Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Artenreich: Inventur der Frösche

03.09.2008
Auf Borneo haben Wissenschaftler eine Bestandsaufnahme der Frösche durchgeführt - und dabei auch neue Arten entdeckt.

Hätte er nicht so laut gequakt, wäre er vielleicht noch eine Weile unentdeckt geblieben in seinem Bambusrohr mitten auf Borneo: der winzige Frosch Kalophrynus eok, der gerade einmal 26,3 Millimeter misst.

Dank seines vorlauten Quakens gehört er nun zu den bislang fünf neuen Arten, die Professor Dr. Alexander Haas und Professor Dr. Indraneil Das während ihrer Forschungsarbeiten in Ost-Malaysia entdeckten. Weitere Arten harren noch der wissenschaftlichen Beschreibung.

Bei ihrer Frosch-Inventur konnten die Wissenschaftler der Universität Hamburg und der malaysischen Universität in Sarawak überdies die bisher unbekannten Kaulquappen von zehn Arten aufspüren, insgesamt wurden 25.000 Farbbilder von Fröschen und ihren Larven zur Dokumentation angefertigt und archiviert. Die VolkswagenStiftung unterstützte das Vorhaben "Inventory and Biodiversity of the Frog Fauna of East Malaysia (Borneo) with emphasis on their larval forms" im Rahmen ihres Partnerschaftsprogramms mit rund 50.000 Euro.

Ziel des im Mai 2004 begonnenen Forschungsprojekts war die systematische Bestandsaufnahme der vielfältigen Froscharten und ihrer Kaulquappen sowie deren Verbreitung im zu Malaysia gehörenden Norden Borneos, der drittgrößten Insel der Welt. Mit ihren Forschungsteams trugen die Wissenschaftler in ausgewählten Gebieten und Nationalparks Sarawaks und Sabahs fast 500 Kaulquappen-Stichproben zusammen, um sie zu katalogisieren und - das war neu - im lebenden Zustand für Dokumentationszwecke zu fotografieren. Die Kaulquappensammlung wurde für weitere Untersuchungen und als dauerhafte Referenzdatenbank in das Zoologische Museum Hamburg aufgenommen.

Viele der untersuchten Kaulquappen wurden in der bereits vorhandenen Literatur nur fragmentarisch beschrieben oder gar falsch zugeordnet. Diese Lücken können die Forscher nun füllen; sie erstellten Zeichnungen und rasterelektronenmikroskopische Aufnahmen der Kaulquappen und bestimmten deren Zugehörigkeit sowie die der neu entdeckten Frösche mit Hilfe von DNA-Barcodes. Die neuen Beschreibungen erlauben jetzt eine schnelle und eindeutige Identifikation.

Unter http://www.frogsofborneo.org sind bereits erste Ergebnisse und einige der besten Fotos verschiedener Frösche veröffentlicht worden - wobei Haas vorsorglich warnt: "Best is not necessarily beautiful". Ein Beispiel dafür - nicht schön, aber dennoch sehr selten - ist das bisher einzige aufgefundene Exemplar von Polypedates chlorophthalmus, ein weibliches Tier, von dem bisher weder die Kaulquappen noch ein männliches Pendant gefunden wurden.

Eine abschließende Konferenz wird im kommenden Jahr, voraussichtlich vom 28. September bis 4. Oktober 2009, an der Universiti Malaysia in Sarawak stattfinden. Dort werden die Ergebnisse einem internationalen Forscherkreis vorgestellt und Vernetzungsmöglichkeiten der Forschergruppen aus aller Welt diskutiert. Überdies liegt den Wissenschaftlern ein Austausch mit den Politikern Malaysias über eine zukünftige Forschungspolitik am Herzen; auch das Management der National Parks wird eingeladen.

Eine bessere Integration von Forschung und Öko-Tourismus ist neben der Grundlagenforschung ein erwünschtes Ziel der Wissenschaftler. "Frösche sind harmlos und mit ihren großen Augen durchaus vielen Menschen sympathisch", meint Haas. Die große Vielfalt der Tiere könnte man in den Nationalparks in Malaysia auf Nachtwanderungen spannend vermitteln. Mancherorts funktioniere das schon sehr gut. Und Haas ist sich sicher: "Die Touristen können an Fröschen viel über das Funktionieren des Regenwaldes lernen und geschulte Führer aus der Bevölkerung können ein Zusatzeinkommen erwirtschaften."

Kontakte Projekt
Prof. Dr. Alexander Haas
Biozentrum Grindel und Zoologisches Museum
Universität Hamburg
Telefon: 040 428383916
E-Mail: alexander.haas@uni-hamburg.de
Prof. Dr. Indraneil Das
Institute of Biodiversity and Environmental Conservation
Universiti Malaysia Sarawak
Telefon: ++60 82 581388
E-Mail: jdas@ibec.unimas.my
Kontakte
VolkswagenStiftung
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Christian Jung
Telefon: 0511 8381 - 380
E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de
Förderinitiative
Dr. Detlef Hanne
Telefon: 0511 8381- 389
E-Mail: hanne@volkswagenstiftung.de

Dr. Christian Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.volkswagenstiftung.de
http://www.frogsofborneo.org
http://www.volkswagenstiftung.de/service/presse.html?datum=20080903.

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Licht zur Herstellung energiereicher Chemikalien nutzen
21.05.2018 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

nachricht Junger Embryo verspeist gefährliche Zelle
18.05.2018 | Rudolf-Virchow-Zentrum für Experimentelle Biomedizin der Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics