Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sicher gelandet - die tierischen Weltraumtouristen der Universität Hohenheim sind zurück

27.09.2007
Die Buntbarsche haben ihren Ausflug ins All gut überstanden. Nun sollen sie den Forschern grundlegende Erkenntnisse über Gleichgewichtsstörungen von der Reise- bis zur Weltraumkrankheit liefern

Kasachstan am Mittwoch, 26.09.2007, um 9:00 Uhr MESZ: Nach zwölf Tagen im All sind die Buntbarsche der Universität wieder sicher zur Erde zurückgekehrt. Nun beginnt für Prof. Dr. Reinhard Hilbig und PD Dr. Ralf Anken vom Zoologischen Institut der Universität Hohenheim die Auswertung: Durch Untersuchungen an Ohrensteinchen der winzigen Fischlarven suchen sie grundlegende Erkenntnisse und Therapieformen für Schwindel, Gleichgewichtsstörungen und Krankheiten von der Seekrankheit bis zur Weltraumübelkeit.

Sachte setzt die Satelliten-Kapsel an Fallschirmen in Kustanai (Quostanai) im Norden Kasachstans auf. An Bord der mannshohen Kugel: ein silberner Würfel, etwa so groß wie vier Schuhkartons. Erleichtert atmen Prof. Dr. Reinhard Hilbig und PD Dr. Ralf Anken auf: Schon einmal hatten sie 30 Fische zu Forschungszwecken in Richtung All geschickt - doch bei der Landung verglühte das Space-Shuttle Columbia in einer der größten Katastrophen der Raumfahrt.

Zwölf Tage lang ist der Silberwürfel die Heimat für die am russischen Weltraumbahnhof in Baikonur auf die Reise geschickten Buntbarsche gewesen. Als Lebenserhaltungssystem hatten die Wissenschaftler gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Ökophysiologie der Pflanzen in Erlangen sowie der Firma Kayser-Threde in München ein neues aquatisches Lebenserhaltungssystem (Spezialaquarium) entwickelt. Darin befanden sich neben den Fischen noch Algen, die den lebensnotwendigen Sauerstoff für die Fische produzierten.

"Der schwierigste Part ist überstanden", kommentierte Prof. Dr. Reinhard Hilbig, als er vor wenigen Minuten den Container mit den Fischen vom Bergungsteam in Empfang nahm. Tatsächlich hatte das Landemanöver den Forschern die geringste Sorge gemacht. "Aus anderen Tests - zum Beispiel Experimenten am Fallturm oder bei Parabelflugexperimenten - haben wir gelernt, wie widerstandsfähig diese kleinen Fische sind", erläutert PD Dr. Ralf Anken.

"Noch gestern sind unsere kleinen Weltraumtouristen im Video aus dem All munter umhergeschwommen und haben auch einige kleine Loopings gedreht - wie das kleine Fische eben tun - der Downlink war eindeutig!", berichtet Ralf Anken.

Im nächsten halben Jahr werden Ralf Anken und Reinhard Hilbig mit der Auswertung der Ergebnisse aus dem Forschungsexperiment beschäftigt sein. Untersucht werden die Schweresteinchen im Innenohr der Fische beziehungsweise deren Entwicklung/Wachstum während des Aufenthalts im All.

Doch der Weltraum hat noch immer keine Ruhe vor fischigen Besuchern. Bereits im November ziehen Hohenheimer Fische wieder die Raumanzüge an, um mit einer kleinen Rakete in 250 Kilometern Höhe sechs Minuten lang die Schwerelosigkeit zu erleben. "Bei diesem Flug geht es vor allem darum, die Fische beim Übergang in die Schwerelosigkeit zu filmen. Auch wollen wir wissen, wie schnell sie sich anpassen", so Anken.

Hintergrund
Ziel der Forschung an den Gleichgewichtsorganen der Fische sind neue Erkenntnisse, die unter anderem das Phänomen von Gleichgewichtsstörungen einer Klärung näher bringen sollen. Damit ließen sich möglicherweise Therapiemöglichkeiten für bisher weitgehend unerklärbare Krankheiten der Gleichgewichtssinne entwickeln, von denen zahllose Menschen betroffen sind. Bei entsprechenden Krankheiten leiden die Patienten unter schlagartig auftretendem Schwindel und Orientierungslosigkeit sowie Unwohlsein. Verantwortlich dafür sind vermutlich winzige Steinchen im Innenohr, die sogenannten Otolithen, die uns - unter Einbezug visueller Information - unsere dreidimensionale Lage im Raum vermitteln.

Für die Grundlagenforschung am Innenohr werden die Untersuchungen an Fischen durchgeführt, weil der Bereich im Ohr, der für die Schwerkraftwahrnehmung verantwortlich ist, bei Fischen genau wie beim Menschen funktioniert - nur dass Ohrsteinchen beim Fisch wesentlich größer sind, da er sich unter Wasser orientieren muss.

Kontaktadresse:
apl. Prof. Dr. rer. nat. Reinhard Hilbig, Universität Hohenheim, Fachgebiet Zoologie - Bereich Neuro- und Entwicklungsbiologie

Tel.: 0711 459-23349, E-Mail: rhilbig@uni-hohenheim.de

PD Dr. rer. nat. Ralf Anken, Universität Hohenheim, Fachgebiet Zoologie - Bereich Neuro- und Entwicklungsbiologie

Tel.: 0711 459-24020, E-Mail: anken@uni-hohenheim.de

Florian Klebs | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de/

Weitere Berichte zu: Anken Buntbarsche Gleichgewichtsstörung Innenohr Weltraumtourist

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Dichtes Gefäßnetz reguliert Bildung von Thrombozyten im Knochenmark
25.07.2017 | Rudolf-Virchow-Zentrum für Experimentelle Biomedizin der Universität Würzburg

nachricht Welcher Scotch ist es?
25.07.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

IT-Experten entdecken Chancen für den Channel-Markt

25.07.2017 | Unternehmensmeldung

Erst hot dann Schrott! – Elektronik-Überhitzung effektiv vorbeugen

25.07.2017 | Seminare Workshops

Dichtes Gefäßnetz reguliert Bildung von Thrombozyten im Knochenmark

25.07.2017 | Biowissenschaften Chemie