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Hopfen ist Arzneipflanze des Jahres 2007

24.11.2006
Der Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde an der Universität Würzburg hat den Hopfen (Humulus lupus) zur Arzneipflanze des Jahres 2007 gewählt.

Damit wird eine Kulturpflanze gewürdigt, deren Nutzung sich nicht nur auf das Brauereiwesen beschränkt: Extrakte aus den Hopfenzapfen - das sind die zwei bis vier Zentimeter langen, grünlich-gelben weiblichen Blütenstände - bilden heute in Kombination mit der Baldrianwurzel auch die häufigste Darreichungsform pflanzlicher Schlaf- und Beruhigungsmittel.

Der Hopfen besitzt eine äußerst wechselvolle Geschichte in der europäischen Medizin. Gemessen an der Tatsache, dass die meisten europäischen Arzneipflanzen bereits seit mehr als 2000 Jahren in Gebrauch sind, kann der Hopfen als eine verhältnismäßig junge Arzneipflanze bezeichnet werden. Die antike Medizin hat ihn jedenfalls nicht verwendet.

In der frühmittelalterlichen Klosterkultur gab es zwar bereits Hopfengärten, aber die Mönche und Nonnen nutzten das Rankengewächs nicht medizinisch, sondern zur Konservierung von Getränken. Davon berichten auch Hildegard von Bingen (gestorben 1178) und der hoch gelehrte Albertus Magnus (gestorben 1280). Das gehopfte Bier ist also eine Erfindung der Mönche.

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Im Hochmittelalter waren die arabischen Ärzte ihren europäischen Kollegen weit voraus. Der wichtigste Autor auf dem Gebiet der Botanik und Pharmazie in der arabischen Welt war der in Spanien lebende Abdullah Ibn al-Baytar (1197-1248). Schon er schrieb von der schlaffördernden Wirkung des Hopfens, die heute wissenschaftlich anerkannt ist. Aber auch Hildegrad von Bingen und Albertus Magnus deuten an, dass der Hopfen müde macht: Die Äbtissin meinte, er erzeuge "Melancholie", und der gelehrte Regensburger Bischof schrieb, dass Hopfen einen schweren Kopf mache.

Aber dieses Wissen ging im Zeitalter der Renaissance weitgehend verloren. So blieb es dem ausgehenden 18. Jahrhundert vorbehalten, die schlaffördernde Wirkung wieder zu entdecken. Hier spielte unter anderem der englische König Georg III. (1738-1820) eine Rolle, der auch Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg und ab 1815 König von Hannover war. Georg wurde zeitlebens von schweren gesundheitlichen Problemen geplagt. Zumindest seine Schlafstörung soll im Jahr 1787 aber durch die Verwendung von Hopfenkissen gemildert worden sein.

Auch die Ärzte entdeckten den Hopfen als Schlafmittel wieder: Für Christof Wilhelm Hufeland (1762-1836), der zu den bedeutendsten Ärzten der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert zählt, ist der Hopfen ein Bittermittel für die Verdauung und ein Nervenmittel zur Beruhigung. Dem folgt der ebenfalls sehr berühmte Clarus, der 1864 in seinem "Handbuch der speziellen Arzneimittel" den Hopfen gegen Appetitlosigkeit bei Magenkatarrhen, für die Magenschleimhaut und bei Schlaflosigkeit empfiehlt.

Im 20. Jahrhundert etablierte sich der Hopfen dann als pflanzliches Beruhigungsmittel, vor allem in Verbindung mit der Baldrianwurzel. "Klinische Prüfungen der jüngsten Vergangenheit zeigen, dass diese Kombination in der Behandlung von Unruhezuständen und Einschlafstörungen sinnvoll ist", so der Würzburger Studienkreis.

Auch als Objekt in der Kultur- und Kunstgeschichte, zum Beispiel als Motiv auf christlichen Altären, ist die Darstellung des Hopfens zu finden. In einigen norddeutschen Städten erinnern Hopfenplätze an frühere Zeiten des Hopfenanbaus. Und schließlich sieht Michael Gabor in seinem Gedicht "Jahreskreis" im rhythmischen Werden und Vergehen der Hopfenpflanze symbolhaft die Änderungen jeden biologischen Systems:

Jahreskreis

Und wieder neigt ein Jahr sich
seinem Ende zu.
Die Zeit vergangen
Vergangen?
Vielleicht hat sich der Kreis auch
nur gedreht.
Was war?
Vom Wachsen, Blühen, Reifen
blieb nur der abgestorb`ne Spross
zurück.
Nur?
Der Hopfen, dessen Stärke
der Schwerkraft Hohn zu sprechen
schien,
zieht sich erschöpft zurück,
um auszuruhn.
Um dann im nächsten Jahr
erneut sich lachend hochzuwinden.
Michael Gabor
Weitere Informationen: Dr. Ralf Windhaber, windhaber@botanik.uni-wuerzburg.de oder Dr. Johannes G. Mayer, johannes.mayer@mail.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

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