Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie der Artenverlust das Ökosystem beeinflusst

03.05.2002


DFG bewilligt Jenaer Ökologen ein Großforschungsprojekt zur Biodervisität



Wahrscheinlich leben etwa acht bis zehn Millionen Pflanzen-, Tier-, Pilz-, Bakterien- und sonstige Arten auf unserer Erde. Biologen haben bisher allerdings erst rund zwei Millionen beschrieben. Während die Wissenschaft die meisten Arten noch katalogisieren muss, verringern gleichzeitig Umweltbelastungen und Naturzerstörung diese biologische Vielfalt in einem bisher nie gekannten Ausmaß. Welche Konsequenzen dieser Verlust der so genannten "Biodiversität" für unsere Erde haben wird, ist im Moment nicht abzuschätzen. "Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, dass der Verlust an Biodiversität auch für den Menschen unangenehme Folgen haben wird", sagt der Jenaer Ökologe Prof. Dr. Wolfgang W. Weisser, "da die Stoffkreisläufe die Grundwasserqualität, das Nitratrückhaltevermögen des Bodens oder auch die Produktivität beeinflussen". Weltweit versuchen deshalb Wissenschaftler herauszufinden, wie sich ein Verlust an Arten auf die in einem Ökosystem ablaufenden Prozesse auswirkt. In einem jetzt anlaufenden Forschungsprojekt wollen auch Jenaer Wissenschaftler ihren Teil dazu beitragen.



Die Frage nach der Bedeutung von Biodiversität für die Stoffkreisläufe in Ökosystemen fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in Jena mit insgesamt 1,5 Millionen Euro. An dem Großforschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Weisser von der Friedrich-Schiller-Universität und Prof. Dr. Detlef Schulze vom Jenaer Max-Planck-Institut für Biogeochemie und ihren Arbeitsgruppen beteiligen sich auch das Max-Planck-Institut für Chemische Ökologie in Jena, die Technischen Universitäten Darmstadt und Berlin sowie die Universität Zürich (Schweiz). Am Beispiel des Modellökosystems Grünland sollen Kohlenstoffbilanzen der Ökosysteme aufgestellt und die Umsatzraten und Verluste von Nährstoffen in den Systemen in Abhängigkeit von der Biodiversität berechnet werden. Dazu werden ab Mai 2002 über 500 Wiesen aus unterschiedlich vielen Pflanzenarten in der Saaleaue angesät und untersucht.

Das Projekt ist stark interdisziplinär ausgerichtet. Arbeitsgruppen aus den Bereichen Hydrologie, Biogeochemie, Bodenkunde, Botanik, Zoologie und Agroökologie wirken eng zusammen. Die DFG fördert dieses europaweit größte Projekt seiner Art zunächst bis 2004, die geplante Laufzeit beträgt aber zehn Jahre. Aus DFG-Mitteln werden zwölf Wissenschaftler und sechs Gärtner bzw. technische Mitarbeiter für die acht Teilprojekte eingestellt. Hinzu kommen weitere Mitarbeiter, die von den beteiligten Institutionen für dieses Projekt zur Verfügung gestellt werden.

"Wir erwarten für die nächsten Jahre eine rege Beteiligung verschiedener Forschergruppen aus der ganzen Welt, die die einzigartige Versuchsanlage nutzen werden", erklärt Prof. Weisser. "Die Förderzusage durch die DFG unterstreicht die Rolle Jenas als eines der europäischen Zentren für ökologische Forschung", ist er sicher.

Kontakt:
Prof. Dr. Wolfgang W. Weisser
Institut für Ökologie
der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dornburger Str. 159
07743 Jena
Tel.: 03641 / 949410
Fax: 03641 / 949402
E-Mail: Wolfgang.Weisser@uni-jena.de

Axel Burchardt | idw

Weitere Berichte zu: Artenverlust Biodiversität DFG Ökologie Ökosystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher finden neue Ansätze gegen Wirkstoffresistenzen in der Tumortherapie
15.12.2017 | Universität Leipzig

nachricht Moos verdoppelte mehrmals sein Genom
15.12.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik