Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gendiagnostik in Deutschland: Status quo und Problemerkundung

04.09.2007
Die vollständige Sequenzierung des Genoms eines Menschen für 1000 US$ scheint in den nächsten fünf bis zehn Jahren möglich. Vor diesem Hintergrund sind Qualitätssicherung und die Schaffung von Regelungen im Umgang mit genetischen Daten die zentralen Stichworte der aktuellen Diskussion um die Gendiagnostik in Deutschland.

Nach dem neuesten Bericht der Arbeitsgruppe Gentechnologiebericht der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften bedarf es vor allem der Einführung von europäischen und bundesdeutschen Qualitätssicherungssystemen.

"Die auf europäischer Ebene erarbeiteten Kriterien für die Bemessung der klinischen Relevanz von genetischer Diagnostik bei der Gestaltung der Leistungskataloge sollten sowohl von den Gesetzlichen als auch von den Privaten Krankenversicherungen Anwendung finden", so Jörg Schmidtke, Direktor des Instituts für Humangenetik an der Medizinischen Hochschule Hannover und Mitglied der Arbeitsgruppe Gentechnologiebericht. Auch sollten diese Kataloge rascher an den medizinisch-genetischen Fortschritt angepasst werden.

Der technologische Fortschritt und die fallenden Kosten für DNA-Sequenzierungen machen nach Meinung der Arbeitsgruppe eine Konzentration der genetischen Krankheitsversorgung auf große klinisch-genetische Zentren nötig. "Nur so ist eine ausreichende Qualitätssicherung mit standardisierten Untersuchungen zukünftig zu gewährleisten", ergänzt Bernd Müller-Röber, Sprecher der Arbeitsgruppe Gentechnologiebericht der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Regelungsbedarf sieht die Arbeitsgruppe vor allem im Zusammenhang mit der Vermeidung genetischer Diskriminierung sowie bei einem angemessenen Umgang mit prädiktiven Tests für schwerwiegende Erkrankungen. Ebenso sollte in Deutschland eine neue gesetzliche Regelung für Abstammungsuntersuchungen geschaffen werden. Die Trennung von Test und Anfechtung der Vaterschaft ist hierbei ein wesentlicher Punkt.

Der Band zur Gendiagnostik aktualisiert und ergänzt das Kapitel zur molekulargenetischen Diagnostik aus dem ersten deutschen Gentechnologiebericht aus dem Jahre 2005. Aktuell behandelt werden u. a. die forensische Medizin, die Präimplantationsdiagnostik und die Frage des genetischen Exzeptionalismus. Außerdem widmen sich einzelne Beiträge dem ungewöhnlichen technischen Fortschritt, wichtigen Entwicklungen auf den Gebieten der Gesundheitsökonomie und Gesetzgebung sowie ausgewählten Indikatoren.

Für das Jahr 2008 kündigt die Arbeitsgruppe einen Band zur Gentherapie sowie den zweiten Gentechnologiebericht an. Weitere Informationen zur ersten Langzeitaufgabe der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften sind unter http://www.gentechnologiebericht.de zu finden. Ansprechpartner ist Dr. Mathias Boysen (030/20370 625, boysen@bbaw.de).

Gendiagnostik in Deutschland. Status quo und Problemerkundung.
Supplement zum Gentechnologiebericht. Hrsg. von Jörg Schmidtke et al. (Forschungsberichte der Interdisziplinären Arbeitsgruppen der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften; Bd. 18), Forum W - Wissenschaftlicher Verlag, Limburg 2007, ISBN 978-3-940647-00-9, geb. EUR 39,95

Pressekontakt: Dr. Elke Senne, Tel: 030/20 370 529, Fax: 030/20 370 622, eMail: senne@bbaw.de

Gisela Lerch | idw
Weitere Informationen:
http://www.bbaw.de
http://www.gentechnologiebericht.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Designerviren stacheln Immunabwehr gegen Krebszellen an
26.05.2017 | Universität Basel

nachricht Wachstumsmechanismus der Pilze entschlüsselt
26.05.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften