Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sterile Fliegenmännchen gegen Schlafkrankheit

15.12.2008
Wiener Forscher maßgeblich an Bekämpfung der Seuche beteiligt

Der Wiener Zoologe Helmut Kratochvil vom Department für Evolutionsbiologie der Fakultät für Lebenswissenschaften der Universität Wien arbeitet intensiv an der Bekämpfung der gefährlichen Schlafkrankheit.

In einem Großprojekt werden sterile Fliegenmännchen freigesetzt, die die Gesamtpopulation der Fliegen drastisch reduzieren soll. Der Forscher untersucht in seinem Akustiklabor den "Gesang" der Fliegen, um die Qualität der gezüchteten Tiere genau feststellen zu können.

"Das ideale Männchen ist steril, immens aktiv und stirbt bereits nach kurzer Lebenszeit", so Kratochvil im pressetext-Interview. Die am besten geeigneten Tiere werden als Puppen verschickt und freigelassen.

"Die Methode der Freisetzung steriler Tsetsefliegen-Männchen hat sich gut bewährt", so der Zoologe. Das Forscherteam um den Biologen hat sich seit Jahren intensiv mit der Rufaktivität der männlichen Fliegen beschäftigt. "Wir haben entdeckt, dass die Fitness der Männchen unmittelbar mit der Rufaktivität in Zusammenhang steht und nicht mit der Art der Signale." Gemeinsam mit dem Institut für Schallforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften hat Kratochvil ein verwertbares Verfahren entwickelt, das im Wesentlichen auf einer neuen Schallanalysesoftware basiert, die die Rufaktivitäten der Männchen automatisch misst und auswertet.

"Die Methode ist generell sehr aufwändig und auch sehr teuer, da nur die Männchen gefragt sind, die zu einer Senkung der gesamten Population beitragen können", erklärt der Forscher. Pro Million vermuteter freilebender Männchen müssen mindestens neun Mio. sterilisierte männliche Fliegen mehrere Jahre hintereinander ausgesetzt werden. "Eine andere Besonderheit der blutsaugenden Tsetsefliegen - von denen es mehr als 30 Arten gibt - ist die Tatsache, dass die Weibchen lebendgebärend sind und nur einmal Nachwuchs produzieren", erklärt der Forscher. Zudem gebären weibliche Fliegen nur eine sehr kleine Zahl von Jungen.

Die Sterilisation der Männchen erfolgt durch radioaktive Strahlung der Larven in speziellen Zuchtanlagen wie etwa im Forschungszentrum Seibersdorf. Die Bestrahlung erfolgt im Auftrag der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA. Auf der Suche nach einem Qualitätskriterium zur Beurteilung der Nachzucht, ist die Behörde an den Forscher herangetreten und hat nach einem akustischen Testverfahren zur Qualitätsprüfung der sterilen Männchen gebeten. Erst kürzlich hat Kratochvil in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba bei der IAEA-Abschlusskonferenz des Projekts seine Arbeit präsentiert.

"Die tagaktive Tsetsefliege ist nicht nur für den Menschen gefährlich, sondern auch für das Vieh. Ein Beispiel dafür ist die Nagana-Seuche von der Rinder und Pferde betroffen sind", so der Forscher. Die eigentlichen Erreger der Erkrankung sind aber nicht die Fliegen selbst, sondern parasitär lebende Einzeller. "Trotzdem hat sich die Ausbringung von unfruchtbaren Männchen zur Bekämpfung der Erkrankung durchgesetzt." Bei anderen durch Insekten übertragende Krankheiten wie etwa der Malaria sei das aufgrund der völlig anderen Reproduktionsarten nicht möglich. "Unsere Methode zur Prüfung der Fitness der Männchen hat sich jedenfalls gut bewährt und wird in Zukunft weltweit angewandt", so der Forscher abschließend im pressetext.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.univie.ac.at/evolutionsbiologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns
24.04.2018 | Forschungszentrum Jülich

nachricht Nano-Ampel zeigt Risiko an
24.04.2018 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns

24.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Bestrahlungserfolg bei Hirntumoren lässt sich mit kombinierter PET/MRT vorhersagen

24.04.2018 | Medizintechnik

RWI/ISL-Containerumschlag-Index auf hohem Niveau deutlich rückläufig

24.04.2018 | Wirtschaft Finanzen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics