Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Was schädigt die Synapsen bei Alzheimer?

29.02.2012
Prof. Jochen Herms, neuer Arbeitsgruppenleiter am DZNE und Lehrstuhlinhaber an der LMU, untersucht mit hochentwickelten Mikroskopiemethoden die zellulären Grundlagen neurodegenerativer Erkrankungen.

Der Untergang der Synapsen – der Kontaktstellen zwischen Nervenzellen – gilt als die zentrale Ursache für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer, Prionerkrankungen oder Parkinson. Warum Synapsen degenerieren und was man dagegen tun kann, untersucht Prof. Jochen Herms in seiner neuen Arbeitsgruppe am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), Standort München. Herms ist zusätzlich Inhaber des Lehrstuhls "Translationale Forschung auf dem Gebiet der Neurodegeneration" an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Welche Proteine sind an der Schädigung der Synapsen beteiligt? Welche zellulären Veränderungen spielen eine Rolle und welche Wirkstoffe könnten dem Untergang entgegenwirken? Um diese Fragen zu beantworten haben sich Herms und seine Kollegen auf die in vivo Zweiphotonenmikroskopie spezialisiert. Mit diesem Verfahren lassen sich strukturelle Veränderungen an den Synapsen im Gehirn der Maus über Wochen bis Monate hinweg zu verfolgen. "Das ist sehr viel sensitiver, als das Verhalten von Tieren zu beobachten und es lassen sich auch besser Rückschlüsse auf den Menschen ziehen – zumindest wenn man von einer primär synaptischen Störung als Ursache neurodegenerativer Erkrankungen ausgeht", erklärt Herms.

Schlagzeilen machte Herms mit einem Ansatz zur Entwicklung einer neuen Methode zur Alzheimer-Früherkennung bzw. Therapiekontrolle. Mit dieser Methode sollen Tau-Aggregate, die sich bei Alzheimer im zentralen Nervensystem anreichern, in der Netzhaut des Auges nachgewiesen werden. Noch testen die Wissenschaftler die Methode im Tiermodell. Lässt sich das Verfahren auf den Menschen übertragen, wäre es möglich, neue diagnostische Verfahren für die Alzheimer-Erkrankung zu entwickeln. "Eine Früherkennung ist gerade bei Alzheimer sehr wichtig, denn die Krankheit beginnt schon lange, bevor die ersten Symptome auftauchen. Dass es noch nicht gelungen ist, eine wirksame Therapie gegen Alzheimer zu etablieren, liegt vermutlich auch daran, dass in den bisherigen klinischen Studien mit der Therapie zu spät begonnen wurde", erklärt Herms.

Über seine Berufung ans DZNE freut sich Herms sehr. "Wir kommen in der Alzheimerforschung nur weiter, wenn wir gängige Hypothesen kritisch hinterfragen und neue Hypothesen entwickeln. Die starke Unterstützung, die wir am DZNE bekommen, und die kritische Masse an Wissenschaftlern am DZNE gibt uns dazu das richtige Forschungsumfeld", sagt er. Am DZNE wird sich der Neuropathologe ganz auf die Grundlagenforschung konzentrieren. Sein medizinischer Hintergrund und sein neuropathologisches Wissen sind für seine Forschung ein wesentlicher Vorteil: "Ein genaues Bild von der Erkrankung beim Menschen hilft mir sehr, die Relevanz bestimmter Beobachtungen im Tiermodell besser einschätzen zu können", sagt Herms.

Jochen Herms studierte Medizin, promovierte an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf und arbeite am anschließend am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen im Labor von Otto Creutzfeldt. 1999 schloss er die Facharztausbildung zum Neuropathologen ab, wurde leitender Oberarzt und habilitierte über die Funktion des Prionproteins in Neuronen an der Universität Göttingen. Seit 2001 lehrt er als Professor für Neuropathologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und folgte 2011 einem Ruf auf einen Lehrstuhl für Translationale Forschung auf dem Gebiet der Neurodegeneration an der Universität München und dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen am Standort München.

Kontaktinformation:
Prof. Dr. Jochen Herms
Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE)
c/o Ludwig-Maximilians-Universität München
Zentrum für Neuropathologie
Feodor-Lynen Str. 23
81377 München
Tel.: +49 (0) 89 / 2180-78010
Email: jochen.herms(at)dzne.de
Daniel Bayer
Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE)
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel: +49 (0) 228 43302 /263
Email: daniel.bayer(at)dzne.de

Daniel Bayer | idw
Weitere Informationen:
http://bit.ly/arbeitsgruppe_herms
http://www.dzne.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sollbruchstellen im Rückgrat - Bioabbaubare Polymere durch chemische Gasphasenabscheidung
02.12.2016 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht "Fingerabdruck" diffuser Protonen entschlüsselt
02.12.2016 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie