Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

1200 Kilometer mit einer Tankfüllung: Brennstoffzellenfahrrad mit Rekordreichweite

24.10.2002


Sparsam wie kaum ein anderes je gebautes Fahrzeug ist das Liegerad von Jörg Weigl.


Mit einer Tankfüllung Wasserstoff 1200 Kilometer weit fahren: Diesen Reichweitenrekord schafft der Ulmer Student Jörg Weigl mit seinem Brennstoffzellenfahrrad, das er nun auf der Wasserstoff-Expo in Hamburg vorstellte. Angetrieben von einer Brennstoffzelle erreicht sein Liegerad mit Anhänger eine Reisegeschwindigkeit von rund dreißig Kilometern in der Stunde. Tritt er zusätzlich noch ein wenig in die Pedale, können es auch mehr als vierzig werden.


"Das ist nur so ein Projekt aus Begeisterung", erzählt Weigl, der an der Fachhochschule Ulm sein Maschinenbaustudium begonnen hat und nun an die FH in Emden gewechselt ist. In Eigenregie hat er aus einem handelsüblichen Liegerad mit Anhänger das weltweit erste langstreckentaugliche Brennstoffzellenfahrrad gebaut. Für den Vortrieb sorgt dabei ein 400 Watt starker Elektromotor, der in die Vordernabe eingebaut ist und über einen Drehgriff am Lenker gesteuert wird.

Mit Strom beliefert wird der Motor durch ein Brennstoffzellen-"Kraftwerk" auf dem Fahrradanhänger. Es besteht aus einem 26 Liter-Drucktank, der mit bis zu 350 bar befüllt werden kann, und einem 300-Watt-Brennstoffzellenblock des amerikanischen Unternehmens H-Power. Als Energiepuffer hat Weigl noch einen Bleiakku eingebaut, der verhindert, dass die Brennstoffzelle beim Anfahren und Beschleunigen an ihre Leistungsgrenze gerät und abschaltet.


Vierzig Stunden, so hat der Student ausgerechnet, kann das Fahrrad mit einer Tankfüllung fahren. Das entspricht im Verbrauch dem Energie-Äquivalent von 0,15 Litern Dieselkraftstoff je hundert Kilometer und einer Reichweite von 1200 Kilometern – mehr als jedes andere Brennstoffzellenfahrzeug. So weit gefahren ist Weigl freilich noch nicht. Auf große Tour soll es erst gehen, wenn der Aufbau vom TÜV abgenommen ist. "Sicher ist eine Tour durch Deutschland", freut sich der angehende Maschinenbauingenieur, "schön wäre aber auch eine Fahrt nach Skandinavien." Sorgen um das Tanken muss sich Weigl nur bedingt machen, denn das Rad kann auch mit handelsüblichen Wasserstoffgasflaschen betankt werden.

Nächstes Ziel des jungen Entwicklers ist, das Fahrrad "etwas smarter zu machen", wie er sagt. Der Anhänger soll ganz verschwinden, die Technik komplett in dem Transportkoffer auf dem Rad Platz finden. Auch will er die genauen Leistungsdaten der Konstruktion in allen Details ausmessen, woraus obendrein seine Diplomarbeit werden soll.

Ob sein Brennstoffzellenfahrrad jemals als kommerzielles Produkt gebaut und verkauft werden wird, ist fraglich. Allein der Materialwert liegt bei rund 15.000 Euro. Ein paar würde man vielleicht schon verkaufen können, schätzt Weigl. Doch ein Massenprodukt werde sicherlich nicht daraus.

Ulrich Dewald | Initiative Brennstoffzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Körperenergie als Stromquelle
22.08.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht „Cool“ bleiben im Büro: Wasser als Kältemittel im Alltag bald vor Durchbruch?
22.08.2017 | Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen