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Sonnencreme im Badesee macht Schnecken unfruchtbar

24.07.2008
Die chemischen UV-Filtersubstanzen in den meisten Sonnencremes beeinflussen das Hormonsystem und auf diese Weise die Fortpflanzung von Wasserschnecken.

Zu diesem Ergebnis kommt Dominic Kaiser vom Institut für Ökologie, Evolution und Diversität der Goethe Universität in einer Studie, in der er die Wirkung der beiden häufigsten UV-Filtersubstanzen auf drei wasserlebende Organismen untersuchte: den Glanzwurm, die Zuckmücke und die Zwergdeckelschnecke.

Während die Vermehrung von Wurm und Mücke von den Substanzen nicht beeinträchtigt wurde, produzierten die Schnecken weniger Embryonen im Laborversuch.

"Im Sommer ist der Eintrag in die Badeseen besonders groß", sagt Kaiser, "da die Substanzen aber nicht nur in Sonnencremes, sondern auch in vielen anderen Kosmetika wie Shampoos, Hautcremes, Lippenstiften und Parfums vorkommen, haben wir das ganze Jahr über eine Belastung der Fließgewässer über die häuslichen Abwässer." In Kosmetika dienen die UV-Filtersubstanzen vor allem dazu, die Produkte vor einer Veränderung oder Zersetzung durch Sonnenlicht zu bewahren. Wer sich vor Sonnenbrand schützen und zugleich umweltbewusst verhalten will, sollte daher zu Alternativ-Produkten mit physikalischen oder mineralischen Filtern greifen, die es im Reformhaus, der Apotheke und neuerdings auch in Supermärkten gibt.

Inwieweit Östrogen-aktive UV-Filter auch für den Menschen schädlich sind, ist bisher nicht untersucht. Sicher ist, dass sie über die Haut aufgenommen werden und anschließend für einige Stunden im Blut, Urin und auch in der Muttermilch nachweisbar sind - und zwar in Konzentrationen, die in etwa derjenigen einer niedrig dosierten Anti-Baby-Pille entsprechen. Insofern ist es für Schwangere und Stillende ratsam, auf chemische UV-Filter zu verzichten. "Unsere Forschung ist aber primär auf aquatische Ökosysteme ausgerichtet", erklärt Abteilungsleiter Prof. Jörg Oehlmann, "insofern untersuchen wir nicht, ob das, was für die Zwergdeckelschnecke gilt, sich auch auf den Menschen übertragen lässt."

Dominic Kaiser untersucht nun im Rahmen seiner Doktorarbeit, was seine im Labor gefundenen Ergebnisse für reale Ökosysteme bedeuten. Er entnimmt dazu Wasserproben aus zehn Badeseen und zehn Fließgewässern der Region und untersucht auch den Anteil der UV-Filtersubstanzen im Sediment am Boden des Sees, wo die Larven der Zuckmücke, der Glanzwurm und auch die Zwergdeckelschnecke leben. Seine Untersuchung wird sich dann auf einen ganzen Cocktail von Umweltgiften erstrecken, denn die im Wasser lebenden Organismen können nach der Badesaison noch nicht aufatmen: Ganzjährig sind sie zusätzlich der Wirkung von Pflanzen- und Insektenschutzmitteln ausgesetzt. Wenn die Schnecke aus den belasteten Ökosystemen verschwinden sollte, könnte dies die Ökosystemfunktion beeinträchtigen, es sei denn, die frei gewordene ökologische Nische wird durch eine andere Art besetzt.

Informationen:
Dominic Kaiser, Institut für Evolution,
Ökologie und Diversität, Biologie-Campus Siesmayerstraße,
Tel: (069) 798-24759, kaiser@ bio.uni-frankfurt.de
Hintergrund:
Für seine Untersuchungen wurde Dominic Kaiser im Rahmen der diesjährigen akademischen Feier der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität der Procter & Gamble-Förderpreis verliehen. Die Auszeichnung ist mit 1.000 Euro dotiert, die Preisverleihung fand am 26. Juni auf dem Campus Westend statt.

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. Vor 94 Jahren von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht derzeit für rund 600 Millionen Euro der schönste Campus Deutschlands. Mit 45 seit 2000 eingeworbenen Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Uni den deutschen Spitzenplatz ein. In drei Forschungsrankings des CHE in Folge und in der Exzellenzinitiative zeigt sich die Goethe-Uni als eine der forschungsstärksten Hochschulen.

Stephan M. Hübner | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-frankfurt.de

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