Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hirnaktivität bei Furcht

11.08.2003


Furcht ist eine unangenehme Empfindung. Was dabei im Gehirn passiert, haben Magdeburger Wissenschaftler untersucht und berichten darüber in der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift "Science".



Furcht und Angst gehören zu den grundlegenden Erfahrungen jedes Menschen. Der Mensch, wie jedes andere Säugetier, lernt durch Sozialisierung oder schmerzvolle Erfahrung, bestimmte Verhaltensweisen zu vermeiden, aus Angst, verletzt zu werden. Solche Erinnerungen werden im Gehirn außerordentlich schnell und lange gespeichert. Die Hirnforscher sprechen vom Furchtgedächtnis. Wiederkehrende und unkontrollierbare Erinnerungen an solche Erfahrungen jedoch sind belastend und können zu schweren neuropsychiatrischen Erkrankungen, den so genannten Angst- oder Zwangserkrankungen, führen.



Wissenschaftler vom Institut für Physiologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg haben nun erstmals Mechanismen im Gehirn von Mäusen beschrieben, die beim Abruf des Furchtgedächtnisses ablaufen und zu den bekannten Reaktionen, wie der Schreckstarre, der Erhöhung des Blutdruckes und der gesteigerten Herzaktivität führen. Wie sie in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift "Science" (08.08.2003, Bd. 301, S. 846-850) berichten, arbeiten bei Darbietung eines zuvor erlernten Furchtreizes zwei verschiedene Hirnregionen zusammen, indem ihre elektrische Aktivität zeitlich miteinander synchronisiert wird. Diese Synchronisation tritt vor allem immer dann auf, wenn der Reiz eine Furchtantwort im Verhalten auslöst. Das ist der erste Hinweis darauf, dass eine zeitliche Synchronisation der Aktivität in verschiedenen Hirnregionen eine Rolle beim Abruf emotional bedeutsamer Gedächtnisinhalte spielt.

Die Magdeburger Forscher um Professor Dr. Hans-Christian Pape suchten die Frage zu beantworten, wie die Konfrontation mit einem Furcht auslösenden Reiz die Aktivitätsmuster im Gehirn beeinflusst. Dr. Thomas Seidenbecher, Dr. Oliver Stork und die Indische Gastwissenschaftlerin Dr. Laxmi Rao untersuchten dabei die Auswirkungen von zuvor erlernten furchtauslösenden Reizen und Reizzusammenhängen auf diese Aktivitäten. Es zeigte sich, dass die elektrische Aktivität der Nervenzellen in zwei Hirnregionen des so genannten limbischen Systems (der Amygdala und des Hippocampus) in einem Frequenzbereich von vier bis sieben Hertz, der so genannten Theta-Frequenz, synchronisiert werden. Diese Synchronität trat nur in Zusammenhang mit emotional bedeutenden Reizen oder Reizzusammenhängen auf und war nicht zu beobachten, wenn entsprechende vorhergehende Erfahrungen fehlten. Diese Aktivität beschränkte sich darüber hinaus auf zeitliche Phasen der Schreckstarre, die auch eine instinktive Reaktion auf plötzlich auftretende Furcht auslösende Reize darstellt.

Die Befunde von Professor Pape und seinem Team bilden eine wichtige Grundlage für die weitere Erforschung der Prozesse im Gehirn während erlernter Furchtreaktionen auch beim Menschen, die zu einem besseren Verständnis von Angsterkrankungen und damit möglicherweise zukünftig zu gezielten Therapieansätzen führen werden.

Kontakt:

Prof. Dr. Hans-Christian Pape
Direktor des Institutes für Physiologie
der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Telefon: 0391 - 67-15885
e-mail: hans-christian.pape@medizin.uni-magdeburg.de

Kornelia Suske | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-magdeburg.de/fme/institute/iphy

Weitere Berichte zu: Furcht Reiz Reizzusammenhänge Schreckstarre

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

nachricht Wolkenbildung: Wie Feldspat als Gefrierkeim wirkt
09.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie