Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stammzellforschung

11.02.2002


In Ulm entsteht ein Zentrum der Stammzellforschung 11,5 Mio. Euro für ein Life-Sciences-Gebäude

Die Stammzellforschung und was damit zusammenhängt, also insbesondere ihre therapeutischen Aspekte, werden sich in den kommenden Jahren zu einem beherrschenden Thema entwickeln. Dabei reduziert sich die Bedeutung des Komplexes nicht nur auf die embryonalen Stammzellen, von denen in der Gegenwart soviel die Rede ist und deren Beforschung nach der Bundestagsabstimmung vom 30. Januar 2002 künftig auch in Deutschland in gewissen Grenzen möglich sein wird. Das Thema hat viele Dimensionen. Nicht zuletzt gehören dazu die Arbeiten an adulten Stammzellen und an sogenannten Progenietorzellen in den Organen selbst. Sie werden künftig einen Schwerpunkt an der Universität Ulm haben.

Die Bemühungen der Universität Ulm um die Entwicklung eines Schwerpunktes "Stammzellbiologie" wurden durch die Empfehlung einer Kommission nachhaltig bestätigt, die im Auftrag der baden-württembergischen Landesregierung im vergangenen Jahr die Life Sciences an den Universitäten des Landes evaluierte. Den Vorsitz dieser Kommission führte Prof. Dr. Detlev Ganten, Stiftungsvorstand des Max-Dellbrück-Zentrums für Molekulare Medizin, Berlin (MDZ) und Vorsitzender der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. Das Votum seiner Kommission traf zusammen mit einer Bewerbung Ulms um finanzielle Mittel für den Ausbau der Life Sciences, die im Kontext der Zukunftsoffensive Baden-Württemberg ausgelobt worden waren. Sechs Universitäten bewarben sich darum, drei waren erfolgreich: neben Ulm Heidelberg und Freiburg.

Über 20 Abteilungen aus fünf Fakultäten der Universität Ulm hatten unter Leitung von Prorektor Prof. Dr. Vinzenz Hombach, Ärztlicher Direktor der Abteilung Innere Medizin II (Kardiologie) Anteil an der Ausarbeitung eines Konzepts unter dem Generalthema "Zyto-Organo-Poese", der regenerativen Zell- und Organtherapie. Die Schlüssigkeit dieses Konzepts, das nicht nur unterschiedliche Fachrichtungen integriert, sondern auch das Element einer gezielten Öffentlichkeitsarbeit einschließlich der institutionalisierten Diskussion mit der Öffentlichkeit über ethisch relevante Aspekte der Forschung einbezieht, führte zum Erfolg und dazu, dass 11,5 Mio. Euro für den Bau eines Forschungsgebäudes zugesagt worden sind, das zusammen mit einem weiteren

Gebäude ("Verfügungskreuz") an den östlichen Arm der Universitätsbauten (O27 / N26) angefügt werden soll. Der Baukomplex wurde inzwischen als Architektenwettbewerb europaweit ausgeschrieben.

Das Forschungsnetz Zyto-Organo-Poese Ulm (F-Net-ZOP Ulm) bearbeitet in großen Teilen Aspekte des Tissue Engineering, also der Erzeugung und des funktionalen "Designs" von Organersatzteilen, Geweben, Organteilen oder möglicherweise später einmal von ganzen Organen sowie die In-situ-Manipulation mit Wachstumsfaktoren und anderen Substanzen zur Heilung von Organdefekten bzw. von funktionellen Störungen. Bekanntlich werden ja auf diesem Sektor besonders große Erwartungen in die embryonalen Stammzellen gesetzt. Doch bei aller Fokussierung auf die embryonalen Stammzellen, die durch die heftigen Diskussionen um die rechtliche Zulässigkeit ihrer Verwertung zu Forschungszwecken, mithin ihres Verbrauchs, verstärkt wurde, vermutet die Wissenschaft auch in den adulten Stammzellen ein großes Potential für das Tissue Engeneering, das es durch entsprechende Forschungsarbeiten freizulegen und fruchtbar zu machen gilt. In Ulm sollen die adulten Stammzellen im Vordergrund stehen. Als Bestandteile der Entwicklung dieses Forschungskomplexes sind die Gründung einer Abteilung "Stammzellbiologie" mit molekularbiologisch-theoretischer Grundlagenforschung zum biologischen Verhalten von embryonalen tierischen Stammzellen und adulten Stammzellen von Mensch und Tier sowie die Einrichtung zweier neuer Studiengänge "Biochemie" und "Molekulare Medizin" vorgesehen.

Das Tissue Engeneering umfasst eine Reihe unterschiedlicher methodischer Ansätze, angefangen bei der Applikation von biologisch-aktiven Molekülen (Wachstumsfaktoren usw.), die als Direktinjektionen in das Zielorgan Organfunktionen beeinflussen bzw. wiederherstellen sollen. Hierher gehören auch die Injektion resorbierbarer Polymere als Transporter von Wachstumsfaktoren, die Übertragung von Transgenen, die die Bildung von Wachstumsfaktoren in den Zielorganen anregen sowie die Implantation dreidimensionaler Matrizes (Polymergerüste), die eine Besiedlung mit körpereigenen Zellen ermöglichen. Weitere Tissue-Engineering-Methodiken sind die Transplantation in Kultur gehaltener ausdifferenzierter Organzellen oder manipulierter Organstammzellen, sogenannter Progenietorzellen, bzw. fetaler und embryonaler Stammzellen; künstlich hergestellte Zell-Polymer-Matrizes zur Implantation teilungsfähiger ausdifferenzierter Zellen oder zur extrakorporalen Produktion von Organzellen aus Stammzellen; die Entwicklung von Biohybridsystemen mit körperfremden Zellen spezifischer Funktion sowie die Schaffung von immunneutralen Zellen oder Organen zur Transplantation eines universellen Spenderzelltyps aus embryonalen Stammzellen oder eines Zelltyps mit genetischer Identität zum Patienten, gleichfalls aus embryonalen Stammzellen (therapeutisches Klonen).

Peter Pietschmann | idw

Weitere Berichte zu: Organ Stammzelle Stammzellforschung Wachstumsfaktor

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mikro-U-Boote für den Magen
24.01.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Echoortung - Lernen, den Raum zu hören
24.01.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists spin artificial silk from whey protein

X-ray study throws light on key process for production

A Swedish-German team of researchers has cleared up a key process for the artificial production of silk. With the help of the intense X-rays from DESY's...

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neuer Algorithmus in der Künstlichen Intelligenz

24.01.2017 | Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Interview mit Harald Holzer, Geschäftsführer der vitaliberty GmbH

24.01.2017 | Unternehmensmeldung

MAIUS-1 – erste Experimente mit ultrakalten Atomen im All

24.01.2017 | Physik Astronomie

European XFEL: Forscher können erste Vorschläge für Experimente einreichen

24.01.2017 | Physik Astronomie