Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Arktische Algen ernten

03.09.2002


Fraunhofer-Forscher auf der spitzbergischen Insel Amsterdamoya. Sie suchen nach extremophilen Algen, die hier den Schnee im Vordergrund blutrot färben.
© Fraunhofer IBMT




Einzellige Grünalgen sind je nach Entwicklungsstadium rot oder grün gefärbt.
© Fraunhofer IBMT



In den Tiefen der Ozeane nutzen Mikroorganismen unter für Menschen gnadenlosen Bedingungen heiße Quellen für ihre Energie- und Stoffproduktion. Einige Bakterien und Algen fühlen sich im kochenden Wasser von Geysiren pudelwohl, andere in Säuretümpeln oder Salzseen, und wieder andere besiedeln Gletscher und Schneefelder. Auf der Suche nach unbekannten extremophilen Lebensformen bereisen Forscher seit einigen Jahren die entlegensten Winkel der Erdteile. Dabei geht es ihnen nicht allein um die Charakterisierung der Organismen und ihrer exotischen Stoffwechselprozesse, wie Jörg Degen vom Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB erklärt: »Bei der biotechnologischen Produktion verschiedenster Substanzen bieten extremophile Einzeller Vorteile. Gewöhnliche Kollegen finden die extremen Bedingungen im Bioreaktor alles andere als angenehm und können kaum konkurrieren.« Soll heißen: Der Aufwand für die Sterilisierung der Apparaturen und die Gefahr, dass ein Ansatz »umkippt«, sind geringer. Der Biologe muss es wissen - schließlich ist er am ausgegründeten Stuttgarter Unternehmen SUBITEC beteiligt, das in naher Zukunft mit Algen einen roten Lebensmittelfarbstoff im Kilomaßstab produzieren will. Der Markt für Astaxanthin ist groß: Allein in der Lachszucht verschlingt dieser Farbstoff, der bislang synthetisch oder mit genetisch veränderten Bakterien erzeugt wird, mehr als zehn Prozent der gesamten Kosten.

... mehr zu:
»Alge »Bakterium »Mikroorganismus

Doch auch in anderen Feldern sind Extremophile höchst interessant. »Gerade Psychrophile, also solche Mikroorganismen, die sich etwas oberhalb des Gefrierpunkts wohlfühlen und vermehren, eignen sich als natürliche Produzenten bisher unbekannter Enzyme«, weiß Thomas Leya vom Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT. »Wir sind optimistisch, dass sich einige der Biokatalysatoren in temperatursensiblen Prozessen wie der Milchverarbeitung vorteilhaft einsetzen lassen. Daher hat sich unsere Arbeitsgruppe auf Algen spezialisiert, die wir auf arktischen Schneefeldern finden.« Warum durchsuchen die Forscher keine Alpengletscher, die ebenfalls vom »Blutschnee« bestimmter Algen bedeckt sein können? In Spitzbergen, wohin IBMT-Forscher Ende August aufbrachen, sind die Schneefelder noch jungfräulich sauber und wenig erforscht. Auch von dieser Expedition werden sie neue Algenarten nach Berlin mitbringen. Am Zentrum für Biophysik und Bioinformatik der Humboldt-Universität untersuchen und kultivieren sie die kleinen Lebewesen - als zukünftige Ressourcen für Pharma- und Lebensmittelproduzenten.

Dipl.-Biol. Jörg Degen | Mediendienst

Weitere Berichte zu: Alge Bakterium Mikroorganismus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie Reize auf dem Weg ins Bewusstsein versickern
22.09.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Lebendiges Gewebe aus dem Drucker
22.09.2017 | Universitätsklinikum Freiburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie