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Informatives Rillenmuster

29.03.2012
Fortschritte in der Fingerabdruckanalyse

Dass man anhand von Fingerabdrücken eine Person identifizieren und so z.B. einer Straftat überführen kann, ist hinlänglich bekannt. Inzwischen geht aber weit mehr. So können Fingerabdrücke z.B. zeigen, ob der Verdächtige Raucher ist, Drogen konsumiert oder mit Sprengstoffen hantiert hat. Pompi Hazarika und David A. Russell erläutern in der Zeitschrift Angewandte Chemie, welche bemerkenswerten Fortschritte jüngst erzielt wurden.


Fingerabdrücke verraten mehr als die Identität - wenn man die richtige Chemie beherrscht.
(c) Wiley-VCH

Wenn ein Finger eine Oberfläche berührt, hinterlässt der Schweiß zusammen mit ölhaltigen Substanzen wie Talg einen mit bloßem Auge nicht zu erkennenden Abdruck. Um ihn sichtbar zu machen, gibt es diverse Methoden, wie das Einstäuben mit Pulvern und das Besprühen mit Reagenzien oder „Superkleber“. Ein Beispiel für einen innovativen Ansatz zur Erhöhung der Nachweisempfindlichkeit ist das Abscheiden von Goldnanopartikeln, an die käfigartige, mit Farbstoffen gefüllte Moleküle oder andere lumineszierende Marker gebunden sind, die das Rillenmuster zum Leuchten bringen. Goldnanopartikel mit angeknüpften Antikörpern gegen Aminosäuren können ältere, eingetrocknete Fingerabdrücke besser sichtbar machen.

Hat eine Person Drogen genommen, werden Spuren in ihrem Schweiß mit ausgeschieden. Das Team um Russell von der University of East Anglia (Norwich, Großbritannien) hat vor kurzem einen Ansatz entwickelt, bei dem Magnetpartikel mit Antikörpern bestückt werden, die spezifisch an bestimmte Drogen- oder Nicotin-Metaboliten binden. Im zweiten Schritt wird ein fluoreszierender Antikörper aufgegeben, der an den ersten bindet und mit seinem Leuchten unter dem Fluoreszenzmikroskop die Anwesenheit der entsprechenden Droge anzeigt. So gelang es den Forschern, mehrere Rauschgifte simultan im selben Fingerabdruck nachzuweisen.

Andere innovative Ansätze verwenden chromatographische und massenspektrometrische Methoden, um Schweißkomponenten und ihre Abbauprodukte in Fingerabdrücken zu identifizieren. Eine spannende Entwicklung ist z.B. die Desorptions-Elektrosprayionisations-Massenspektrometrie (DESI-MS). Geladene Lösungsmitteltröpfchen werden aufgesprüht und lösen Stoffe aus dem Fingerabdruck heraus. Zusätzliche Lösungsmitteltröpfchen prallen auf und setzen die gelösten Analyte von der Oberfläche frei, die dann mittels Massenspektrometrie untersucht werden. Anschließend wird ein Bild des Fingerabdrucks errechnet. Auch Spuren von Drogen und Sprengstoffen können angezeigt werden.

Eine andere interessante Methode ist die Infrarotspektroskopie, mit deren Hilfe es z.B. gelang, überlappende Fingerabdrücke zweier Individuen anhand ihres unterschiedlichen Talganteils in zwei Einzelbilder aufzutrennen. Auch Spuren von Sprengstoffen ließen sich aufspüren. Mithilfe der Raman-Spektroskopie gelang es zudem, Pharmaka wie Aspirin und Paracetamol sowie Coffein und Stärke in Fingerabdrücken zu identifizieren.

Ziel ist nun die Entwicklung eines kosteneffizienten, schnellen, transportablen Miniatursystems, das Fingerabdrücke und die enthaltenen chemischen Bestandteile detektieren kann. Dies wäre nicht nur für die Kriminaltechnik, sondern auch für Dopingtests oder die Diagnostik interessant.

Angewandte Chemie: Presseinfo 11/2012

Autor: David Russell, University of East Anglia, Norwich (Großbritannien), http://www.uea.ac.uk/che/dar

Angewandte Chemie, Permalink to the article: http://dx.doi.org/10.1002/ange.201104313

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69451 Weinheim, Germany

Dr. Renate Hoer | GDCh
Weitere Informationen:
http://www.uea.ac.uk/che/dar
http://dx.doi.org/10.1002/ange.201104313
http://presse.angewandte.de/

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