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Frische Stammzellen für die Forschung

11.04.2008
Heute hat der Bundestag über die Zukunft der Stammzellforschung in Deutschland abgestimmt. Es lagen vier Gesetzentwürfe vor. Die Abgeordneten haben sich mehrheitlich für eine einmalige Verschiebung des bisherigen Stichtags vom 1. Januar 2002 auf den 1. Mai 2007 entschieden.

"Diese Entscheidung ist ein tragfähiger Kompromiss", erklärt Prof. Dr. Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft. "Sie ermöglicht zum einen den zwingend notwendigen Zugriff auf die neu gewonnenen Stammzelllinien. Damit kann Deutschland sich weiterhin in diesem Feld positionieren. Zum anderen werden auch die hierzulande bestehenden ethischen Bedenken angemessen berücksichtigt."

Mit den bis zum Stichtag 1. Januar 2002 hergestellten Zelllinien war es nicht mehr möglich, wettbewerbsfähige biomedizinische Forschung zu betreiben. "Nur wenn wir weiterhin intensiv an einer umfassenden Charakterisierung menschlicher embryonaler Stammzellen arbeiten, wird es gelingen, adulte Stammzellen mittelfristig zu einer Alternative für die Medizin zu entwickeln", so Mlynek weiter.

Die Stammzellforschung strahlt in alle Bereiche der Medizin und Biowissenschaften aus. Sie trägt erheblich dazu bei, die Entstehungswege menschlicher Krankheiten besser zu verstehen und neue therapeutische Ansätze zu entwickeln. Zum Beispiel ergeben sich in der regenerativen Medizin durch die Transplantation von Spenderzellen Möglichkeiten in der Behandlung von Parkinson- oder Diabetes-Patienten. Und die Entdeckung von Krebsstammzellen eröffnet neue Strategien für die Tumorbekämpfung.

Für die Verschiebung des Stichtags vom 1. Januar 2002 auf den 1. Mai 2007 stimmten 346 Abgeordnete mit Ja, 228 mit Nein und sechs Abgeordnete enthielten sich. Mit diesem Gesetzentwurf bleibe der Schutzmechanismus des Stammzellgesetzes bestehen, werde jedoch an neueste wissenschaftliche Erkenntnisse angepasst, so die Antragsteller. Außerdem bleibe gewährleistet, dass von Deutschland aus nicht die Gewinnung embryonaler Stammzellen oder die Erzeugung von Embryonen zu diesem Zweck veranlasst wird.

Die Anträge zur Beibehaltung des Stichtags oder zum Verbot der Forschung mit embryonalen Stammzellen fanden keine Mehrheit, auch der Antrag zu einer Aufhebung der Stichtagsregelung konnte sich nicht durchsetzen. Am 13. Februar hatten sich die Vorstände der in der Gesundheitsforschung aktiven Helmholtz-Zentren unter Federführung von Professor Otmar Wiestler, dem Stiftungsvorstandsvorsitzenden des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg, mit einem offenen Brief an die Abgeordneten gewandt, um die Notwendigkeit einer neuen Regelung zu unterstreichen. Der Brief plädierte für eine Aufhebung der Stichtagsregelung oder zumindest für eine Verschiebung in das Jahr 2007.

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 26.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,35 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

Ansprechpartner für die Medien:

Thomas Gazlig
Dipl.-Biol./Dipl.-Journ.
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Thomas Gazlig | idw
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