Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chronischer Stress – ein kaum erforschter Risikofaktor

20.01.2011
Neue Forschungsinitiative in Regensburg

Chronischer Stress – insbesondere chronischer psycho-sozialer Stress – ist ein hoher Risikofaktor für die Entstehung zahlreicher körperlicher und psychischer Erkrankungen. So können etwa Gelenkentzündungen, Angst- und Depressionserkrankungen, eine Colitis (Entzündung des Dickdarms) oder auch eine erhöhte Anfälligkeit für Krebsleiden durch einen ungesunden und stressbelasteten Lebensstil verursacht werden.

Die konkreten Zusammenhänge zwischen chronischem Stress und der Entstehung solcher Krankheiten sind allerdings wenig bekannt. Im Rahmen einer Forschungsinitiative wollen deshalb Wissenschaftler der Universität Regensburg um Prof. Dr. Inga Neumann vom Lehrstuhl für Neurobiologie die zugrundeliegenden molekularen, immunologischen und neurobiologischen Mechanismen untersuchen. Die Forschungsinitiative ist dabei bewusst sehr breit ausgerichtet.

Sowohl erfahrene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als auch Nachwuchskräfte aus der Medizin und der Biologie sind daran beteiligt. Dabei wird an Tiermodellen – vor allem Mäusen und Ratten – untersucht, welche Konsequenzen chronische Stress-Belastung auf die alltägliche Stressbewältigung, auf Emotionen, auf das Immunsystem und auf die körpereigene Tagesrhythmik hat.

So nimmt Dr. Stefan Reber, Leiter der Nachwuchsgruppe „Chronischer Stress“ am Lehrstuhl von Neumann, die Veränderungen des körpereigenen Stress-Systems in den Blick. „Unser Körper ist gut gewappnet, um kurzzeitigem Stress durch die Aktivierung körpereigener Systeme zu begegnen, aber diese Fähigkeit verschlechtert sich unter Bedingungen von chronischem Stress“, erläutert Reber. Wie Stress sogar unsere Immunfunktionen verändert, wird Prof. Dr. Daniela Männel untersuchen, die Leiterin des Instituts für Immunologie am Regensburger Universitätsklinikum. Sie geht dieser Frage durch die Untersuchung der Veränderungen von Funktionen der Immunzellen im Blut von chronisch gestressten Tieren nach. „Genauere Kenntnisse über die immunologischen Veränderungen durch chronischen Stress werden unser Wissen über die Entstehung einzelner Erkrankungen wesentlich erweitern“, so Männel.

Auf der Grundlage von zahlreichen Vorarbeiten von Neumann zur Stressbewältigung von Müttern in der Zeit kurz vor und nach der Geburt sollen an der Universität Regensburg auch geschlechtsspezifische Aspekte untersucht werden. Dr. David Slattery, Leiter der Nachwuchsgruppe „Stress und Verhalten“, interessiert dabei, ob chronischer Stress in der Schwangerschaft das Verhalten und die aktuelle Stressbelastbarkeit eines Muttertiers beeinträchtigt. Jüngere Forschungen konnten belegen, dass Stress nicht nur die Entwicklung des Embryos stört, sondern nach der Geburt auch bei der Mutter zu Depressionen führen kann.

Der Neurobiologe Prof. Dr. Peter Flor, der 2008 aus der Pharma-Industrie zu den Stressforschern am Lehrstuhl Neumann stieß, untersucht verschiedene, für die Entstehung von Stress relevante Neurotransmitter im Gehirn. So soll nach Mechanismen gesucht werden, die Stress hemmen oder Stress vorbeugen können. Mit Prof. Dr. Charlotte Förster, die Ende 2010 auf einen Lehrstuhl an der Universität Würzburg wechselte, wurde schließlich eine weitere Forscherin vom „Stress-Fieber“ angesteckt. Sie wird im Rahmen der Forschungsinitiative der Frage nachgehen, ob Langzeitwirkungen von Stress von einem bestimmten Tagesrhythmus abhängig sind bzw. diesen sogar verändern können. Veränderte Wach-und Schlafrhythmen sind eng an psychiatrische Erkrankungen, wie z.B. Depression, gekoppelt.

Die insgesamt fünf neuen Forschungsprojekte werden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft über einen Zeitraum von zunächst drei Jahren mit einer Gesamtsumme von 1,5 Millionen Euro gefördert.

Ansprechpartnerin für Medienvertreter:
Prof. Dr. Inga Neumann
Universität Regensburg
Institut für Zoologie
Tel.: 0941 943-3053
Inga.Neumann@biologie.uni-regensburg.de

Alexander Schlaak | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-regensburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Software mit Grips
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Hirnforschung, Frankfurt am Main

nachricht Einen Schritt näher an die Wirklichkeit
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics