Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nanopartikel für die Medizin

27.02.2007
Physikochemiker der Universität Jena an europäischem Netzwerk NASCENT beteiligt

Wissenschaftler der Universität Jena beteiligen sich jetzt bei der Entwicklung fluoreszierender Nanopartikel an dem europäischen Netzwerk NASCENT (Nanomaterialien für den Einsatz in Sensoren, Katalysatoren und neuen Technologien). Ziel ist die Entwicklung von fluoreszierenden Nanopartikeln, mit denen lebende Zellen untersucht und analysiert werden können, sagt der Jenaer Projektleiter PD Dr. Gerhard Mohr. Schwerpunkt des Netzwerkes, an dem sich acht europäische Forschungseinrichtungen und drei Partner aus der Industrie beteiligen, ist darüber hinaus die Ausbildung von Studenten und Graduierten.

So lernen Studenten aus Portugal, Polen, Deutschland und Frankreich in Jena die Entwicklung neuer Sensor-Nanopartikel und damit Verfahrenstechniken, die heute in der Industrie von hoher Relevanz sind. Außerdem wird die Laufbahn der Studenten mit Hilfe eines persönlich angepassten Karriereplanes (Carrer Development Plan) begleitet.

"Wir wollen nicht nur faszinierende Materialien entwickeln, die in der Krebsforschung eingesetzt werden können", sagt Dr. Mohr. "Ein weiteres Ziel ist, hochqualifizierte Wissenschaftler international vernetzt auszubilden, so wie es in den Exzellenzclustern und Graduiertenschulen der Deutschen Forschungsgemeinschaft geplant ist", erläutert der Physikochemiker. Für NASCENT stellt die Europäische Union in den kommenden vier Jahren insgesamt knapp 2,72 Millionen Euro zur Verfügung, von denen die Friedrich-Schiller-Universität 264.000 Euro erhält. Damit können die Doktoranden und Postdocs zeitlich versetzt an den beteiligten wissenschaftlichen Einrichtungen lernen und sich die dort jeweils vorhandenen Exzellenzen aneignen. Durch die Arbeit bei den Industriepartnern haben sie zudem die Möglichkeit, sich mit der Anwendung der Forschungsergebnisse in der industriellen Fertigung bis hin zu patentrechtlichen Fragen zu befassen. Beteiligt sind neben der Universität Jena Hochschulen aus Großbritannien, Frankreich, Italien, Polen, Spanien, Israel und Ungarn sowie die Unternehmen Kodak, PolyIntell aus Frankreich und das Erfurter Institut für Mikrosensorik (CiS).

Mit fluoreszierenden Nanopartikeln kann man lebende Zellen untersuchen und zum Beispiel Glucosekonzentration, pH-Wert und Sauerstoffgehalt feststellen, erklärt Dr. Mohr. Das sei wichtig, wenn man neue Medikamente entwickeln oder biologische Prozesse in der Zelle untersuchen möchte. Für die Analyse von Substanzen setzen Wissenschaftler schon seit langem Farbstoffe zur Markierung ein. Soll jedoch untersucht werden, ob bestimmte Substanzen in Zellen oder Gewebe vorkommen und wie sie sich dort verhalten, genügen die herkömmlichen Farbstoffe nicht mehr. Sie reagieren zu stark mit Bestandteilen der Zellen oder reichern sich dort an.

Um das zu vermeiden, werden die Indikatorfarbstoffe in Nanopartikel eingebettet und polymerisiert. Die Größe der Nanopartikel richtet sich dabei nach dem Verwendungszweck. Für Gewebe sind sie zwischen 300 und 600 Nanometer groß, für die Injektion in lebende Zellen nur zwischen 40 und 300 Nanometer. "40 Nanometer sind im Vergleich zu einem Meter so klein, wie ein Fußball neben der Erde", verdeutlicht Dr. Mohr. Zudem wird angestrebt, verschiedene Farbstoffe in einem Nanopartikel unterzubringen. Damit könnten in einem Durchgang unterschiedliche Substanzen und ihr Verhalten in der Zelle oder im Gewebe untersucht werden.

Die Nanopartikel sollen dabei nicht etwa einem Menschen oder Tier injiziert werden, betont Dr. Mohr. Vielmehr gehe es um die Analyse in der medizinischen Forschung oder in der Pharmakologie, wo zum Beispiel die Wirkung eines Medikaments in einzelnen Zellen untersucht wird. So könnte analysiert werden, wie der Wirkstoff in die Zelle hineinkommt, sich anreichert und wieder abbaut, in welcher Konzentration er in der Zelle vorliegt oder ob er überhaupt eine Reaktion verursacht. Auf diese Weise lassen sich die in den Zellen ablaufenden Prozesse besser und schneller analysieren. Denkbar wäre auch, so der Forscher von der Universität Jena, Sensoren zu entwickeln, die mit Hilfe der Nanopartikel bei der Lebensmittelkontrolle oder bei der Erkennung von Kampfstoffen eingesetzt werden.

Kontakt:
PD Dr. Gerhard Mohr
Institut für Physikalische Chemie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Lessingstraße 10, 07743 Jena
Tel.: 03641/948368
E-Mail: gerhard.mohr[at]uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Farbstoff Gewebe NASCENT Nanometer Nanopartikel Zelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ionen gegen Herzrhythmusstörungen – Nicht-invasive Alternative zu Katheter-Eingriff
20.01.2017 | GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

nachricht Leibwächter im Darm mit chemischer Waffe
20.01.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise