Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Substanzen aus afrikanischen Heilpflanzen können Tumorwachstum stoppen

05.06.2013
Untersuchungen mit Benzophenonen aus kamerunischen Pflanzen zeigen Erfolg gegen multidrugresistente Tumore

Heilpflanzen aus Afrika enthalten chemische Substanzen, die das Wachstum von Krebszellen stoppen können. Dies haben Wissenschaftler in Laborversuchen an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) entdeckt.

Die Pflanzeninhaltsstoffe sollen nun weiter untersucht werden, um den therapeutischen Nutzen abzuschätzen. „Die identifizierten Wirkstoffe aus afrikanischen Heilpflanzen sind in der Lage, Krebszellen, die gegen mehrere Medikamente resistent sind, abzutöten. Sie bieten damit eine hervorragende Grundlage, um neue Verfahren für die Therapie von Tumoren zu entwickeln, die mit herkömmlicher Chemotherapie nicht mehr bekämpft werden können“, teilte Univ.-Prof. Dr. Thomas Efferth vom Institut für Pharmazie und Biochemie – Therapeutische Lebenswissenschaften der JGU mit. Efferth erforscht seit vier Jahren zusammen mit dem Biochemiker Dr. Victor Kuete von der University of Dschang, Kamerun, die Wirkstoffe afrikanischer Pflanzen wie Riesenkugeldistel, Kap-Pfeffer, Silberhaargras und Mohrenpfeffer.

Die Multidrug-Resistenz oder Vielmedikamenten-Resistenz ist eines der gefürchtetsten Probleme in der Krebstherapie, weil in solchen Fällen die meisten der im klinischen Alltag etablierten Krebsmedikamente versagen und damit die Heilungschancen dramatisch sinken. Durch eine Erhöhung der Dosis ist das Problem meist nicht zu lösen, weil die Nebenwirkungen entsprechend ansteigen. „Jetzt suchen wir nach neuen Substanzen, um Tumorresistenzen einerseits und Nebenwirkungen andererseits zu umgehen“, erläutert Efferth, der auch mit Heilpflanzen aus der Traditionellen Chinesischen Medizin arbeitet.

Viele Pflanzen enthalten giftige Substanzen, mit denen sie sich gegen Fraßfeinde und gegen mikrobielle Erkrankungen schützen. Die Moleküle wurden über Jahrmillionen in der Evolution des Lebens auf der Erde ausselektiert, damit die Pflanzen ihre Nachteile gegenüber Feinden – Unbeweglichkeit und fehlendes Immunsystem – ausgleichen können. Für die Pharmakologen besteht die Kunst nun darin, pflanzliche Substanzen mit einer heilenden Wirkung von jenen, die nur giftig und gefährlich sind, zu unterscheiden.

Der kamerunische Wissenschaftler Victor Kuete hat im Rahmen der Kooperation mit Mainz seit 2009 über 100 Gewürze und Pflanzen aus seinem Heimatland auf ihre zytotoxische Wirkung gegen Krebszellen untersucht. Mit einem Humboldt-Forschungsstipendium kann er seine Untersuchungen in der Arbeitsgruppe von Thomas Efferth fortsetzen und ausbauen. „Wir haben bereits eine ganze Reihe von Benzophenonen und andere Phytochemikalien gefunden, die die Resistenzmechanismen umgehen können und viele neue Ansätze zur weiteren Erforschung bieten“, so Efferth.

Die Wissenschaftler konzentrieren sich dabei vor allem auf drei unterschiedliche Resistenzmechanismen. Im Falle der transportervermittelten Resistenz können Medikamente keine Wirkung entfalten, weil sie das sogenannte P-Glykoprotein wieder aus der Tumorzelle herauspumpt. Bei der tumorsuppressorgenvermittelten Resistenz kommt es durch eine Mutation im Protein p53 dazu, dass Tumorzellen nicht mehr absterben, sondern resistent und zunehmend aggressiver werden. Bei der onkogenvermittelten Resistenz schließlich sendet der epidermale Wachstumsfaktor-Rezeptor (EGFR) Signale ins Zellinnere, die den Tumor stärker wachsen lassen. Für alle drei Resistenzmechanismen stehen den Wissenschaftlern in Mainz Zellmodelle zur Verfügung, um die aus Pflanzen gewonnenen Substanzen zu testen.

In ihrer jüngsten von bisher insgesamt acht gemeinsamen Veröffentlichungen zeigten die Wissenschaftler, dass vier natürlich vorkommende Benzophenone die Ausbreitung der getesteten Krebszelllinien, darunter auch multidrug-resistente Linien, verhindern konnten. „Die untersuchten Benzophenone sind potenziell zytotoxische Substanzen, die in Zukunft noch genauer erforscht werden könnten, um neuartige Krebsmedikamente gegen sensitive und resistente Tumore zu entwickeln“, heißt es dem Beitrag für das Fachmagazin Phytomedicine.

Fotos:

http://www.uni-mainz.de/bilder_presse/09_pharma_heilpflanzen_piper_capensis.jpg
Samen von Kap-Pfeffer
Foto: Victor Kuete, Institut für Pharmazie und Biochemie – Therapeutische Lebenswissenschaften

http://www.uni-mainz.de/bilder_presse/09_pharma_heilpflanzen_echinops_giganteus.jpg
Wurzelteile der Riesenkugeldistel
Foto: Victor Kuete, Institut für Pharmazie und Biochemie – Therapeutische Lebenswissenschaften

Veröffentlichungen:
Victor Kuete et al.
Cytotoxicity and modes of action of four naturally occuring benzophenones:
2,2_,5,6_-Tetrahydroxybenzophenone, guttiferone E, isogarcinol and isoxanthochymol
Phytomedicine, April 2013
DOI: 10.1016/j.phymed.2013.02.003

Victor Kuete et al.
Anticancer Activities of Six Selected Natural Compounds of Some Cameroonian Medicinal Plants
PLoS ONE, August 2011
DOI:10.1371/journal.pone.0021762

Weitere Informationen:
Univ.-Prof. Dr. Thomas Efferth
Abteilung für Pharmazeutische Biologie
Institut für Pharmazie und Biochemie – Therapeutische Lebenswissenschaften
Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU)
D 55099 Mainz
Tel. +49 6131 39-25751
Fax +49 6131 39-23752
E-Mail: efferth@uni-mainz.de
http://www.pharmazie.uni-mainz.de/125.php

Weitere Links:
http://dx.doi.org/10.1016/j.phymed.2013.02.003 (Article in Phytomedicine)

Petra Giegerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.pharmazie.uni-mainz.de/125.php

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Dinner in the Dark – ein delikates Wechselspiel der Mikroorganismen
24.11.2017 | Universität Wien

nachricht Wenn Blutsauger die Nase voll haben
24.11.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Metamaterial mit Dreheffekt

Mit 3D-Druckern für den Mikrobereich ist es Forschern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gelungen ein Metamaterial aus würfelförmigen Bausteinen zu schaffen, das auf Druckkräfte mit einer Rotation antwortet. Üblicherweise gelingt dies nur mit Hilfe einer Übersetzung wie zum Beispiel einer Kurbelwelle. Das ausgeklügelte Design aus Streben und Ringstrukturen, sowie die zu Grunde liegende Mathematik stellen die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Science vor.

„Übt man Kraft von oben auf einen Materialblock aus, dann deformiert sich dieser in unterschiedlicher Weise. Er kann sich ausbuchten, zusammenstauchen oder...

Im Focus: Proton-Rekord: Magnetisches Moment mit höchster Genauigkeit gemessen

Hochpräzise Messung des g-Faktors elf Mal genauer als bisher – Ergebnisse zeigen große Übereinstimmung zwischen Protonen und Antiprotonen

Das magnetische Moment eines einzelnen Protons ist unvorstellbar klein, aber es kann dennoch gemessen werden. Vor über zehn Jahren wurde für diese Messung der...

Im Focus: New proton record: Researchers measure magnetic moment with greatest possible precision

High-precision measurement of the g-factor eleven times more precise than before / Results indicate a strong similarity between protons and antiprotons

The magnetic moment of an individual proton is inconceivably small, but can still be quantified. The basis for undertaking this measurement was laid over ten...

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Schonender Hüftgelenkersatz bei jungen Patienten - Schlüssellochchirurgie und weniger Abrieb

24.11.2017 | Veranstaltungen

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forschungsschwerpunkt „Smarte Systeme für Mensch und Maschine“ gegründet

24.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Schonender Hüftgelenkersatz bei jungen Patienten - Schlüssellochchirurgie und weniger Abrieb

24.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Heidelberger Forscher untersuchen einzigartige Unterwasser-Tropfsteine

24.11.2017 | Geowissenschaften