann die angewandte Mathematik dazu beitragen, die Energieversorgung der Zukunft zu gestalten? So lautete die Schlüsselfrage des Abschlussvortrags einer internationalen Konferenz am Weierstraß-Institut, und bei der Antwort waren sich der Referent Olivier Faugeras und die Gäste einig: Ja, sie kann, denn Berechnungen und Computersimulationen spielen eine immer größere Rolle in der Forschung und Entwicklung, gerade auch im Energiesektor.

Ziel der Zusammenkunft am 8. und 9. November war es, die Verbindung zwischen eher grundlagenorientierter Wissenschaft und anwendungsorientierten Energieforschungsprogrammen zu stärken. "Die Bundesregierung will Brücken bauen", sagte Ministerialrat Dr. Knut Kübler vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, das den Kongress unterstützte. Initiator der Konferenz war die "Ad-hoc- Gruppe für Wissenschaft und Energietechnologien" der Internationalen Energieagentur (IEA); organisiert wurde die zweitägige Konferenz vom Forschungszentrum Jülich, weitere Unterstützung kam vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie dem gastgebenden Weierstraß-Institut für Angewandte Analysis und Stochastik (WIAS).

Die Begriffe Analysis und Stochastik werden gemeinhin mit theoretischen Fragestellungen in Verbindung gebracht, doch die Liste der Vorträge zeigte, wie falsch dieser Eindruck ist. So erläuterte etwa Prof. Jürgen Sprekels, Direktor des WIAS, wie an seinem Institut Vorgänge in Brennstoffzellen simuliert werden. Die Berechnungen zeigen, dass in den kleinen Kraftwerken des Typs DMFC (für Direct Methanol Fuel Cell) noch viel Reserven stecken. Die Forschungen am WIAS weisen gleichzeitig den Weg, wie die chemischen Umsetzungsvorgänge zu optimieren sind. Weitere Vorträge befassten sich mit der Endlagerung von Kohlendioxid in unterirdischen Speichern, mit geologischer Modellierung bei der Suche nach Erdöl- und Erdgaslagerstätten und auch mit der Aerodynamik von Windkraftanlagen. Die Spannbreite reichte also von der effektiven Brennstoffnutzung über erneuerbare Energien hin zu Fragen des rationellen Energieeinsatzes, etwa durch Simulation der effektiven Ausleuchtung von Gebäuden mit Tageslicht.

In den Diskussionen wurde jedoch auch deutlich, dass gerade bei der Vergabe von Projektmitteln die Rolle der Mathematik nicht gebührend gewürdigt werde. "Wenn wir Gelder für ein Projekt beantragen", sagte Prof. Sprekels, "dann werden wir als Mathematiker immer gefragt, wo sind denn eure Ingenieure und die Firmen, die die Umsetzung garantieren?" Umgekehrt aber frage kaum einer, ob die Firmen und Ingenieure auch Leute um sich haben, "die garantieren, dass die angewendeten mathematischen Methoden auch die effektivsten sind." Aus dem Auditorium kam dazu der Vorschlag, die Regierung solle die drängendsten Probleme im Energiesektor identifizieren und dann Teams auf diese Problemfelder ansetzen. Bei der Besetzung der Gruppen solle darauf geachtet werden, dass Anwender aus der Praxis ebenso vertreten sind wie Forscher. Jürgen Sprekels dazu: "Es mag schon oft gesagt worden sein, aber es ist der einzige Weg: Unsere Energieprobleme sind nur interdisziplinär zu lösen."

Ansprechpartner: Dr. Torsten Köhler, 030 / 2 03 72-582

Das Weierstraß-Institut für Angewandte Analysis und Stochastik ist ein außeruniversitäres Institut der Leibniz-Gemeinschaft in Berlin. Es betreibt projektorientierte Forschung in Angewandter Analysis und Stochastik mit dem Ziel, zur Lösung komplexer Problemkreise aus Wirtschaft, Wissenschaft und Technik beizutragen. Gegründet wurde es am 1. Januar 1992. Heute arbeiten etwas mehr als hundert Menschen am WIAS, 26 davon über Drittmittelstellen beschäftigt. Die institutionelle Förderung betrug im Jahr 2003 5,59 Millionen Euro, hinzu kamen 1,6 Millionen Euro an eingeworbenen Drittmitteln. Das Weierstraß-Institut ist in zahlreiche nationale und internationale Kooperationen ebenso eingebunden wie in die universitäre Lehre. Herausragend ist das DFG-Forschungszentrum Matheon in Berlin, in dem die drei Universitäten FU, HU und TU mit dem Zuse-Institut Berlin und dem WIAS kooperieren.

Das Weierstraß-Institut gehört zum Forschungsverbund Berlin e.V. (FVB). Der FVB ist Träger von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Forschungsinstituten in Berlin, die alle wissenschaftlich eigenständig sind, aber im Rahmen einer einheitlichen Rechtspersönlichkeit gemeinsame Interessen wahrnehmen. Die Institute nutzen eine gemeinsame Administration, die Verbundverwaltung.

Josef Zens | Forschungsverbund Berlin e.V.
Weitere Informationen:
http://www.fv-berlin.de
http://www.wias-berlin.de

Weitere Berichte zu: Analysis Energieversorgung Mathematik Stochastik WIAS

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Geräteschutzschalter erfüllt NEC Class 2
19.05.2017 | PHOENIX CONTACT GmbH & Co.KG

nachricht Elektronikgehäuse für Anzeigeeinheiten
19.05.2017 | PHOENIX CONTACT GmbH & Co.KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften