Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bakterien: Nahrungsmenge bestimmt Entwicklung

26.09.2006
Knappe Nahrungsmittel sorgen für Unsterblichkeit

Ein Forscherteam um Milind Watve des Abasaheb Garware College in Pune, Indien, hat eine mögliche Erklärung dafür gefunden, warum bestimmte Bakterienarten altern, während andere angeblich unsterblich sind. Die Wissenschaftler vermuten, dass das Altern für die Bakterien eine strategische Entscheidung darstellt, die von der Nahrungsmenge, die den Bakterien zur Verfügung steht, bestimmt wird. Die Studienergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht.

Lange Zeit herrschte die Auffassung, dass Bakterien Unsterblichkeit genießen, weil sie sich ständig auf symmetrische Weise in identischen "Tochterzellen" teilen. Diese Tochterzellen, die Stück für Stück aus gleichaltrigen Komponenten aufgebaut sind, teilen sich daraufhin ebenfalls. Dieser Prozess wird bis ins Unendliche fortgesetzt. Dies unterscheidet die Bakterien von mehrzelligen Organismen, die auch nicht-reproduktive Zellen enthalten, welche altern und nach einiger Zeit absterben.

Doch im vergangenen Jahr zogen Wissenschaftler der René Descartes-Universität in Paris die Unsterblichkeit von Bakterien in Zweifel, als sie entdeckten, dass sich Bakterien des Stammes Escherichia coli auf asymmetrische Weise teilen. Während dieses Prozesses enthält die eine Tochterzelle ältere Komponente als die andere. In langer Generationsfolge wachsen die älteren Zellen immer langsamer und sterben nach bestimmter Zeit ab. Für die Forscher Grund, anzunehmen, dass Altern für alle Lebensformen unvermeidbar ist. Diese Toderklärung scheint jedoch etwas zu voreilig gewesen zu sein.

Anhand von mathematischen Modellen ist das Wissenschaftsteam um Watve jetzt zur Schlussfolgerung gekommen, dass die Frage, ob Bakterien altern oder unsterblich sind, vollkommen davon abhängt, wie wohlgenährt die Bakterien sind. Leben die Bakterien unter guten Umständen mit vielen Nahrungsmitteln, dann wird asymmetrische Teilung bevorzugt. Dabei sterben ältere Zellen zwar ab, aber die jungen Zellen entwickeln sich schneller. Sind Nahrungsmittel jedoch knapp, dann führt eine symmetrische Teilung eine proportionale Verteilung der Überlebens- und Wachstumsmöglichkeiten beider Tochterzellen herbei.

Die Forscher wollen ihr Modell jetzt an der Wirklichkeit prüfen, etwa durch fluoreszierende Marker, mit denen sie nachweisen können, ob Zellkomponenten symmetrisch über die Tochterzellen verteilt werden. Würde das der Fall sein, könnte das weit reichende Folgen haben. "Bakterien, die kaum Nahrungsmittel zur Verfügung haben, wachsen langsam und altern vermutlich nicht - wir kennen jetzt die zugrunde liegende Mechanismen", erklärt Watve. "Unter bestimmten Umständen könnte die Natur auch Organismen für symmetrische Zellteilung selektieren, die somit immun für den Alterungsprozess werden", so der Forscher. Auf Nachfrage von pressetext bei verschiedenen deutschen Instituten für Mikrobiologie konnten keine näheren Auskünfte über die Wahrscheinlichkeit dieser Hypothese oder die Richtigkeit der Modelle eingeholt werden.

Reanne Leuning | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.pnas.org
http://www.univ-paris5.fr

Weitere Berichte zu: Bakterium Nahrungsmittel Tochterzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten
08.12.2016 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Herz-Bindegewebe unter Strom
08.12.2016 | Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops