Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bone Morphogenetic Proteine - neue Therapieoptionen für das Nebennierenkarzinom?

30.11.2009
Geschwulste der Nebenniere können sich als Ursache eines Hormonexzesses oder als bösartige Tumore manifestieren. Nebennierenrinden-Karzinome sind zwar mit nur ein bis zwei neuen Fällen pro einer Millionen Einwohner pro Jahr selten, ihr klinischer Verlauf aber sehr ungünstig. Die Behandlungsmöglichkeiten betroffener Patienten sind zudem häufig wegen eines bereits fortgeschrittenen Krankheitsstadiums eingeschränkt. Neuen Untersuchungen zufolge könnten Bone morphogenetic Proteine (BMP) eine wichtige Rolle in der Entstehung von Nebennierenkarzinomen spielen.

Das Team um Prof. Dr. Felix Beuschlein untersucht nun in einem von der Stiftung geförderten Projekt, ob BMPs als neue Angriffspunkte für eine lokale oder systemische Therapie von Nebennieren-Karzinomen genutzt werden können, um in Zukunft den klinischen Verlauf betroffener Patienten zu verbessern.

Die Nebennieren, am oberen Pol der Niere gelegen Drüsen, produzieren Hormone, die eine lebenswichtige Rolle in der Regulation des Salz- und Wasserhaushaltes, des Zucker-Stoffwechsel und der Reifung und Fortpflanzung des Menschen spielen. Tumore der Nebenniere können durch eine ungezügelte Hormonausschüttung zu vielfältigen Krankheitsbildern beitragen und z.B. Ursache für einen schwer einstellbarem Bluthochdruck, Übergewicht und Osteoporose sein.

In seltenen Fällen können sich bösartige Nebennierentumore zudem durch ihr rasches und metastasierendes Wachstum manifestieren. Diese als Nebennierenkarzinome bezeichneten Tumore sind trotz chirurgischer, strahlen- oder chemotherapeutischer Therapieansätze mit einer sehr schlechten Prognose behaftet - die 5-Jahresüberlebensrate liegt unter 20%. Diese schlechte Prognose ist zum Teil dadurch bedingt, dass die molekularen Ursachen der Nebennierentumorgenese nur ansatzweise verstanden sind, was gezielte - und damit effektive - Therapien gegen das Tumorwachstum verhindert.

Die Arbeitsgruppe am Klinikum Innenstadt konnte in jüngeren Arbeiten zeigen, dass Hormone aus der Familie der den Bone Morphogenetic Proteine (BMPs) an der Entstehung und Ausprägung der Nebennierenkarzinome wichtigen Anteil haben. In dieser in Cancer Research publizierten Arbeit konnte an operiertem Tumormaterial beobachtet werden, dass in der Mehrzahl der Nebennierenkarzinome die Produktion von BMP2 und BMP5 verloren geht. Wurden diese Faktoren den Tumorzellen jedoch wieder zugeführt, konnte damit das Tumorwachstum und auch die überschießende Hormonproduktion unterdrückt werden. Interessanterweise konnten die Tumorzellen auch durch die Behandlung mit bestimmten pharmakologischen Substanzen dazu gebracht werden, erneut BMP2 und BMP5 bilden.

Aus diesen Befunden ergeben sich damit interessante neue Angriffspunkte für eine gerichtete Tumortherapie. BMPs werden in jüngster Zeit von orthopädischen Arbeitsgruppen in experimentellen und frühen klinischen Studien auf ihre therapeutische Nutzbarkeit etwa zur Verbesserung der Knochenheilung getestet. Damit wäre ein klinischer Einsatz auch für Tumorpatienten in Zukunft denkbar. In einem von der Wilhelm-Sander Stiftung geförderten Projekt sollen daher nun die neu entdeckten Mechanismen an verschiedenen Tumormodellen in der Zellkultur und im Mausmodell getestet werden. Ziel ist die Nutzung der Erkenntnisse für eine lokale oder systemische Therapie von Nebennieren-Karzinomen, um auf lange Sicht die Lebensqualität betroffener Patienten und den klinischen Verlauf dieser Erkrankung zu verbessern.

Kontakt:
Prof. Dr. med. Felix Beuschlein
Endokrinologische Forschung am Klinikum Innenstadt der LMU München.
Email: felix.beuschlein@med.uni-muenchen.de
Web: www.endocrine-research.mki.klinikum.uni-muenchen.de
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert die Fortsetzung dieses Forschungsprojekt mit weiteren knapp 160.000 €, nachdem für die voran gegangenen Förderperioden bereits ein ähnlich hoher Betrag bewilligt wurde.

Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht „Spionieren“ der versteckten Geometrie komplexer Netzwerke mit Hilfe von Maschinenintelligenz
08.12.2017 | Technische Universität Dresden

nachricht Die Zukunft der grünen Gentechnik
08.12.2017 | Max-Planck-Institut für Biochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Im Focus: Towards data storage at the single molecule level

The miniaturization of the current technology of storage media is hindered by fundamental limits of quantum mechanics. A new approach consists in using so-called spin-crossover molecules as the smallest possible storage unit. Similar to normal hard drives, these special molecules can save information via their magnetic state. A research team from Kiel University has now managed to successfully place a new class of spin-crossover molecules onto a surface and to improve the molecule’s storage capacity. The storage density of conventional hard drives could therefore theoretically be increased by more than one hundred fold. The study has been published in the scientific journal Nano Letters.

Over the past few years, the building blocks of storage media have gotten ever smaller. But further miniaturization of the current technology is hindered by...

Im Focus: Successful Mechanical Testing of Nanowires

With innovative experiments, researchers at the Helmholtz-Zentrums Geesthacht and the Technical University Hamburg unravel why tiny metallic structures are extremely strong

Light-weight and simultaneously strong – porous metallic nanomaterials promise interesting applications as, for instance, for future aeroplanes with enhanced...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Papstar entscheidet sich für tisoware

08.12.2017 | Unternehmensmeldung

Natürliches Radongas – zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs

08.12.2017 | Unternehmensmeldung

„Spionieren“ der versteckten Geometrie komplexer Netzwerke mit Hilfe von Maschinenintelligenz

08.12.2017 | Biowissenschaften Chemie