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Wurst, Pasta und Co. aus Blauer Süßlupine

06.12.2010
4,2 Millionen Euro Förderung vom Bund für die Lebensmittelforschung in MV

Verbund „PlantsProFood“ will Marktführer in Europa werden

Wir essen zu viel, wir essen zu fett, wir ernähren uns ungesund. Millionen Menschen leiden unter Adipositas (Fettleibigkeit), haben zu hohe Cholesterinwerte oder reagieren allergisch auf bestimmte Inhaltsstoffe in Lebensmitteln, wie beispielsweise Lactose. Ein möglicher Ausweg aus diesem Dilemma stellt die Herstellung rein pflanzlicher Lebensmittel ohne jegliche tierische Bestandteile dar.

Einem Verbund aus Forschungseinrichtungen und Unternehmen der Agrar- und Lebensmittelindustrie aus Mecklenburg-Vorpommern unter dem Namen „PlantsProFood“ ist es nun gelungen, die dafür notwendigen Rohstoffe aus neuen Sorten der Blauen Süßlupine zu gewinnen. Die Erfolgsaussichten für das vom Life Science Netzwerk BioCon Valley geleitete Projekt sind so vielversprechend, dass es als Wachstumskern bis 2013 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 4,2 Millionen Euro gefördert wird.

Als Zutaten in Lebensmitteln werden heute im begrenzten Umfang Lupinenmehle und Lupinenkonzentrate genutzt. Die qualitativ höherwertigen Produkte aus technologischer Sicht mit über 90 % Proteingehalt in der Trockensubstanz sind so genannte Isolate. Gegenüber Mehrstoffgemischen, wie sie Mehle darstellen, bieten Isolate aufgrund ihrer ausgeprägten technologisch-funktionellen Eigenschaften wie Emulgierwirkung, Schaumbildung, Gelbildung und Löslichkeit die Möglichkeit, gezielt die Struktur und Textur sowie die Sensorik von Lebensmitteln zu verändern. Sie sind in der Lage, vollständig tierische Rohstoffe wie Milch, Fleisch oder Ei in Lebensmitteln zu ersetzen. Die Lupinenproteinisolate sollen in den kommenden drei Jahren im Wachstumskern PlantsProFood für ihren jeweiligen Einsatz entweder in Backwaren, Fleischwaren, Feinkostprodukten, Teigwaren oder anderen Bereichen maßgeschneidert modifiziert werden.

Die in Mecklenburg-Vorpommern entwickelte und erfolgreich gezüchtete Blaue Süßlupine ist mit bis zu 40 % Proteingehalt eine der eiweißhaltigsten und auf Grund seines züchterischen Potenzials auch gentechnikfreien Nutzpflanzen weltweit. Im Vergleich mit der ebenso proteinreichen Sojabohne ist die Blaue Süßlupine durch seine höhere sensorische Akzeptanz bei den Verbrauchern im Vorteil. Die bislang verfügbaren alternativen pflanzlichen Proteinisolate werden aus Ackerbohne, Erbsen oder Weizen gewonnen. Die Aromaprofile dieser Proteine weichen aber sehr stark von den Aromaprofilen von konventionellen Zutaten aus Ei- oder Milchproteinen ab. In Folge dessen bleibt der Einsatz von Proteinprodukten aus Ackerbohne, Erbsen oder Weizen auf sehr wenige, minderwertige Applikationen beschränkt.

Die zielgenaue Aufbereitung der sensorisch neutralen Lupinenproteinisolate für ihren Einsatz in verschiedenen Lebensmitteln ist ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber Wettbewerbern. Die Lebensmittelzutaten auf Basis Blauer Süßlupinen sollen an Lebensmittelproduzenten für die Zielgruppen Allergiker, Veganer, Vegetarier und Verbraucher mit hohem Ernährungsbewusstsein vertrieben werden.

Zu den Industriepartnern des Projektes gehören unter anderem die Saatzucht Steinach GmbH aus dem Müritzkreis, die Prolupin GmbH und das Zentrum für Lebensmitteltechnologie aus Neubrandenburg, die Greifen-Fleisch GmbH aus Greifswald, die Stadtbäckerei Junge und die Rügen Feinkost GmbH aus Rostock sowie die Möwe Teigwaren GmbH aus Waren (Müritz).

Forschungsseitig engagieren sich das Julius-Kühn-Institut aus Groß-Lüsewitz, die Universität Rostock, das Fraunhofer Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung aus Freising (Bayern) mit Niederlassung in Neubrandenburg und die Universitätsfrauenklinik Rostock. Ziel des Verbundes ist es, bis 2018 der bedeutendste Hersteller von pflanzlich basierten Lebensmittelzutaten aus Blauen Süßlupinen in Europa sein.

BioCon Valley GmbH
Katrin Petersen
Friedrich-Barnewitz-Straße 8
18119 Rostock
T +49 381-51 96 49 57
F +49 381-51 96 49 52
E kp@bcv.org

Dr. Heinrich Cuypers | idw
Weitere Informationen:
http://www.bcv.org

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