Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Kunststoffen Bakterien angeln

03.09.2002

Wer im warmen Urlaubsland eine Lebensmittelvergiftung durchlitten hat, konnte am eigenen Leib erfahren, wie wichtig Hygienevorkehrungen und mikrobielle Lebensmitteltests sind. Viele Bakterienarten wie Salmonellen vermehren sich in der Wärme auf Fleisch oder in Milchprodukten derart rasant, dass eine relativ langwierige Laboruntersuchung kaum Auskunft über die akute Gefahr gibt. Daher bieten verschiedene Hersteller Test-Kits für die Hosentasche an. Doch wie erkennen solche Tests, welche der vielen Mikroben pathogen sind? Eine hohe Spezifität liefern Antigen-Antikörper-Reaktionen, wie sie auch bei der Immunabwehr im lebenden Organismus ablaufen. Für ein Test-Kit wird der Antikörper chemisch an ein Trägersubstrat fixiert und mit der Probelösung versetzt. Wie ein Schlüssel nur in das zugehörige Schloss passt, so bleiben Antigene wie Bakterien, Viren oder toxische Proteine nur an ihrem zugehörigen Antikörper haften. Nach dem Spülen wird ein Färbereagenz zugesetzt. Die Tiefe des Farbtons kann mit kleinen, tragbaren Fotometern gemessen werden und ist proportional zur Keimdichte.

Die technologische Crux besteht vor allem darin, Antikörper oder andere große Biomoleküle so schonend am Träger zu verankern, dass möglichst viele von ihnen ihre biologische Aktivität beibehalten, wie Dr. Andreas Holländer vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP erläutert: »Wir behandeln Trägerkörper aus Polyethylen, -propylen oder gar Teflon chemisch derart, dass sich reaktive Molekülgruppen an ihrer Oberfläche bilden. Daran koppeln wir die Erkennungsschlüssel richtig orientiert und besonders fest.«

... mehr zu:
»Antikörper »Bakterium »Substrat »Test-Kit

Gegenüber älteren Testverfahren ergeben sich daraus zwei wesentliche Vorteile: »Die richtige räumliche Orientierung der Antikörper auf dem Substrat sorgt für eine erhöhte Empfindlichkeit des Tests«, weiß Dr. Michael Keusgen, der an der Universität Bonn die biologische Seite des Projekts betreut. »Denn Moleküle, die - bildlich gesprochen - ihre Köpfe in das Substrat stecken, tragen zum Test nicht bei.« Die Festigkeit der Bindung verhindert, dass die Antikörper oder ihr Koppelprodukt von großen Volumina der Probelösungen fortgespült werden. Bisher mussten Anreicherungskulturen angesetzt werden, um höhere Bakterienkonzentrationen zu erbrüten. Auf diesen zeitraubenden Schritt kann nun meist verzichtet werden. Komplette Test-Kits für verschiedene Anwendungen vermarktet inzwischen das Unternehmen Biognosis GmbH in Jülich.

Dr. Andreas Holländer | Mediendienst

Weitere Berichte zu: Antikörper Bakterium Substrat Test-Kit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Salmonellen als Medikament gegen Tumore
23.10.2017 | Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Add-ons: Was Computerprogramme und Proteine gemeinsam haben
23.10.2017 | Universität Regensburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie