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Zwei neue Affenarten von Göttinger Forschern in Madagaskar entdeckt

09.08.2005


Der kleine Riesenmausmaki (Mirza zaza) aus Nordwest-Madagaskar ist ungefähr so groß wie ein Eichhörnchen und nachtaktiv. Photo: D. Haring


Der Goodman Mausmaki (Microcebus lehilahytsara) stammt aus den Regenwäldern Ost-Madagaskars. Der nachtaktive Lemur ist nur wenig größer als eine Maus. Photo: R. Zingg


Mitarbeiter des Deutschen Primatenzentrums und der Universität Göttingen haben in Madagaskar zwei neue Primaten-Arten identifiziert. Die neuen Arten gehören den Gattungen Mirza (Riesenmausmakis) und Microcebus (Mausmakis) an. Zur Identifizierung kombinierten die Wissenschaftler morphologische, verhaltenbiologische und genetische Daten.


Die neuen Arten werden der Öffentlichkeit in einem Vortrag beim 1. Kongress der Europäischen Föderation für Primatologie am 10. August um 15:00h in Göttingen (Zentrales Hörsaalgebäude, Platz der Göttinger Sieben) vorgestellt. Anschließend stehen die Autoren der Presse für Fragen zur Verfügung. Geleitet wird der Kongreß durch Prof. Peter Kappeler, der eine Brückenprofessur an der Universität Göttingen und am DPZ inne hat.

Die Gattung der Riesenmausmakis enthielt bislang nur eine Art, Coquerel’s Riesenmausmaki (Mirza coquereli), die in zwei getrennten Populationen vorkommt. Freilanduntersuchungen von Prof. Peter Kappeler und seinen madagassischen Mitarbeitern im Westen und im Nordwesten Madagaskars ergaben erste Hinweise darauf, dass erkennbare Unterschiede im Aussehen und Verhalten zwischen beiden Populationen eine Unterscheidung auf Artebene rechtfertigen. Genetische Vergleichsuntersuchungen von Dr. Christian Roos erbrachten den endgültigen Nachweis und bestätigten den Artstatus.


In der Ausgabe 71, Juli 2005, des Primate Report wird die neue Art aus Nord-Madagaskar beschrieben. Sie ist knapp 300g schwer, besitzt einen langen buschigen Schwanz, relativ kleine Ohren und vergleichsweise große Hoden, was auf ein promiskes Paarungssystem hinweist. Die genetischen Studien ergaben, dass die beiden Arten seit etwa zwei Millionen Jahren geographisch voneinander getrennt sind.

Die neue Riesenmausmaki-Art trägt den Namen Mirza zaza. Zaza ist das madagassische Wort für "Kinder". Ausschlaggegend für diese Benennung war die Tatsache, dass die neue Art kleiner als die bisher bekannte Art ist und somit auf deutsch als der Kleine Riesenmausmaki bezeichnet werden kann. Zudem wird die Art damit der derzeitigen Generation madagassischer Kinder gewidmet, in der Hoffnung, dass sie ihre Umwelt schätzen und sich für deren Erhalt einsetzen.

Riesenmausmakis sind in Gefangenschaft relativ selten, wobei die größte Population im Duke University Primate Center (DUPC), USA gehalten wird. Genetische Studien haben ergeben, dass die dort gehaltenen Individuen der neuen Art angehören, und damit das DUPC die weltweit einzige Einrichtung ist, die diese Art beherbergt.

Die Gattung der Mausmakis umfasst derzeit acht Arten, wovon sechs erst in den letzten Jahren neu beschrieben wurden. Da die bisherigen Untersuchungen sich nur auf die Westküste Madagaskars beschränkten, war zu vermuten, dass die Regenwäldern Ostmadagaskars eine ähnliche hohe Artenvielfalt beherbergen.

Genetische Analysen zeigten, dass sich Mausmakis aus dem östlichen Regenwald der Insel vor über zwei Millionen Jahren von anderen Mausmaki-Populationen abspalteten und ließen den Schluss zu, dass es sich um eine eigenständige Art handelt. Anschließende morphologische Untersuchungen ergaben, dass die neue Form in ihrer Kopf-Rumpflänge mit der kleinsten Primatenart (Microcebus berthae) vergleichbar ist, jedoch deutlich schwerer ist.

Der Artname der neuen Mausmaki-Art ist Microcebus lehilahytsara, was auf deutsch "guter Mann", auf englisch "good man" bedeutet. Diese Art ist damit zu Ehren von Dr. Steven M. Goodman vom Field Museum Chicago und WWF Madagaskar benannt, der durch seine Arbeit seit Jahren die wichtigsten Beiträge zum Verständnis der Artenvielfalt auf Madagaskar liefert und der sich unermüdlich für den Erhalt der Flora und Fauna Madagaskars einsetzt.

Die Individuen, mit deren Kotproben die Untersuchungen erst ermöglicht wurden, werden im Zoo Zürich gehalten. Dort leben 9 Tiere, die erst im März 2005 von Dr. Robert Zingg und Dr. Samuel Führer in Andasibe gefangen und in die Schweiz importiert wurden.

Mit nunmehr 65 Arten besitzt Madagaskar weltweit die höchste Anzahl verschiedener Primatenarten. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, sind alle diese Arten, die Lemuren, ausschließlich auf Madagaskar und einige der umliegenden Inseln beschränkt. Aufgrund dieser enormen Vielfalt auf engem Raum genießt Madagaskar weltweit die höchste Priorität bei internationalen Schutzorganisationen.

Forschung am DPZ. Ein Ziel des Primatenzentrums ist es, die Rolle ausgewählter Primatenarten im Ökosystem zu verstehen und ihre Lebensansprüche und artspezifischen Verhaltensmuster im Freiland zu erkennen. Hierzu unterhält das DPZ permanente Freilandstationen in Madagaskar, Peru und Indonesien und arbeitet darüber hinaus in Vietnam, China und in mehreren Ländern Afrikas.

Mitarbeiter der Abteilung Verhaltensökologie & Soziobiologie untersuchen Faktoren, die den Aufbau und die Struktur von Primatengemeinschaften beeinflussen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Fragen zur Bedeutung ökologischer Faktoren für die soziale und genetische Struktur von Primatengesellschaften.

Mitarbeiter der Abteilung Primatengenetik untersuchen mit molekulargenetischen Methoden die evolutionären Verwandtschaftsverhältnisse von Primatenarten. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Analyse biogeographischer Zusammenhängen, wobei zum Beispiel die Auswirkungen von Flüssen oder Bergketten auf die Verbreitung von Arten untersucht werden.

Die Arbeiten beider Abteilungen liefern grundlegende Daten zur Biologie von Primatenarten und ihren Lebensräumen und fließen in die Entwicklung von Naturschutzkonzepten mit ein.

Dr. Dr. Michael Schwibbe | idw
Weitere Informationen:
http://www.dpz.gwdg.de/
http://www.dpz.gwdg.de/sociobiology/index.htm
http://www.dpz.gwdg.de/infra/mirza-gesamt_hp.pdf

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