Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Wirkstoff im Tiermodell bei Masern erfolgreich – zukünftig Hilfe bei begrenzten Ausbrüchen?

17.04.2014

In einem spezifisch etablierten Tiermodell wurde gezeigt, dass ein neu entwickelter Hemmstoff des Masernvirus bei Ausbrüchen das Umfeld Infizierter möglicherweise vor der Erkrankung schützen und somit eine Ausbreitung verhindern könnte.

Der Wirkstoff, der in Tablettenform verabreicht werden könnte, senkt die Viruslast in Tieren, die mit einem Virus infiziert wurden, das eng mit dem Masernvirus verwandt ist. Zudem schützt er die Tiere auch vor dem tödlichen Krankheitsverlauf. Über die Forschungsergebnisse von Wissenschaftlern des Paul-Ehrlich-Instituts und der Georgia State University, Atlanta, berichtet Science Translational Medicine in seiner Online-Ausgabe vom 16.04.2014 (20:00 Uhr MEZ)


Zellen, die mit einem resistenten (grüne Fluoreszenz) oder einem Wildtyp (rote Fluoreszenz) Staupevirus infiziert wurden. Infizierte Zellen wurden mit ERDRP-0519 oder Puffer behand

Georgia State University

Der einzige sichere und wirksame Schutz vor Maserninfektionen ist die Impfung. Trotz weltweiter Anstrengungen, die Masern auszurotten, kommt es auch in Deutschland aufgrund von Impflücken in der Bevölkerung immer wieder zu Ausbrüchen. Allein im Jahr 2013 wurden dem Robert Koch-Institut 1775 Masernfälle in Deutschland gemeldet. Vor diesem Hintergrund wäre ein Wirkstoff hilfreich, der bei Auftreten einer Infektion das Risiko einer Weiterverbreitung des Virus reduziert.

Prof. R. Plemper, Institute for Biomedical Sciences, Georgia State University, Atlanta, USA, und Kollegen haben einen niedermolekularen Hemmstoff des Masernvirus entwickelt, der oral verfügbar ist und als Tablette verabreicht werden könnte. Der Wirkstoff, bezeichnet als ERDRP-0159, hemmt die für die Vermehrung des Virus unverzichtbare RNA-abhängige RNA-Polymerase.

Bislang war die Entwicklung eines geeigneten Masernvirus-Hemmstoffs auch deshalb kaum möglich, weil kein geeignetes Tiermodell zur Wirksamkeitsprüfung zur Verfügung stand. Im Rahmen der Beteiligung des Instituts am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) ist es Dr. Veronika von Messling, Leiterin der Abteilung Veterinärmedizin des Paul-Ehrlich-Instituts, und ihren Mitarbeitern gelungen, hierzu ein Tiermodell mit Frettchen zu entwickeln.

Für ihre Untersuchungen verwendeten sie einen sehr engen Verwandten des Masernvirus, das Hundestaupevirus (CDV, canine distemper virus). Wie auch das Masernvirus gehört es zur Familie der Morbilliviren. Eine Infektion mit dem Virus ist für unbehandelte Frettchen tödlich. Wurden die Tiere dagegen ab dem dritten Tag nach Infektion für 14 Tage mit dem Hemmstoff behandelt, überlebten alle Frettchen die Infektion mit dem Virus. Die Behandlung, die von den Tieren sehr gut vertragen wurde, führte zudem zur Entwicklung eines Immunschutzes gegenüber dem Hundestaupevirus – eine erneute Infektion mit dem Virus blieb folgenlos.

Originalpublikation: Krumm SA, Yan D, Hovingh E, Evers TJ, Enkirch T, Reddy GP, Sun A, Saindane MT, Arrendale RF, Painter G, Liotta DC, Natchus MG, von Messling V, Plemper RK (2014). An Orally Available, Small-Molecule Polymerase Inhibitor Shows Efficacy Against a Lethal Morbillivirus Infection in a Large Animal Model.
Science Translational Medicine, 16. April 2014

Weitere Informationen:

http://www.pei.de

Dr. Susanne Stöcker | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie sich das Wasser in der Umgebung von gelösten Molekülen verhält
22.05.2017 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht Myrte schaltet „Anstandsdame“ in Krebszellen aus
22.05.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Im Focus: XENON1T: Das empfindlichste „Auge“ für Dunkle Materie

Gemeinsame Meldung des MPI für Kernphysik Heidelberg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

„Das weltbeste Resultat zu Dunkler Materie – und wir stehen erst am Anfang!“ So freuen sich Wissenschaftler der XENON-Kollaboration über die ersten Ergebnisse...

Im Focus: World's thinnest hologram paves path to new 3-D world

Nano-hologram paves way for integration of 3-D holography into everyday electronics

An Australian-Chinese research team has created the world's thinnest hologram, paving the way towards the integration of 3D holography into everyday...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

Flugzeugreifen – Ähnlich wie PKW-/LKW-Reifen oder ganz verschieden?

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Myrte schaltet „Anstandsdame“ in Krebszellen aus

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

22.05.2017 | Physik Astronomie

Wie sich das Wasser in der Umgebung von gelösten Molekülen verhält

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie