Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wölfe lernen besser von Artgenossen als Hunde

31.01.2014
Anhand eines einfachen Lerntests untersuchten Verhaltensbiologinnen vom Messerli Forschungsinstitut an der Vetmeduni Vienna, wie gut Wölfe und Hunde voneinander lernen.

Ihre Studie belegt, dass Wölfe deutlich erfolgreicher Artgenossen imitieren als Hunde. Wölfe scheinen sich untereinander genauer zu beobachten als Hunde. Wahrscheinlich liegt sogar der Ursprung der guten Hund-Mensch-Beziehung in dieser Fähigkeit der Wölfe untereinander zu kooperieren. Die Arbeit wurde soeben im Journal PLOS ONE veröffentlicht.


Wölfe beobachten sich untereinander viel genauer als Hunde und lernen so besser voneinander.
Foto: Walter Vorbeck

Wölfe wurden vor mehr als 15.000 Jahren domestiziert. Die Fähigkeit der Hunde, mit dem Menschen eine soziale Beziehung einzugehen, führen Experten auf diesen Veränderungsprozess vom Wild- zum Haustier zurück. Wie hat sich die Domestikation aber auf die Interaktion der Tiere untereinander ausgewirkt. Um diese Frage zu klären, untersuchten die Verhaltensforscherinnen Friederike Range und Zsófia Virányi insgesamt etwa 30 Wölfe und Hunde am Wolf Science Center (WSC) in Ernstbrunn, Niederösterreich.

Wölfe imitieren Artgenossen und lösen so Probleme

Die Forscherinnen zeigten anhand eines sozialen Lernversuchs, dass Wölfe wesentlich besser als Hunde abschneiden, wenn sie Artgenossen beim Öffnen eines Behälters beobachten, um dann selbst dieses Behältnis zu öffnen. An der Studie nahmen 14 Wölfe und 15 Mischlingshunde teil. Wölfe wie Hunde waren etwa sechs Monate alt, wurden mit der Hand aufgezogen und in Rudeln gehalten. Alle Tiere beobachteten eine von zwei Situationen, in der ein trainierter Hund eine Holzbox entweder mit der Schnauze oder der Pfote öffnete.

In jeder Box befand sich eine Futterbelohnung. Alle Wölfe öffneten erfolgreich die Box, nachdem sie den Artgenossen zuvor bei dieser Tätigkeit beobachtet hatten. Im Gegensatz dazu schafften dies lediglich vier von 15 Hunden. Friederike Range interpretiert: „Die Wölfe haben sehr genau beobachtet, was ihnen vorgemacht wurde und konnten dieses Wissen zum Lösen des Problems anwenden. Dies kommt wahrscheinlich daher, dass Wölfe sehr viel stärker auf die Koordination mit Artgenossen angewiesen sind als Hunde und daher auch aufmerksamer auf die Aktionen ihrer Partner achten“.

Auffällig war, dass Wölfe häufiger jene Methode zum Öffnen der Box verwendeten, die sie zuvor beobachtet hatten. Die Hunde hingegen wählten, wenn es denn klappte, eher zufällig zwischen den beiden Methoden „Schnauze“ oder „Pfote“.

Wölfe beobachten ihre Artgenossen genauer als Hunde es tun

Um auszuschließen, dass lediglich die Entwicklung der Hunde langsamer als die der Wölfe ist und so die Hunde noch zu jung für diese kognitive Leistung waren, wiederholten die Forscherinnen den Test noch einmal nach rund neun Monaten. Die älteren Hunde zeigten aber auch zu diesem späteren Zeitpunkt keine Verbesserung ihrer Fähigkeiten.

Eine Erklärung für die Überlegenheit der Wölfe ist, dass Wölfe möglicherweise besser Problemstellungen lösen, als Hunde. Im Fall der vorliegenden Studie testeten die Forscherinnen deshalb abermals die Fähigkeit der Wölfe, eine Box zu öffnen, jedoch ohne Demonstration durch einen Artgenossen. In diesen Fällen waren die Wölfe eher selten erfolgreich. Das Gelingen beruht also tatsächlich auf der Beobachtung der Artgenossen. Range: „Wir gehen davon aus, dass die Beziehung zwischen Mensch und Hund ursprünglich aus der Kooperation zwischen den Wölfen untereinander resultiert. Hunde haben diese angeborene sozialen Fähigkeit zur Kooperation auf den Menschen ausgeweitet und akzeptieren ihn als Sozialpartner.“

Der Artikel „Wolves are better imitators of conspecifics than dogs“ von Friederike Range und Zsófia Virányi wurde am 29.1.2014 im Journal PLOS ONE publiziert. http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0086559

Über die Veterinärmedizinische Universität Wien

Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist die einzige veterinärmedizinische, akademische Bildungs- und Forschungsstätte Österreichs und zugleich die älteste im deutschsprachigen Raum (gegründet 1765). Die Vetmeduni Vienna forscht an Themen, die für die Gesellschaft bedeutend sind. Ihr Augenmerk gilt der Tiergesundheit ebenso wie der präventiven Veterinärmedizin, dem öffentlichen Gesundheitswesen genauso wie der Lebensmittelsicherheit. Im Forschungsinteresse stehen die Schaffung wissenschaftlicher Grundlagen für das Wohlbefinden von Tieren, Themen der Tierhaltung, des Tierschutzes und der Tierethik.

Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und bildet zurzeit 2300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und modernste Forschungsinfrastruktur. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls dazu. http://www.vetmeduni.ac.at

Wissenschaftlicher Kontakt:
Friederike Range, PhD
Messerli Forschungsinstitut
Abteilung für Vergleichende Kognitionsforschung
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 664 60257 6252
friederike.range@vetmeduni.ac.at
Aussenderin:
Dr.rer.nat. Susanna Kautschitsch
Wissenschaftskommunikation / Public Relations
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077 1153
susanna.kautschitsch@vetmeduni.ac.at

Dr. Susanna Kautschitsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.vetmeduni.ac.at

Weitere Berichte zu: Artgenosse Forschungsinstitut Futterbelohnung Vetmeduni Wing Box

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der Bluthochdruckschalter in der Nebenniere
20.02.2018 | Forschungszentrum Jülich GmbH

nachricht Markierung für Krebsstammzellen
20.02.2018 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Highlight der Halbleiter-Forschung

20.02.2018 | Physik Astronomie

Wie verbessert man die Nahtqualität lasergeschweißter Textilien?

20.02.2018 | Materialwissenschaften

Der Bluthochdruckschalter in der Nebenniere

20.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics