Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

West Nil Virus WNV: Therapeutische Impfstoffe

03.11.2008
Forscher entwickeln einen DNA-Impfstoff gegen das gefährliche West Nil Virus WNV, das vom Tier auf den Menschen übertragen werden kann. Das Besondere an diesem Impfstoff: Er hilft auch nach Ausbruch der Krankheit, denn er wirkt therapeutisch.

SARS, Vogelgrippe, Ebola - gefährliche Viruserkrankungen nehmen immer weiter zu. Gegen viele Erreger gibt es bislang noch keinen Impfschutz. Besonders gefährlich sind die Zoonosen: Diese Krankheiten können vom Tier auf den Menschen übertragen werden - mit teilweise tödlichem Ausgang.

Ein solcher Erreger ist das West Nil Virus WNV, das 1937 in Uganda entdeckt wurde. 1999 in die USA eingeschleppt, hat WNV sich binnen fünf Jahren flächendeckend über ganz Nordamerika ausgebreitet und droht nun weltweit aufzutreten. Annähernd 400 Menschen sind in diesem Zeitraum in den USA an einer Infektion mit WNV verstorben. Ein neuer Impfstoff soll nun schützen.

Wissenschaftler vom Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI in Leipzig haben den Impfstoff auf DNA-Basis entwickelt. "Bei der DNA-Impfung werden anstelle eines ganzen Virus nur kleine DNA-Moleküle des Erregers injiziert - bestimmte Plasmide. Sie enthalten die Erbinformation für die Antigene, gegen die der Körper Antikörper bildet. So lässt sich der natürliche Infektionsweg des Virus nachbilden, ohne dass eine Erkrankung ausgelöst wird", erklärt Privatdozent Dr. Matthias Giese, Leiter der Impfstoffentwicklung am IZI. Bei den herkömmlichen Impfstoffen werden abgetötete oder abgeschwächte Varianten des Erregers verabreicht.

Der Körper bildet die entsprechenden Antikörper und wird immun. Es kann auch ein Impfserum gespritzt werden, das die Antikörper schon enthält. Diese Schutzimpfungen sind vorbeugend. Der DNA-Impfstoff hat gegenüber klassischen Impfstoffen viele Vorteile: Er ist im Vergleich zu Lebendimpfstoffen biologisch absolut sicher - kann die Krankheit also nicht hervorrufen -, aktiviert alle Abwehrmechanismen, die der Körper bietet, ist preiswert zu produzieren und einfach zu lagern, da er nicht gekühlt werden muss - ideal besonders für subtropische und tropische Länder.

"Da sich das Immunsystem von Menschen zu dem anderer Säugetiere kaum unterscheidet, entwickeln wir einen speziesübergreifenden Impfstoff für die Veterinär- und die Humanmedizin. Außerdem lässt sich die DNA-Vakzine im Gegensatz zu den klassischen Impfstoffen sowohl prophylaktisch, also vorbeugend, als auch therapeutisch anwenden, also wenn die Krankheit bereits ausgebrochen ist", erläutert Giese die weiteren Vorzüge.

Erste Tests hat der WNV-Impfstoff bereits erfolgreich bestanden. Dr. Matthias Giese rechnet damit, dass die Laborarbeiten bis Ende 2009 abgeschlossen sein werden. Nach einem etwa dreijährigen Zulassungsverfahren mit klinischen Tests könnte der weltweit erste therapeutische WNV-Impfstoff auf den Markt kommen.

Dr. Matthias Giese | Fraunhofer Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.izi.fraunhofer.de
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2008/11/Mediendienst112008Thema3.jsp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zellen auf Wanderschaft: Falten in der Zellmembran liefern Material für nötige Auswölbungen
23.11.2017 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Neues Verfahren zum Nachweis eines Tumormarkers in bösartigen Lymphomen
23.11.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Seminar „Leichtbau im Automobil- und Maschinenbau“ im Haus der Technik Berlin am 16. - 17. Januar 2018

23.11.2017 | Seminare Workshops

Biohausbau-Unternehmen Baufritz erhält von „ Capital“ die Auszeichnung „Beste Ausbilder Deutschlands“

23.11.2017 | Unternehmensmeldung