Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Energiequellen: Rohöl und Aktivkohle aus Tiermehl und Klärschlamm

05.02.2003


Sebastian Bojanowski (rechts) und Andreas Frank bei der Rohölgewinnung im FH-Labor


Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt, bei dem die FH Gießen-Friedberg mit verschiedenen Partnern kooperiert. Gegenstand ist die Gewinnung von Rohöl und Aktivkohle aus Tiermehl und Klärschlamm.


Steigende Sprit- und Ölpreise machen vielen Bürgern in diesen Tagen zu schaffen. Nun haben Forscher eine neue Energiequelle entdeckt: Diesel vom Abdecker. Der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Ernst Stadlbauer an der Fachhochschule Gießen-Friedberg ist es gelungen, aus Tiermehl und Klärschlamm Rohöl und Aktivkohle herzustellen. Als Verfahren wendet sie dabei Erhitzen unter Ausschluss von Sauerstoff an. Aus einer Tonne Tiermehl oder einer Tonne Klärschlamm werden auf diesem Weg ca. 250 Liter Rohöl.

Die Entwicklung kommt zur richtigen Zeit. Tiermehl darf wegen BSE nicht mehr verfüttert werden. Für Klärschlamm gilt ab 2005 ein Verbot der Ablagerung auf Deponien. Dipl.-Ing. Sebastian Bojanowski vom FH-Labor für Entsorgungstechnik kennt die Zahlen: "In Deutschland fallen pro Jahr eine Million Tonnen Tiermehl und ca. drei Millionen Tonnen kommunaler Klärschlamm als Feststoffe an. In der EU sind es drei Millionen Tonnen Tiermehl und sieben Millionen Tonnen Klärschlamm."


"Mit diesen kostenpflichtigen Abfallstoffen lässt sich ein neuer Energiemarkt entwickeln," meint Walter Grimmel, Chef der Firma "Werkstoff und Funktion" in Ober-Mörlen. Zusammen mit der Fachhochschule hat der Fachbetrieb für Wasser- und Abwassertechnik ca. 250.000 Euro an Fördermitteln von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Osnabrück erhalten.

Ziel des Forschungs- und Entwicklungsprojektes ist der Bau einer Pilotanlage. Damit soll die Praxistauglichkeit der Umwandlung von Tiermehl und Klärschlamm in Rohöl demonstriert werden. Bereits im März 2003 wird der Versuchsreaktor an der Kläranlage im bayerischen Füssen errichtet. Dort soll solargetrockneter Klärschlamm in Rohöl umgewandelt werden. Klärschlamm besteht überwiegend aus Bakterien, welche die Schmutzstoffe des Abwassers anteilig in Leibessubstanz (Biomasse) umwandeln. So wird letztlich aus den Schmutzstoffen des Abwassers neue Energie in Form von Rohöl und Kohle gewonnen. Die Versuche mit Tiermehl werden bei einer hessischen Tierkörperverwertungsanlage gefahren.

Andreas Frank ist für die Veredelung der Kohle zu Aktivkohle verantwortlich. Diese ist zur Reinigung von Abwässern und sauren bzw. metallhaltigen Abgasen geeignet. Der Diplom-Ingenieur sieht in dem neuen Verfahren die Möglichkeit, "Entsorgungsprobleme im Sinne des vorsorglichen Umweltschutzes so zu lösen, dass sie wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Anforderungen der Zukunft gerecht werden."

Das Projekt hat auch eine internationale Dimension. Das FH-Team kooperiert mit der Universidade Federal Fluminense in Niterói (Rio de Janeiro) und der Universidade Federal de Santa Maria im südlichen Brasilien. Dort werden organische Rückstände aus der Reisernte mit dem Gießener Verfahren in Rohöl und hochreine medizinische Aktivkohle umgesetzt. Studierende der Fachhochschule haben die Möglichkeit, sich mit praxisbezogenen Diplom- und Studienarbeiten auch im Rahmen von Auslandssemestern an dem Projekt zu beteiligen.

Erhard Jakobs | idw
Weitere Informationen:
http://let.mni.fh-giessen.de

Weitere Berichte zu: Aktivkohle Energiequelle Klärschlamm Rohöl Tiermehl

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Wie Protonen durch eine Brennstoffzelle wandern
22.06.2017 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

nachricht Omicron Diodenlaser mit höherer Ausgangsleistung und erweiterter Garantie
20.06.2017 | Omicron - Laserage Laserprodukte GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften