Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Raben verstehen die Beziehungen anderer Raben

23.04.2014

Kognitionsbiologe Thomas Bugnyar und sein Team von der Universität Wien zeigen, dass Kolkraben fähig sind, die Beziehungen anderer Raben zueinander einzuschätzen – eine Fähigkeit, die bis dato nur von Primaten bekannt war.

Wie viele sozial lebende Tiere zeigen Raben unterschiedliche soziale Beziehungen – sie können Freunde, Verwandte oder Paarpartner haben und sie bilden strikte Dominanzhierarchien. Ein Verständnis für die Beziehungen, die andere Gruppenmitglieder untereinander haben, ermöglicht eine noch wesentlich flexiblere Vorgehensweise, da nun strategische Einsichten möglich sind. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift Nature Communications publiziert.


Interaktion zweier Raben

(Copyright: Georgine Szipl)


Zwei Raben

(Copyright: Jorg J.M. Massen)

Eine Gruppe um Thomas Bugnyar vom Department für Kognitionsbiologie an der Universität Wien testete das Verständnis für Beziehung anderer an zwei Gruppen von Raben. Mittels akustischer Playbacks wurde einzelnen Vögeln die Interaktion von zwei anderen Raben simuliert, wobei diese Interaktion entweder mit der existierenden Ranghierarchie übereinstimmte oder eine Rangverschiebung andeutete (ein niederrangiges Tier dominiert ein höherrangiges Tier). Im letzteren Fall reagierten die Raben mit verstärkten Erkundungs- und Stressverhalten wie Kopfdrehen und Schütteln, was darauf schließen lässt, dass ihre Erwartung, wie die Dominanzverhältnisse sein sollten, erschüttert worden ist. Ähnlich wie Primaten scheinen Raben daher die Rangbeziehungen zwischen Gruppenmitgliedern zu verstehen.

Interessanterweise fanden die Forscher heraus, dass Raben nicht nur auf die simulierten Rangverschiebungen in ihrer eigenen Gruppe, sondern auch auf jene der Nachbargruppe reagierten. Dies führt zum Schluss, dass Raben rein auf der Basis von Beobachtungen anderer auf deren Beziehungen schließen können. Zudem erbringen diese Ergebnisse den erstmaligen Nachweis, dass Tiere sich für Beziehungen anderer interessieren können, auch wenn diese Beziehungen sie nicht unmittelbar betreffen.

Der Erstautor der Arbeit, Jorg Massen, zieht einen Vergleich zur populären TV-Serie "Die Sopranos": "Wenn Tony Blundetto sich über Tony Soprano lustig macht, registrieren wir als Zuschauer sofort, dass dies nicht gemäß der Rangverhältnisse in der Sopranofamilie ist. Wir ziehen diesen Schluss nicht durch Vergleiche von unserem eigenen Rang mit denen der beiden Tonys, sondern haben eine geistige Repräsentation der Rangverhältnisse der handelnden Personen", so Jorg Massen weiter: "Unsere Ergebnisse legen nahe, dass auch Raben das können. Nachdem die Vögel in unserem Experiment nie mit der Nachbarsgruppe in physischem Kontakt waren, sondern dessen Mitglieder nur hören und sehen konnten, deuten die Ergebnisse daraufhin, dass Raben auch geistige Repräsentationen über andere bilden", schließt Massen.

Publikation in "Nature Communications":
Massen, J.J.M., Pašukonis, A., Schmidt, J. & Bugnyar, T. (2014). Ravens notice dominance reversals among conspecifics within and outside their social group. In: Nature Communications, 5: 3679. Published online April 22, 2014.
http://dx.doi.org/10.1038/ncomms4679

Wissenschaftlicher Kontakt
Jorg J.M. Massen, PhD
Department für Kognitionsbiologie
Universität Wien
1090 Wien, Althanstraße 14
T +43-699-1131 0182
jorg.massen@univie.ac.at

Rückfragehinweis
Mag. Alexandra Frey
Pressebüro der Universität Wien
Forschung und Lehre
1010 Wien, Universitätsring 1
T +43-1-4277-175 33
M +43-664-602 77-175 33
alexandra.frey@univie.ac.at

Die Universität Wien ist eine der ältesten und größten Universitäten Europas: An 15 Fakultäten und vier Zentren arbeiten rund 9.500 MitarbeiterInnen, davon 6.700 WissenschafterInnen. Die Universität Wien ist damit auch die größte Forschungsinstitution Österreichs sowie die größte Bildungsstätte: An der Universität Wien sind derzeit rund 92.000 nationale und internationale Studierende inskribiert. Mit über 180 Studien verfügt sie über das vielfältigste Studienangebot des Landes. Die Universität Wien ist auch eine bedeutende Einrichtung für Weiterbildung in Österreich. 1365 gegründet, feiert die Alma Mater Rudolphina Vindobonensis im Jahr 2015 ihr 650-jähriges Gründungsjubiläum. www.univie.ac.at

Weitere Informationen:

http://dx.doi.org/10.1038/ncomms4679 - Publikation in Nature Communications

Veronika Schallhart | Universität Wien

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Bakterieller Untermieter macht Blattnahrung für Käfer verdaulich
17.11.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

nachricht Neues Werkzeug für gezielten Proteinabbau
17.11.2017 | Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte