Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Cebit 2012: Stresstest für Web-2.0-Anwendungen hilft Webentwicklern bei der Fehlersuche

27.02.2012
Webanwendungen wie Google Mail, Facebook und Amazon sind täglich bei Millionen Nutzern im Einsatz.

Bisher jedoch fehlen Verfahren, um solche komplexen Web-2.0-Anwendungen kostengünstig und systematisch auf Fehlfunktionen und Sicherheitslücken zu untersuchen. Informatiker der Universität des Saarlandes arbeiten daher an automatischen Test-Methoden, die Webanwendungen selbstständig überprüfen. Erstmals präsentieren sie diese nun am Stand F34 in Halle 26 auf der Cebit. Die Computermesse findet vom 6. bis 10. März in Hannover statt.

„Ineffektiv und ineffizient“, nennt Valentin Dallmeier die Verfahren, mit denen bisher weltweit Web-Entwickler und verantwortliche Projektleiter versuchen, in Webanwendungen Programmierfehler und Sicherheitslücken zu entdecken. Dallmeier ist promovierter Informatiker und arbeitet am Lehrstuhl für Softwaretechnik an der Universität des Saarlandes, dessen Forschungsschwerpunkt das automatische Auffinden von Programmierfehlern ist.

Die dort entwickelten Methoden funktionieren für klassische Computerprogramme bereits sehr gut. Dallmeier und sein Kollege Martin Burger bauen darauf auf und wollen ein Software-System entwickeln, dass effizient und systematisch die Webanwendungen überprüfen soll, die unter dem Begriff Web 2.0 zusammengefasst werden.

Webanwendungen werden zentral auf einem Dienstrechner (Server) im Internet ausgeführt. Daher sind sie im Gegensatz zu herkömmlichen Programmen nicht auf dem PC oder Laptop des Anwenders installiert, der Nutzer bedient sie über einen Internet-Browser. Neue Programmiertechniken wie beispielsweise „Asynchronous JavaScript and XML“ (AJAX) haben in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass sich Webanwendungen genauso schnell bedienen lassen, als wären sie auf dem eigenen Rechner installiert. AJAX schafft es, die Übertragung der Datenpakete zwischen Anwender-Rechner und Server so zu organisieren, dass die dadurch bedingte Zeitverzögerung kaum mehr wahrnehmbar ist.

Daher gehen nicht nur immer mehr Anwender, sondern auch immer Unternehmen und sogar öffentliche Verwaltungen dazu über, Webanwendungen zu nutzen. Deren Qualitätssicherung hat sich jedoch nicht weiterentwickelt. „Die geschieht immer noch per Hand und verursacht dadurch nicht nur sehr hohe Kosten, sondern auch enorme Risiken für Unternehmen und die Gesellschaft“, erklärt Burger. Er verweist auf eine Meldung aus dem vergangenen Dezember, die aufdeckte, dass man durch die fehlerhafte Programmierung des Sozialen Netzwerks „Facebook“ auf geschützte, private Bilder von Anwendern zugreifen konnte.

Einen solchen Web-GAU und andere Pannen wollen Dallmeier und Burger mit der von ihnen derzeit noch zu entwickelnden Software „Webmate“ verhindern. Die Unternehmen und deren verantwortliche Webentwickler sollen dafür lediglich die Webadresse ihrer Webanwendung eingeben müssen. Danach soll das System selbstständig erkunden, wie die unterschiedlichen Komponenten der Anwendung miteinander verbunden sind und über welche Menüs, Knöpfe und sonstigen Bedienelemente die Anwender mit der Webanwendung arbeiten. Anschließend soll es Testfälle generieren und diese durchführen. Stellt es dabei fest, dass die Anwendung nicht zu der Version X eines Browsers kompatibel ist oder eine Bedienfunktion im Vergleich zu früheren Versionen der Anwendung nicht mehr vorhanden ist, soll Webmate dies sofort an den Entwickler melden. Auch wenn eine Datenbank nicht angebunden ist, ein Server nicht reagiert oder auch nur ein Link kein Ziel mehr hat, soll es den Entwickler warnen. Dieser soll die Tests dann wiederholen können.

In Zukunft sollen dann Unternehmen für diese Dienstleistung bezahlen. Die Technologie wollen die Forscher daher in einem eigenen Unternehmen vermarkten. Die Ausgründung wird in den kommenden Monaten erfolgen, eine Patentierung ist ebenfalls angestrebt. Dallmeier, der als Projektleiter vorgesehen ist, gibt sich zuversichtlich, dass man das Softwaresystem realisieren könne: „Wir haben am Lehrstuhl in den vergangenen drei Jahren die grundlegende Vorarbeit geleistet und einzelne Machbarkeitsstudien durchgeführt.“ erklärt er. Das Marktpotenzial schätzt er allein in Deutschland auf 120 Millionen Euro jährlich.

Thorsten Mohr | Universität des Saarlandes
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie CeBIT 2012:

nachricht Praktisches Handgerät zum Lesen und Beschreiben von Hochfrequenz-RFID-Datenträgern
24.07.2012 | Contrinex GmbH

nachricht Rittal und Siemens stellen integrierte Energieverteilungslösung vor
20.03.2012 | Rittal GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: CeBIT 2012 >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Im Focus: Metalle verbinden ohne Schweißen

Kieler Prototyp für neue Verbindungstechnik wird auf Hannover Messe präsentiert

Schweißen ist noch immer die Standardtechnik, um Metalle miteinander zu verbinden. Doch das aufwändige Verfahren unter hohen Temperaturen ist nicht überall...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Nano-Ampel zeigt Risiko an

24.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Resteverwerter im Meeresboden

24.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Biophysik - Blitzlicht aus der Nanowelt

24.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics