Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

RWTH-Chemiker unterstützen den Kampf gegen Kastanienschädlinge

20.06.2007
Braune Kastanienblätter bereits im Frühsommer: Was vielerorts an Herbstlaub erinnert, ist das Werk eines Schädlings. Die Rosskastanien-Miniermotte (Cameraria ohridella), hat sich in den vergangenen zehn Jahren fast flächendeckend über Europa ausgebreitet. Eine Gruppe von RWTH-Chemikern entwickelte nun ein vereinfachtes synthetisches Herstellungsverfahren des Sexuallockstoffs (Pheromons), mit dem die Männchen in spezielle Fallen gelockt werden können.

Rund fünf Millimeter lang ist der rostbraune Falter mit der schwarz-weißen Flügelzeichnung, dessen Larven auch in Deutschland gewaltige Schäden an Kastanienbäumen anrichten. "Die Miniermotten sind Ende der neunziger Jahre aus Mazedonien eingewandert", berichtet Dr.rer.nat. Mathias Christmann vom Institut für Organische Chemie.

"Sie verbreiten sich ausgesprochen schnell, da bis zu fünf Generationen pro Jahr auftreten und bisher kein natürlicher Feind existiert." Bereits Ende April - parallel zur Kastanienblüte - schlüpfen bei günstiger Witterung die ersten Motten. Die mobileren Männchen werden durch einen Sexuallockstoff der Weibchen angelockt, die sich häufig am Stamm des Baums aufhalten. Jedes Weibchen legt nach der Begattung etwa 40 Eier auf der Oberseite der Kastanienblätter ab. Etwa zwei Wochen später schlüpfen die Larven, die sich zwecks Nahrungsaufnahme durch die Blätter "fräsen", wodurch die typischen braunen Flecken entstehen.

Eine flächendeckende Bekämpfungsmethode existiert bis heute nicht. Wichtig ist, das Laub im Herbst systematisch zu entfernen, da die Puppen darin überwintern. Außerdem gelingt es, mit Hilfe des synthetisch hergestellten Sexuallockstoffs, zumindest die männlichen Motten in Klebefallen am Stamm zu locken. Dr. Renata Marcia de Figueiredo, Mitglied einer Forschergruppe am Lehrstuhl I für Organische Chemie unter der Leitung von Univ.-Prof. Dieter Enders, entwickelte nun ein vereinfachtes Syntheseverfahren, das auf nachhaltige Katalysatoren setzt. "Bei der so genannten Organokatalyse setzen wir kleine organische Moleküle zur Beschleunigung chemischer Reaktionen ein. Viele dieser so genannten Katalysatoren stammen aus nachwachsenden Quellen. So wird die Aminosäure Prolin beispielsweise aus Hühnerfedern gewonnen, während andere Katalysatoren wie Chinin aus Pflanzen isoliert werden", berichtet die gebürtige Brasilianerin.

Die Forschungsaktivitäten zur Schädlingsbekämpfung sind ein Anwendungsbeispiel für die Organokatalyse, mit der sich in der Chemie in Aachen insgesamt fünf Arbeitsgruppen im Rahmen eines Schwerpunktprogramms der Deutschen Forschungsgemeinschaft beschäftigen. "Organokatalytische Verfahren sind auch für die Herstellung von Wirkstoffen interessant", bestätigt Dr. Mathias Christmann. Da die pharmazeutischen Endprodukte unter bestimmten Nachweisgrenzen frei von Metallrückständen sein müssen, könne es von Vorteil sein, Metall-katalysierte durch organokatalytische Verfahren zu ersetzen.

Weitere Informationen bei:
Dr. Mathias Christmann
Institut für Organische Chemie
Tel: 0241/8094688
E-Mail: Christmann@oc.rwth-aachen.de

Thomas von Salzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwth-aachen.de

Weitere Berichte zu: Katalysator Männchen Sexuallockstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung
26.04.2017 | Universität Ulm

nachricht Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt
26.04.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden

26.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie