Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Narkosegase: Klimawirkung von einer Million Autos

06.12.2010
Häufig eingesetztes Narkotikum ist 5.100 mal aggressiver als CO2

Auch in Spitälern bestehen bisher ungenutzte Möglichkeiten des Klimaschutzes.

Ein Beispiel dafür ist die Anästhesiologie, wie Chemiker der Universität Kopenhagen gemeinsam mit US-Kollegen im "British Journal of Anaesthesia" berichten. Die etwa bei Operationen eingesetzten Narkosegase sind um ein Vielfaches klimaschädlicher als CO2. "Alleine die in den USA verwendeten Narkosegase haben ein Erwärmungspotenzial, das jenem der Abgase von einer Mio. Autos entspricht", erklärt Studienleiter Ole John Nielsen im pressetext-Interview.

Manche Gase besonders schädlich

Konkret überprüften die Atmosphärenchemiker drei Narkosegase, die derzeit im Umlauf sind, auf ihre Klimawirkung. Sevoflurane zeigten dabei einen 210-fache Auswirkung im Vergleich zu Kohlendioxid (CO2), Isoflurane den Faktor 510 und Desflurane sogar 1.620. Narkosegase sind mit einer Lebensdauer von zwei bis acht Jahren kurzlebig. Noch deutlichere Ergebnisse liefert somit eine Betrachtung über 20 statt wie üblich über 100 Jahre. "Im kürzeren Zeitraum ist die Klimawirkung von einem Kilogramm Desfluranen mit 5,1 Tonnen CO2 gleichzisetzen", so Nielsen.

Narkosegase werden bei OPs sparsam eingesetzt und auch ihr Anteil an der gesamten Treibhausgas-Bilanz des Menschen ist verschwindend gering. Dennoch sollte man auch kleine Möglichkeiten des Klimaschutzes nutzen, so die Forscher. "Falls kein therapeutischer Unterschied besteht, sind Sevoflurane die verträglichere Alternative zu Desfluranen", erklärt der dänische Forscher.

Aufwachphase und Verträglichkeit anders

"Die drei Narkosegase werden unterschiedlich eingesetzt", berichtet Eckhard Meinhausen, Präsidiumsmitglied des Berufsverband deutscher Anästhesisten http://www.bda.de , im pressetext-Interview. Am häufigsten wenden Anästhesisten Sevoflurane an, die im Klima-Vergleich besser abschnitten. "Sie eignen sich am besten für die Einleitung per Inhalation und haben angenehmen Geruch, was bei Kindern praktisch ist." Mit Isofluranen behandelte Patienten haben eine verlängerte Aufwachphase, was manchmal ein Nachteil ist. "Desoflurane werden hingegen besonders in der ambulanten Chirurgie eingesetzt, da sie ein schnelles Aufwachen erlauben. Zudem eigenen sie sich gut für Adipöse."

Das Narkosewesen wird laut Meinhausens Einschätzung nicht zusammenbrechen, würde man Desoflurane für den medizinischen Einsatz verbieten. Längst gibt es neben der Inhalation auch intravenöse Narkoseformen, die ganz ohne Gas auskommen. "Erhebliche Probleme" seien im Fall des Falles dennoch vorherzusehen - besonders bei Patientengruppen, für die das Narkosegas bisher am besten geeignet ist.

Originalartikel unter http://bja.oxfordjournals.org/content/105/6/731.extract

Johannes Pernsteiner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.ki.ku.dk

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Krebsdiagnostik: Pinkeln statt Piksen?
25.05.2018 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Kugelmühlen statt Lösungsmittel: Nanographene mit Mechanochemie
25.05.2018 | Technische Universität Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics