Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Kleine geht - die Große kommt

02.07.2003


Blick auf eine E-66, die für zwei Nordtank-Anlagen gekommen ist


Als Koog bezeichnet man das durch Trockenlegung neu gewonnene Land zwischen zwei Deichen. Windstille kennen diese Gebiete an der Westküste Schleswig-Holsteins nicht


Die hier vorherrschenden Windverhältnisse sind so ideal, dass die Anwohner in diesen Gebieten bereits Mitte der 80er Jahre die ersten 55-kW-Windenergieanlagen errichteten. Im Lauf der Jahre siedelten sich die unterschiedlichsten Anlagen-Typen an. Einige stehen dort inzwischen fast 20 Jahre. Kein Wunder, dass die Betreiber sich hier mehr als in irgendeiner Region Deutschlands Gedanken über das Ersetzen alter durch neue, leistungsstarke Windenergieanlagen machen. Der Landwirt Hans-Reimer Thießen war damals mit seinen Anlagen einer der ersten im Kronprinzenkoog. „Wenn ich heute nur noch Landwirtschaft betreiben würde, dann müsste ich mir einen neuen Job suchen“, sagt er und blickt nachdenklich einem vorbeifahrenden Trecker nach, auf dessen Anhänger weiße Kohlköpfe umherrumpeln.

Und jetzt ist Thießen, auch wenn er es bescheiden von sich weist, wieder unter den Ersten. Diesmal beim Ersetzen alter Anlagen durch eine neue Generation: Ende 2001 kam eine E-66 (1,8 MW), um zwei seiner Nordtank-Anlagen mit je 300 kW zu ersetzen. Das Projekt ließ sich schnell und reibungslos verwirklichen, zumal die E-66 innerhalb eines Windparks errichtet wurde. Lediglich Schall- und Turbulenzgutachten waren erforderlich. Thießen hatte das Glück, dass seine Anlagen innerhalb einer Windenergie-Vorrangfläche standen, die vor einigen Jahren vom Land ausgewiesen worden ist. Das Ersetzen von Anlagen außerhalb dieser Flächen ist dagegen nur möglich, wenn die jeweilige Gemeinde einen entsprechenden Bebauungsplan beschließt.


Darüber hinaus kommt es beim Ersetzen durch größere Anlagen darauf an, dass die entsprechenden Netzkapazitäten gegeben sind. „Ich habe mich für eine ENERCON Anlage entschieden, weil ich damals nicht genau wusste, ob ich die volle Leistung ins Netz einspeisen darf. Und da man ENERCON Anlagen auf jede gewünschte Leistung drosseln kann, war das die beste Möglichkeit“, erinnert sich Thießen. Inzwischen ist aber klar, dass die Anlage mit Nennleistung betrieben werden darf. 4,5 Mio. kWh hat die 65 m hohe E-66 im vergangenen Jahr an Ertrag erzielt. Wie Thießen haben viele Windmüller im Koog Anträge für ähnliche Projekte eingereicht.

Im benachbarten Kaiser-Wilhelm-Koog, im Windpark der Firma Windtest, hat in den 80er Jahren die Großwindanlage „Growian“ für Aufsehen gesorgt. Dipl.-Ing. Jan Hanssen vom ENERCON Vertrieb in Marne ist im schleswig-holsteinischen Dithmarschen aufgewachsen. „Ich habe die 3-MWAnlage noch kennen gelernt“, erinnert er sich. Nahe dem Testfeld, im Windenergiepark Westküste, mussten Ende 2002 kleine Anlagen von Tacke (jetzt GE), HSW und Adler einer ENERCON Anlage des Typs E-66 weichen. Und wieder ein Stück weiter ist es eine Vestas V 42 mit 600 kW, die derzeit durch eine E-66 ersetzt wird.

Wie das Deutsche Windenergie-Institut (DEWI) aus Wilhelmshaven in seinem Bericht vom März 2003 schreibt, ist die installierte Leistung in 2002 im Vergleich zu 2001 um 22 Prozent gestiegen. Jede neue Anlage ist mit fast 1,4 MW Leistung im Durchschnitt um neun Prozent stärker als die Durchschnittsanlage des Jahres 2001. Laut DEWI-Bericht ersetzten 2002 acht neue Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 12,7 MW 16 alte Anlagen mit zusammen 5,4 MW Leistung.

Auch Wilfried Voigt, Staatssekretär im schleswig-holsteinischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, hat nichts auszusetzen an dem Plan, Altanlagen und leistungsstarke Neue zu ersetzen: „Das ist eine ausgezeichnete Sache, denn es fördert die Weiterentwicklung der Windbranche und trägt zur Entspannung des Landschaftsbildes bei. Die neuen Anlagen stärken darüber hinaus die führende Rolle der Windenergie bei der notwendigen Energiewende.“ Voigt weiß auch schon, wie kraftvoll diese Wende sein wird: „Erste Abschätzungen zeigen, dass auf diese Weise bis 2010 rund 1.000 MW zusätzlicher Leistung in Schleswig-Holstein installiert werden können, ohne dass neue Eignungsräume ausgewiesen werden müssen.“

Hermann Albers, Vorsitzender des Landesverbands für Windenergie in Schleswig- Holstein, befürchtet jedoch, dass die Regierung den Windenergieanlagen-Betreibern Steine in den Weg legen könnte. Derzeit werden die Landesrichtlinien für Windenergie überarbeitet. Sie geben unter anderem eine Gesamthöhe der Windenergieanlage von 100 m vor. „Wir wollen natürlich, dass der heutige Stand der Technik beachtet wird, z. B. höhere Türme und größere Rotordurchmesser,“ meint dazu Hermann Albers. Hier zeigt die Regierung jetzt wohl Entgegenkommen, indem sie Anlagen bis 150 m toleriert. Der in den Richtlinien festgelegte Abstand zur Wohnbebauung soll dafür jedoch erhöht werden. Während Anlagen zuvor noch in 1 km Entfernung zum nächsten Dorf errichtet werden durften, sollen in Zukunft 1,5 km Abstand eingehalten werden. Hermann Albers findet das nicht gerecht: „Mit dieser Forderung steht die Landesregierung nicht mehr hart am Wind. Scheinbar haben die Herrschaften vergessen, dass wir mit mehr Windleistung besser für den Klimaschutz sorgen können.“

Nicole Weinhold | ENERCON GmbH
Weitere Informationen:
http://www.innovations-report.de/html/profile/profil-1105.html
http://www.enercon.de/

Weitere Berichte zu: E-66 ENERCON Windenergie Windenergieanlage

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Höhere Energieeffizienz durch Brennhilfsmittel aus Porenkeramik
05.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC

nachricht Planungstool für die Energiewende: Open Source Plattform für Stromnetze
05.12.2016 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nährstoffhaushalt einer neuentdeckten “Todeszone” im Indischen Ozean auf der Kippe

06.12.2016 | Geowissenschaften

Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs

06.12.2016 | Medizin Gesundheit

Bioabbaubare Polymer-Beschichtung für Implantate

06.12.2016 | Materialwissenschaften