Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Molekularer Korkenzieher

08.11.2011
Wissenschaftler der Universitäten Zürich und Duisburg-Essen haben eine spezifische Funktion des Proteins p97/VCP entdeckt. Sie zeigen, dass das Protein wie ein Korkenzieher DNA-Brüche repariert. Dieser Reparaturmechanismus könnte auch für die Krebstherapie bedeutsam sein.

Menschliches Erbgut ist dauernden Beschädigungen durch die Umwelt ausgesetzt. Mögliche Ursachen für eine Schädigung sind Stoffwechselvorgänge, chemische Substanzen oder ionisierende Strahlung wie zum Beispiel Röntgenstrahlung. Bereits eine geringe Dosis von ionisierenden Strahlungen kann zu Brüchen in der DNA-Doppelhelix führen. Diese DNA-Brüche werden im Normalfall von körpereigenen Proteinen repariert, sie können aber auch zu Krebs führen, sofern die Reparatur misslingt.

Protein als Korkenzieher
Bei der Reparatur von DNA-Brüchen spielt das Protein p97/VCP eine wichtige Rolle. Die Forschungsgruppen von Kristijan Ramadan, Institut für Veterinärpharmakologie der Universität Zürich, und Hemmo Meyer, Universität Duisburg-Essen, haben herausgefunden, dass p97/VCP wie ein Korkenzieher die DNA-Reparatur begünstigt. Eiweisse, die sich an den Bruchstellen ansammeln, werden zuerst mit Resten des Proteins Ubiquitin markiert. Diese Reste binden an das Protein p97/VCP und werden korkenzieherartig entfernt. Damit die DNA-Reparatur erfolgreich abgeschlossen werden kann, ist die präzise räumliche und zeitliche Entfernung der Reparaturproteine von der Bruchstelle entscheidend.
Nutzen für die Krebstherapie
Der Reparaturmechanismus mit p97/VCP bzw. dessen Hemmung könnte auch für die Krebstheorie von Bedeutung sein. Dazu der Veterinärpharmakologe Kristijan Ramadan: «Durch Blockierung der Korkenzieheraktivität von p97/VCP sollte es möglich sein, die Wirkung von Strahlungs- oder Chemotherapie zu verstärken». Strahlen verursachen hohe, meistens tödliche Schäden in der DNA von Krebszellen. Die therapeutische Wirkung könnte zusätzlich verstärkt werden, wenn gleichzeitig der bei Krebszellen gewöhnlich einsetzende Reparaturmechanismus mit p97/VCP gehemmt würde. Kristijan Ramadan schlussfolgert: «Vielleicht liesse sich dann sogar die Strahlendosis mit ihren unerwünschten Nebenwirkungen senken».
Literatur:
Mayura Meerang, Danilo Ritz, Shreya Paliwal, Zuzana Garajova, Matthias Bosshard, Pavel Janscak, Ulrich Hübscher, Hemmo Meyer, and Kristijan Ramadan. The ubiquitin selective remodelling factor p97/VCP orchestrates the DNA damage response. Nat Cell Biol. October 23, 2011. doi: 10.1038/ncb2367

Nathalie Huber | Universität Zürich
Weitere Informationen:
http://www.uzh.ch/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut
20.10.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Aus der Moosfabrik
20.10.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise