Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vampir-Atem verrät die Identität des letzten Opfers

16.08.2007
Wissenschaftler des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo und Wildtierforschung und Kollegen von der Freien Universität Berlin, der Humboldt Universität zu Berlin sowie der Universität Aberdeen berichten im Journal of Comparative Physiology B, dass sich Vampirfledermäuse aus Lateinamerika neuerdings von Weidevieh anstelle von Regenwaldtieren ernähren.

Der Nachweis gelang den Forschern, indem sie den Atem der Fledermäuse analysierten. Den Wissenschaftlern zufolge führt die großflächige Umwandlung von Regenwaldhabitaten in Weideland zu einer Vergrößerung der Vampirfledermauspopulationen in Lateinamerika.

Ökologische Physiologen des Leibniz-Instituts für Zoo und Wildtierforschung und Kollegen von der Freien Universität Berlin, der Humboldt Universität zu Berlin sowie der Universität Aberdeen berichten im Journal of Comparative Physiology B, dass sich Vampirfledermäuse aus Lateinamerika neuerdings von Weidevieh anstelle von Regenwaldtieren ernähren. Die Forscher schließen daraus, dass die großflächige Umwandlung von Regenwaldhabitaten in Weideland zu einer Vergrößerung der Vampirfledermauspopulationen in Lateinamerika führte.

Bauern beobachten immer wieder, dass Vampire ihren Hunger an Weidevieh stillen, anstatt ihre ursprünglichen Beutetiere anzufallen. Um diesen Verhaltenswechsel zu dokumentieren, analysierten Dr. Christian Voigt und seine Kollegen das Verhältnis an stabilen Kohlenstoffisotopen im ausgeatmeten CO2 von Vampirfledermäusen. Im Labor fütterten sie Vampire mit Blut, welches mit nicht-radioaktiven 13C-Isotopen angereichert war, und verfolgten dann, wann die Isotope im Atem der Vampire wieder auftauchten. "Die Vampirfledermäuse nutzten das frisch verzehrte Blut relativ schnell, um ihren Stoffwechsel zu betreiben. Nach weniger als einer Stunde glich das Isotopenverhältnis im Atem demjenigen der letzten Blutmahlzeit" erklärt Dr. Voigt.

Danach sammelten die Forscher den Atem von wilden Vampirfledermäusen in Costa Rica und analysierten dessen Kohlenstoffisotopenverhältnis. "Die potenziellen Beutetiere von Vampiren in Costa Rica sind entweder Weidevieh oder Regenwaldtiere, wie zum Beispiel Tapire oder Wildschweine. Weidevieh und Regenwaldtiere ernähren sich von Pflanzen mit einem sehr unterschiedlichen Kohlenstoffisotopenverhältnis, nämlich von Gras im Fall des Weideviehs und von Regendwaldpflanzen im Falle der Tapire oder Wildschweine. Deshalb erwarteten wir, dass wir das letzte Opfer eines Vampirs am Isotopenverhältnis seines Atems identifizieren können" erklärt Dr. Voigt. Ihr Atem verriet die Vampire als Spezialisten für Weidevieh, obwohl Regenwaldtiere als Alternative vorhanden waren.

Die Autoren argumentieren, dass Vampirfledermäuse nicht notwendigerweise Blut von Weidevieh bevorzugen. Da Kühe auf eingezäunten und offenen Weiden gehalten werden, sind sie für Vampirfledermäuse sehr viel einfacher zu finden als Regenwaldtiere, die sich in dichter Vegetation verstecken können. Die großflächige Umwandlung von Regenwald in Agrarland wirkt sich üblicherweise negativ auf die ursprünglichen Wildtiere Lateinamerikas aus. Vampirfledermäuse scheinen jedoch im Gegensatz zu den meisten anderen Tieren Lateinamerikas von der menschlichen Aktivität zu profitieren.

Vampirfledermäuse leben nur in Zentral- und Südamerika und wiegen ungefähr 30 - 40 Gramm. Unverwandte Vampire einer Kolonie teilen sich das Futter untereinander. Dieses Verhalten, auch als reziproker Altruismus in der Wissenschaft beschrieben, haben sie mit dem Menschen gemeinsam.

C C Voigt, P Grasse, K Rex, S K Hetz and J R Speakman (2007). Bat breath reveals metabolic substrate use in free-ranging vampires. Journal of Comparative Physiology B, DOI : 10.1007/s00360-007-0194-z online verfügbar ab 16 August 2007.

Bemerkung: Für weitere Informationen sowie Bilddokumente, kontaktieren sie bitte Dr. Christian Voigt, Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), Berlin, Tel.: +49 30 5168 517, e-mail: voigt@izw-berlin.de.

Hintergrundinformationen:
Das IZW ist eine national und international renommierte Forschungseinrichtung, die anwendungsorientierte und interdisziplinäre Grundlagenforschung in den Bereichen Evolutionsökologie und -genetik, Wildtierkrankheiten, sowie Reproduktionsbiologie und -management bei Zoo- und Wildtieren betreibt. Aufgabe des IZW ist die Erforschung der Vielfalt der Lebensweisen, der Mechanismen evolutionärer Anpassungen und der Anpassungsgrenzen inklusive Krankheiten von Zoo- und Wildtieren in und außerhalb menschlicher Obhut sowie ihrer Wechselbeziehungen mit Mensch und Umwelt. Die gewonnenen Erkenntnisse sind Voraussetzung für einen wissenschaftlich begründeten Artenschutz und für Konzepte der ökologischen Nachhaltigkeit der Nutzung natürlicher Ressourcen. www.izw-berlin.de
Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, einem Zusammenschluss von 83 Forschungsinstituten. Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 83 Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung. Diese beschäftigen etwa 13.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Stand 12/2006), davon sind ca. 5.400 Wissenschaftler, davon wiederum 2.000 Nachwuchswissenschaftler. Der Gesamtetat aller Institute der Leibniz-Gemeinschaft liegt bei mehr als 1,1 Mrd. Euro pro Jahr. Die Drittmittel betragen etwa 225 Mio. Euro pro Jahr.

www.leibniz-gemeinschaft.eu

Josef Zens | Forschungsverbund Berlin e.V.
Weitere Informationen:
http://www.fv-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Raben: "Junggesellen" leben in dynamischen sozialen Gruppen
23.03.2017 | Universität Wien

nachricht Die Evolutionsgeschichte der Wespen, Bienen und Ameisen erstmals entschlüsselt
23.03.2017 | Stiftung Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig, Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die Evolutionsgeschichte der Wespen, Bienen und Ameisen erstmals entschlüsselt

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neurone am Rande der Katastrophe: Wie das Gehirn durch kritische Zustände effizient arbeitet

23.03.2017 | Seminare Workshops

Müll in den Weltmeeren überall präsent: 1220 Arten betroffen

23.03.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz