Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Damenwahl: Grazer ZoologInnen erforschen, was bei Grillen-Weibchen gut ankommt

23.05.2013
Was wären laue Abende ohne das Zirpen der Grillen. Mit ihren Gesängen sorgen die Männchen für Sommer-Stimmung – und bei ihren Artgenossinnen für Liebeslaune.

Am Institut für Zoologie der Karl-Franzens-Universität Graz untersucht die Forschungsgruppe um Univ.-Prof. Dr. Heinrich Römer das Verhalten von Grillen bei der Partnerwahl und ihre Grundlagen im Nervensystem der Insekten. Denn um das optimale Männchen zu finden, brauchen die Weibchen das entsprechende Gehör. Für ihre Forschungen haben die WissenschafterInnen eine neue Methode entwickelt, mit der sie Nervenzellen bei der Arbeit zusehen können.

Das Liebeswerben männlicher Grillen mag ganz schön anstrengend sein, doch auch ihre Artgenossinnen stehen vor keiner leichten Aufgabe. Schließlich geht es darum, das beste Männchen für die Fortpflanzung auszuwählen. „Wir interessieren uns dafür, welche gesanglichen Fähigkeiten einen potenziellen Partner zum Favoriten machen und wie das Grillen-Weibchen imstande ist, diese Vorzüge zu erkennen“, berichtet Heinrich Römer, Leiter der Forschungsgruppe „Neurobiologie und Verhalten“.

Zum einen untersuchen die Grazer ForscherInnen das Verhalten von Grillen in Labor- und Freilandexperimenten, indem sie die Weibchen mit Signalen beschallen, die in Lautstärke, Tonhöhe und Dauer variieren. Was überzeugt die Damen? „Sie gehen unter anderem dorthin, wo am längsten gesungen wird“, erzählt Römer. „Die Gesangslänge scheint ein Qualitätsmerkmal zu sein, das die Weibchen zu schätzen wissen. Denn wer ausdauernd ist, hat viel Energie.“

Zum anderen erforschen die ZoologInnen die Grundlagen der Nervensysteme von Insekten. Diese sind relativ einfach gestaltet. Jedes Körpersegment besitzt einen Nervenknoten, der nur aus einigen hundert Nervenzellen besteht. Diese überschaubare Zahl erlaubt es, die Funktion einzelner Nervenzellen und kleiner Netzwerke detailliert zu untersuchen. Heinrich Römer und Priv.-Doz. Dr. Manfred Hartbauer entwickelten eine neue Methode, um die elektrische Aktivität von Nervenzellen live zu beobachten. Dazu werden an ein Präparat Mikroelektroden angelegt, welche die elektrische Aktivität der Nervenzellen registrieren. Die Zoologen wissen, dass das Gehirn einer Grille aufgrund von Nervenimpulsen entscheidet, wohin das Tier geht. „Die Frage ist nur, welche Informationen es genau nutzt, um sein Ziel, den richtigen Partner, zu finden“, erklärt Römer.

Die Vorteile des Insektennervensystems wollen die Grazer ForscherInnen in einem neuen Cyborg-Projekt nutzen, in dem für wenige Stunden die nervöse Aktivität des Insekts mit einem Roboter verbunden und dieser von den Nervenzellen gesteuert wird. Davon erwarten sich die ForscherInnen Grundlegendes zur Arbeit kleiner neuronaler Netzwerke. Solche Cyborgs sollen aber auch gemeinsam mit KollegInnen der TU Graz in angewandten technischen Fragen wie der Vermeidung von Kollisionen von Fahrzeugen und Flugzeugen eingesetzt werden.
Die Arbeit der Gruppe um Heinrich Römer ist verankert im Forschungsschwerpunkt „Gehirn und Verhalten“ der Karl-Franzens-Universität Graz.

Kontakt:
O.Univ.-Prof. Dr. Heinrich Römer
Institut für Zoologie der Karl-Franzens-Universität Graz
Tel.: 0043 (0)316/380-5596
E-Mail: heinrich.roemer@uni-graz.at

Gudrun Pichler | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-graz.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zebras: Immer der Erinnerung nach
24.05.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

nachricht Wichtiges Regulator-Gen für die Bildung der Herzklappen entdeckt
24.05.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten