Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Uni Bonn zeigt fossile Libelleneier auf einem Lorbeerblatt

27.04.2005


Haute cuisine im Goldfuß-Museum der Universität Bonn? Die Paläontologen servieren dort im kommenden Monat "Libelleneier auf Lorbeerblatt". Dahinter verbirgt sich jedoch kein Füllsel für den hohlen Zahn, sondern ein äußerst seltenes Doppelfossil.


Bogenförmig abgelegt überziehen die Libelleneier (helle längliche Flecken) wie kleine Reiskörner das Lorbeerblatt. Foto: Georg Oleschinski / Uni Bonn


Ausschnittvergrößerung Foto: Georg Oleschinski / Uni Bonn



Bei der Eiablage vollführen die Libellen ein besonderes Paarungsritual: Männchen und Weibchen bilden ein so genanntes "Paarungsrad". Dann heftet das Weibchen die Eier an einer Blattoberfläche fest, wobei es sich leicht wippend hin und her bewegt. Das Resultat ist eine zick-zack-förmige "Eiloge". Vor 25 Millionen Jahren verzierte so eine Libellendame im heutigen Siebengebirge ein Lorbeerblatt mit ihren Eiern. Das Resultat ist als "Fossil des Monats Mai" in den kommenden Wochen im Bonner Goldfuß-Museum zu bewundern.



Fossile Libellen-Eilogen sind sehr selten. Ihre Form kann sich je nach Libellenart unterscheiden. Die gezeigten Eier stammen von einem Kleinlibellen-Weibchen. Zu diesen so genannten "Zygoptera" gehören die Prachtlibellen, Teichjungfern, Quelljungfern, Federlibellen und Schlanklibellen. Man unterscheidet sie anhand der Augenabstände, der Flügelhaltung im Ruhezustand sowie der Ausbildung von Vorder- und Hinterflügel von den Großlibellen.

Viele Libellen legen ihre Eier auf Pflanzenteilen am Ufer flacher Gewässer ab. Drei bis vier Wochen später schlüpfen die Larven, fallen ins Wasser und entwickeln sich dort in einem Zeitraum von 2 Monaten bis 5 Jahren, bis sie sich außerhalb des Wassers ein letztes Mal häuten und zu erwachsenen Libellen heranreifen.

Das "Fossil des Monats Mai" stammt ursprünglich aus der Lagersätte Rott bei Hennef. Es ist eines von gut 6.500 Fundstücken, die der Kölner Lehrer Dr. Georg Statz vor dem zweiten Weltkrieg zusammengetragen hatte. 1954 hatte das Los Angeles County Museum of Natural History die Sammlung gekauft. Einen Teil der Stücke haben die Amerikaner kürzlich dem Goldfuß-Museum überlassen.

Die Fossilien-Lagerstätte von Rott entstand vor rund 25 Millionen Jahren in einer Seenlandschaft auf den vulkanischen Aschen des Siebengebirgs-Vulkanismus. Die Pflanzen und die Tiere wurden nach ihrem Tod am Grund der Seen und Teiche von Faulschlamm überdeckt. Aus diesem Schlamm entwickelte sich später der Ölschiefer von Rott. Durch den raschen Sauerstoffabschluss im Sediment sind die Fossilien zum Teil ganz vorzüglich konserviert. So ist im Goldfuß-Museum auch eine perfekt erhaltene Großlibellen-Larve aus Rott zu sehen.

Die Lagerstätte Rott gibt einen exzellenten Einblick in den Lebensraum eines Sees im Oberoligozän. Nach der fossilen Vegetation zu schließen, wucherte dort ein dichter Laubwald, wie er heute in subtropischen Gebieten vorkommt. Am den Ufern der Seen wuchsen Seerosen und andere Wasserpflanzen - ein Lebensraum, wie er von Libellen bevorzugt wird.

Heute sind die fossilführenden Schichten nirgendwo mehr direkt zugänglich. Die Halden der alten Bergwerke stehen als Bodendenkmäler unter gesetzlichem Schutz. Die Fossilien von Rott werden im Stadtmuseum in Siegburg, im Goldfuß-Museum des Institutes für Paläontologie der Universität Bonn und zur Zeit in einer Sonderausstellung im Brückenhof-Museum (www.brueckenhof.de) in Königswinter-Oberdollendorf gezeigt.

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de
http://www.siegburg.de
http://www.paleontology.uni-bonn.de

Weitere Berichte zu: Eier Goldfuß-Museum Libellen Lorbeerblatt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher vergleichen Biodiversitätstrends mit dem Aktienmarkt
06.12.2016 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

nachricht Forscher sehen Biomolekülen bei der Arbeit zu
05.12.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flüssiger Wasserstoff im freien Fall

05.12.2016 | Maschinenbau

Forscher sehen Biomolekülen bei der Arbeit zu

05.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungsnachrichten