Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Herzmuskelschwäche durch Infarkt: Wie lässt sich Wiederaufbau von Herzmuskelgewebe stimulieren?

29.04.2014

Dr. Rusche-Forschungsprojekt widmet sich der herzeigenen Zellerneuerung am Mausmodell

Wird ein Herzinfarktpatient nicht sofort in der Klinik behandelt und es vergeht zu viel Zeit bis zur Wiedereröffnung des verschlossenen Herzkranzgefäßes, kommt es zum Untergang von Herzmuskelgewebe.


M.-A. Deutsch (vorne links) und sein Team. Hintere Reihe v. l.: PD Dr. M. Krane (Leiter Experim. Chirurgie), PD Dr. H. Lahm (Dipl.-Biol.), Dr. S. Doppler (Dipl.-Biol.), A. Werner (Dipl.-FH-Chem.).

Foto: Deutsches Herzzentrum München

Die Erneuerungsrate von Herzmuskelzellen im Erwachsenenalter ist äußerst gering. Im Schnitt führt ein Herzinfarkt zu einem Verlust von etwa einer Milliarde Herzmuskelzellen. Je nach Ausmaß des Gewebeverlusts kommt es langfristig zur Herzmuskelschwäche und zur chronischen Herzschwäche (Herzinsuffizienz).

Im Endstadium der Herzschwäche ist die Herztransplantation häufig die letzte Rettung. Um Infarktpatienten vor einem derart schwerwiegenden Verlauf zu schützen, sucht man in der Herzforschung intensiv nach neuen therapeutischen Ansätzen zum Wiederaufbau von Herzmuskelgewebe, z. B. durch die herzeigene Neubildung von Herzmuskelzellen.

„Einen vielversprechenden Ansatz auf dem Gebiet der Erneuerung von Herzmuskelzellen im Herzen verfolgt das Forschungsteam um Marcus-André Deutsch am Deutschen Herzzentrum München“, erklärt der Herzspezialist Prof. Dr. med. Udo Sechtem, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Stiftung für Herzforschung (DSHF – www.dshf.de).

Deutsch und sein Team versuchen im Tiermodell die herzeigene Neubildung von Herzmuskelzellen durch die Stimulation von Vorläuferzellen im Herzmuskelgewebe anzuregen. Die DSHF fördert das Vorhaben mit der Dr. Rusche-Projektförderung 2014 in Höhe von insgesamt 60.500 Euro für die Dauer von zwei Jahren. Das Projekt trägt den Titel „Spezifische zytokinbasierte Stimulation der endogenen kardialen Regeneration nach akuter Myokardischämie“.

Embryonale Herzentwicklung liefert wichtige Hinweise

Die Forscher gehen anhand von Untersuchungen am Herzen der ausgewachsenen Maus davon aus, dass nach einem künstlich herbeigeführten akuten Infarkt im Herzen der Maus bestimmte Zellen mit Stammzelleigenschaften vorkommen, die ansonsten nur während der embryonalen Herzentwicklung beobachtet werden können. Die Forscher konnten eine Zellpopulation mit Eigenschaften von Stammzellen identifizieren, sogenannter kardialer Vorläuferzellen (Progenitorzellen).

Diese Vorläuferzellen gelten für die Neubildung von Herzmuskelzellen als sehr aussichtsreich und sind einer Stimulation mit Wachstumsfaktoren (Zytokine) zugänglich. Die mit Wachstumsfaktoren stimulierten Zellen werden von Deutsch und Kollegen genauer beobachtet, um herauszufinden, ob sich diese Zellen in Herzmuskelzellen umwandeln. „Unser Erkenntnisse aus dem Infarktmodell der Maus sollen später auf Großtiermodelle übertragen werden, um der Entwicklung neuer Methoden bei der Behandlung von Patienten mit erlittenem Herzinfarkt einen entscheidenden Schritt näher zu kommen“, sagt Marcus-André Deutsch.

Der Internist Dr. Ortwin Rusche aus Bad Soden hatte die DSHF in seinem Testament als Alleinerbin eingesetzt. Aus dem zum Gedenken an den Erblasser eingerichteten Stiftungsfonds Dr. Ortwin Rusche soll nach dessen Wunsch alljährlich ein Projekt mit herzchirurgischem Schwerpunkt gefördert werden. Die Ausschreibung, auf die sich Nachwuchswissenschaftler aus der Herzchirurgie bewerben können, erfolgt gemeinsam durch die DSHF und die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG).

12/2014
Informationen:
Deutsche Stiftung für Herzforschung
Pressestelle:
Michael Wichert /Pierre König
Tel. 069 955128-114/-140
Fax: 069 955128-345
E-Mail: wichert@herzstiftung.de /
koenig@herzstiftung.de

Weitere Informationen:

http://www.dshf.de
http://www.herzstiftung.de/Forschung.html

Michael Wichert | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

nachricht Wolkenbildung: Wie Feldspat als Gefrierkeim wirkt
09.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Plattformübergreifende Symbiose von intelligenten Objekten im »Internet of Things« (IoT)

09.12.2016 | Informationstechnologie

Von Fußgängern und Fahrzeugen: Uni Ulm und DLR sammeln gemeinsam Daten für das automatisierte Fahren

09.12.2016 | Informationstechnologie

Forscher entschlüsseln, wie Pflanzen ihre Blätter abwerfen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie