Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lebensmittelchemiker untersuchen Nahrungsbestandteile auf ihren Gesundheitseffekt

23.01.2007
Rotwein schützt vor Herzinfarkt, Kirschen senken den Blutdruck, Erdnüsse - wenn sie denn samt rotem Häutchen gegessen werden - beugen Krebs vor: Beinahe täglich kann man inzwischen Meldungen über die positiven Effekte bestimmter Lebensmittel in Zeitungen und Zeitschriften lesen.

Und eine ganze Industrie arbeitet daran, die dafür verantwortlichen Substanzen zu isolieren und zum Beispiel in Form von Nahrungsergänzungsmitteln den Kunden zum Kauf anzupreisen. Ob eine bestimmte Gruppe dieser Substanzen tatsächlich für jene gesundheitsfördernden Effekte verantwortlich ist, die ihnen zugeschrieben werden, untersuchen jetzt Lebensmittelchemiker der Universität Würzburg gemeinsam mit Kollegen aus Münster, Medizinern aus Regensburg und der Industrie.

Immer wenn Pflanzen wunderschön rot, violett, blau oder blauschwarz leuchten, sind so genannte Anthocyane und Procyanidine im Spiel. Die Farbstoffe finden sich beispielsweise in Beeren wie Heidelbeeren, schwarzen Johannisbeeren und roten Weintrauben, aber auch im Rotkohl und im roten Häutchen der Erdnuss. Unter anderem schützen sie die Gewebe vor dem UV-Licht der Sonne und binden so genannte "freie Radikale" - Molekülreste, die das Gewebe angreifen und schädigen können.

Eine ähnliche Wirkung sollen sie angeblich auch beim Menschen zeigen: Glaubt man den Versprechungen der Nahrungsmittelindustrie können sie bei ausreichender Versorgung Herz-, Kreislauf- und Gefäßproblemen, Immunschwäche, Gelenkschmerzen und sogar Krebs vorbeugen. Weil einige Substanzen, beziehungsweise deren Stoffwechselprodukte überdies die Blut-Hirn-Schranke überwinden, sind sie auch als natürliche Waffe zur Verzögerung des Auftretens von Krankheiten wie Parkinson und Alzheimer in die Diskussion geraten.

Ob Lebensmittel, die reich an Anthocyan und Procyanidin sind, tatsächlich das Nervensystem schützen und gegen Entzündungen helfen können, das untersucht Prof. Peter Schreier vom Lehrstuhl für Lebensmittelchemie der Universität Würzburg. In den kommenden drei Jahren koordiniert er ein Projekt mit Lebensmittelchemikern der Uni Münster, mit Medizinern der Uni Regensburg und mit Vertretern der Industrie. "Die Interaktion von Lebensmittelchemikern, -technologen und Medizinern ermöglicht zahlreiche Synergie-Effekte", sagt Schreier. Durch die Zusammenarbeit unterschiedlicher Spezialisten werde es möglich, die propagierten Gesundheitseffekte verschiedener Stoffe genauer ins Visier zu nehmen und auf verschiedenen Ebenen, von der Zellkultur über Tierstudien bis zur Anwendung am Menschen, zu prüfen. "Dies sind ideale Voraussetzungen, um auf molekularer Ebene durch unterschiedliche Versuchsansätze gesicherte Erkenntnisse zu erarbeiten, für die dann auch zielgerichtete Umsetzungsmöglichkeiten in die Praxis gegeben sind", so Schreier weiter.

Das Projekt ist Teil der in den nächsten drei Jahren vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützten Fördermaßnahme "Funktionelle Ernährungsforschung", bei der bundesweit 14 Forschungsvorhaben mit insgesamt 13 Millionen Euro unterstützt werden. Die Initiative ist Teil der Hightech-Strategie des BMBF, die eine engere Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft bei gleichzeitig schnellerer Umsetzung von Forschungsergebnissen in Produkte fördert.

Gunnar Bartsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de/

Weitere Berichte zu: Gesundheitseffekt Gewebe Häutchen Lebensmittelchemiker Mediziner

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mikro-U-Boote für den Magen
24.01.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Echoortung - Lernen, den Raum zu hören
24.01.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mikro-U-Boote für den Magen

24.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Echoortung - Lernen, den Raum zu hören

24.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

RWI/ISL-Containerumschlag-Index beendet das Jahr 2016 mit Rekordwert

24.01.2017 | Wirtschaft Finanzen