Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Afrikas Vieh ist Schatz für die Genetik

25.06.2010
Forscher raten dringend zur Anlage von Bio-Banken

Die genetische Vielfalt von afrikanischem Vieh muss unbedingt und raschest in Bio-Banken gespeichert werden. Das fordern Forscher in einem Artikel im Wissenschaftsmagazin Science. "Die in Afrika vorhandenen nativen Zuchten haben sich den zum Teil sehr schwierigen Lebensbedingungen gut anpassen können", so Studien Co-Autor Olivier Hanotte, Professor für Genetik an der University of Nottingham http://www.nottingham.ac.uk im pressetext-Interview. Für das sichere Überleben sei eine solche Bio-Bank von größter Wichtigkeit.

"Indigene Zuchten sterben auch in Afrika aus, weil Bauern sehr oft zu 'exotischen' Rindern greifen, die aus Industrieländern kommen", erklärt der Experte. Ähnlich wie auch bei Pflanzen müssen daher unbedingt Bio-Datenbanken errichtet werden, in denen diese Tiere für die Nachwelt erhalten bleiben", so Hanotte. Die Genome der afrikanischen Rinder seien nicht nur für die Afrikaner selbst von Wichtigkeit, sondern für alle Erdbewohner. "Die Geschwindigkeit, mit der diese indigenen Zuchten verschwinden, ist jedenfalls sehr schnell."

Seit 8.000 Jahren am Schwarzen Kontinent

"Vor 6.000 bis 8.000 Jahren ist domestiziertes Vieh wahrscheinlich vom Nahen Osten nach Afrika gekommen", so Hanotte. "Seit dieser Zeit haben sich die Tiere, bei denen auch Zebus im Stammbaum vorkommen, immer besser an die harten Lebensumstände wie Trockenheit und zahlreiche Parasiten angepasst und geben dennoch Milch." Das Erbgut dieser Tiere sei damit einzigartig.

"Weltweit gibt es einen steigenden Bedarf an Vieh. Um diesen zu decken, werden Rinder aus Industrieländern, die auf hohe Produktivität gezüchtet sind, nach Afrika gebracht", erklärt Hanotte. Der große Teil dieser Tiere sei allerdings ungeeignet, mit den Bedingungen in ihrer neuen Heimat zurechtzukommen. "Um ihnen das Überleben zu sichern, müssen ähnliche Bedingungen geschaffen werden wie in Europa. Dazu muss das gesamte landwirtschaftliche Produktionssystem geändert und das europäische System nachgeahmt werden." Das wäre der größte Fehler, den man begehen könne. Denn hierbei würden wertvolle pflanzliche Lebensmittel statt als Nahrung als Viehfutter verfüttert.

Bio-Banken bringen auch Europa Vorteile

"Die afrikanischen Rinder könnten für den weltweiten Landwirtschaftsektor von Bedeutung werden", erklärt der Forscher. "Bei europäischen Zuchten sind viele Adaptions-Merkmale verloren gegangen. Ein typisches Beispiel sind etwa Resistenzen gegen bestimmte Magen- und Darmparasiten in kleinen Wiederkäuern." Einerseits könnte man diese mit Arzneimitteln beseitigen, andererseits gibt es einige afrikanische Sorten, die dagegen resistent sind.

Ähnlich verhalte es sich auch mit der Anpassung an das heiße und vielfach lange trockene Klima. "Das Vieh hat es geschafft, sich trotz dieser Bedingungen zu halten, Milch zu produzieren und sich zu reproduzieren." Das bedeute, dass diese Tiere jenes Gen-Material liefern, das Zuchterfolge in nachhaltiger Art und Weise verbessern kann.

Bisher habe es Genforschung in der Landwirtschaft ausschließlich in der industrialisierten Welt gegeben. "Dabei hat man wohl verabsäumt, die Forschungsschwerpunkte auf Afrika auszuweiten und das obwohl wir selbst in Europa die große Mehrheit der genetischen Grundlagen von Vieh verloren haben."

Weitere Informationen zum International Livestock Research Institute: http://www.ilri.org

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.nottingham.ac.uk

Weitere Berichte zu: Bio-Bank Genetik Indigene Zuchten Rind Vieh Zuchten

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Nesseltiere steuern Bakterien fern
21.09.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Die Immunabwehr gegen Pilzinfektionen ausrichten
21.09.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften