Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Aufsehen erregendes Experiment an der Universität Rostock: Die Natur funktioniert chaotisch

06.03.2008
Privatdozent Dr. Reinhard Heerkloss führte das "Ostsee-Experiment" an der Universität Rostock durch. Von 1990 - 1997 kultivierte er die komplex zusammengesetzte Lebensgemeinschaft von Planktonarten unter konstanten äußeren Bedingungen im Labor und zählte sie zweimal wöchentlich aus.

Wie es möglich war, die Gemeinschaft über einen so langen Zeitraum am Leben zu erhalten und warum die Entdeckung des Chaos für die Ökologie und das Management von Ökosystemen so wichtig ist, darüber will er am 18. März um 15.00 Uhr im Hans-Spemann-Hörsaal des Institutes für Biowissenschaften in der Albert-Einstein-Straße 3 sprechen.

Die Zeitschrift Nature berichtete im Heft vom 14.02.2008 über die Entdeckung von Chaos in einem künstlich isolierten Ökosystem. Der Rostocker Biologe Reinhard Heerkloss hatte Plankton aus der Ostsee isoliert und sieben Jahre lang unter konstanten Bedingungen beobachtet. Der Artikel sorgte in der Fachwelt allgemein für Aufregung. Sensationell an dieser Entdeckung ist, dass sie die bisher vorherrschende Theorie vom natürlichen Gleichgewicht ins Wanken bringt. James Cronin von der "Faculty of 1000 Biology" verlieh der Arbeit das Gütesiegel "Außerordentlich" und stufte sie damit in der Liste hoch bedeutsamer Biologie-Publikationen in die höchst mögliche Kategorie ein.

Unmittelbar nach Erscheinen des Artikels berichtete das Online-Magazin der Zeitschrift Science ausführlich über das Rostocker "Ostsee-Experiment". Das auf und ab von Arten in einem Behälter sei über viele Jahre untersucht worden und es konnte festgestellt werden, dass sich niemals ein Gleichgewicht einstellte. Die chaotische Entwicklung in der Miniaturwelt des Behälters sei ähnlich gut bzw. schlecht voraussagbar gewesen wie das örtliche Wetter, hätten Elisa Beninca und Jef Huisman von der Universität Amsterdam berichtet. Daher müsse man endgültig den lang gehegten Traum von der vollständigen Voraussagbarkeit aufgeben.

... mehr zu:
»Ökosystem

Bereits seit drei Jahrzehnten war den Wissenschaftlern bekannt, dass mathematische Modelle eine chaotische Dynamik hervorbringen können. Seitdem gab es viele Versuche, sie auch in der realen Natur nachzuweisen. Aber es zeigte sich, dass die meisten Langzeitbeobachtungen von Populationen für eine sichere Identifikation von Chaos zu kurz sind. Nur in sehr einfachen Systemen wie Laborkulturen einzelner Arten ließ es sich nachweisen. Deshalb glaubten die meisten Forscher nicht an chaotisches Funktionieren realer Ökosysteme. Vielmehr wurden die Ursachen für das auf und ab der Arten in äußeren Faktoren gesucht. Der Nachweis von Chaos in der komplexen und in der Grundstruktur den meisten Ökosystemen ähnlichen Lebensgemeinschaft des Rostocker "Ostsee-Experimentes" sei ein echter Durchbruch, meint Stuart Pimm von der Duke Universität, North Carolina, einer der führenden Autoritäten für Populationsökologie. Die Frage sei nun, ob Chaosdynamik in der freien Natur - von Giraffen bis zu Krokodilen - allgemein verbreitet ist, sagte er der kanadischen Zeitung "Ottawa-Citizen". Dieses Experiment sei immerhin der erste Schritt zu einer Antwort. Wir brauchen mehr Arbeiten dieser Art. Benjamin Harper von der Universität Californien in Santa Barbara ist stark beeindruckt. Der Artikel wird die ökologische Forschung nachhaltig beeinflussen, vermutet er. John Lawton vom Zentrum für Populationsökologie der Universität London in Ascot betont die methodische Bedeutung solcher Plankton-Experimente. Um zu sehen, wie chaotische Systeme auf äußere Zufallseinflüsse reagieren, erhalten wir mit Plankton die Daten in praktikablen Zeiträumen. Im Zusammenhang mit Vögeln oder höheren Pflanzen brauchten wir dagegen Zeitreihen in der Größenordnung von tausend Jahren.

Ansprechpartner:
Für weitere Informationen, oder ein PDF der Publikation kontaktieren Sie bitte:
PD Dr. Reinhard Heerkloss Institut für Biowissenschaften/ Aquatische Ökologie, Universität Rostock, 18051 Rostock, Deutschland, Tel. +49 381 4986073,

email: reinhard.heerkloss@uni-rostock.de

Ingrid Rieck | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

Weitere Berichte zu: Ökosystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Besser lernen dank Zink?
23.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Raben: "Junggesellen" leben in dynamischen sozialen Gruppen
23.03.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen