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65 neue genetische Risikomarker für Brustkrebs entdeckt

24.10.2017

Manche Familien sind häufiger von Brustkrebs betroffen als andere. Dies kann bislang nur teilweise durch genetische Risikomarker erklärt werden. In einem weltweiten Verbund haben Forscher nun 65 weitere Erbgutvarianten identifiziert, die zum Brustkrebsrisiko beitragen. Die Studie, an der auch Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum und dem Universitätsklinikum Heidelberg beteiligt waren, wurde in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht. Die Forscher erwarten, dass die Ergebnisse dazu beitragen, Screeningprogramme und die Früherkennung von Brustkrebs zu verbessern.

Seit Angelina Jolies medienwirksamer Entscheidung, sich vorbeugend die Brüste entfernen zu lassen, ist der genetische Hintergrund von Brustkrebs auch einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Mutationen in den „Brustkrebsgenen“ BRCA1 und BRCA2, wie sie bei der prominenten Schauspielerin gefunden wurden, steigern das Erkrankungsrisiko dramatisch*. Doch sie sind sehr selten und insgesamt nur für einen kleinen Teil der Brustkrebsfälle verantwortlich.


© Lutz Langbein, DKFZ

„Darüber hinaus gibt es jedoch eine Vielzahl von Genvarianten, die jede für sich nur einen sehr geringen Zusammenhang mit der Erkrankungswahrscheinlichkeit zeigt. In ihrer Gesamtheit können sie aber zur Beurteilung des Brustkrebsrisikos und damit auch zu einer gezielteren Vorsorge beitragen“, sagt Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum.

Der Epidemiologe gehört zu den Autoren der nun veröffentlichten weltweit größten Studie zu den genetischen Ursachen von Brustkrebs. Bei dem von Wissenschaftlern aus Cambridge und Harvard koordinierten Vorhaben konnten 65 weitere genetische Risikomarker aufgespürt werden.

Das familiäre Risiko von Frauen, deren direkte Angehörige an Brustkrebs erkrankt sind, ist etwa doppelt so hoch wie das der Allgemeinbevölkerung. Die 65 neu entdeckten Risikomarker sind für etwa vier Prozent dieses familiären Risikos verantwortlich. Zusammen mit den bereits bekannten rund 100 genetischen Risikomarkern lassen sich nun geschätzte 18 Prozent erklären.

„Um das individuelle Brustkrebsrisiko jeder Frau in Zukunft genauer als bisher einschätzen zu können, wollen wir diese genetischen Marker in Modellrechnungen berücksichtigen – zusammen mit anderen bekannten Risikofaktoren“, sagt Jenny Chang-Claude vom DKFZ, die ebenfalls an der Studie beteiligt ist.

„Schon anhand der heute bekannten genetischen Risikomarker lassen sich beispielsweise Frauen mit einem ungünstigen Risikoprofil identifizieren, deren Erkrankungsrisiko dreieinhalb Mal höher ist als das der Allgemeinbevölkerung. Unser Ziel ist, auf der Basis solcher Risikoprofile Brustkrebs-Screeningprogramme und Präventionsmaßnahmen individuell anzupassen.“

Es war eine Studie der Superlative: Insgesamt wurden Erbgut-Analysen von 256.000 Frauen einbezogen, etwa die Hälfte davon war an Brustkrebs erkrankt. Rund 90 Prozent der Teilnehmerinnen stammten aus Europa, USA und Australien, etwa zehn Prozent aus Südostasien.

Die Forscher prüften für 11,8 Millionen winziger Erbgutvarianten einen Zusammenhang mit dem Brustkrebsrisiko. Diese Varianten, die sich nur in einem einzigen DNA-Baustein voneinander unterscheiden, werden als SNPs („single nucleotide polymorphisms“) bezeichnet.

Anhand der Verteilung verdächtiger SNPs konnten die Forscher 65 Erbgutregionen definieren, die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zum Brustkrebsrisiko beitragen.

Studien solcher Größenordnungen sind notwendig, um statistisch gesicherte Aussagen zu den einzelnen SNPs machen zu können. Das Hauptaugenmerk bisheriger Analysen lag auf Genvarianten, die mit einer bestimmten Mindesthäufigkeit in der Bevölkerung vorkommen, zugleich aber nur schwache Zusammenhänge mit dem Brustkrebsrisiko zeigen.

In zukünftigen Studien wollen die Forscher vermehrt Genvarianten untersuchen, die zwar seltener auftreten, dafür aber mit einem höheren Erkrankungsrisiko einhergehen. Auch dafür werden sehr hohe Teilnehmerzahlen benötigt, die nur in großen internationalen Verbünden erreicht werden können.

Der überwiegende Teil der 65 jetzt neu entdeckten genetischen Risikomarker liegt nicht in Bereichen des Erbguts, die für Proteine kodieren, sondern in so genannten regulatorischen Elementen: Damit bezeichnen Wissenschaftler Genomabschnitte, die teilweise weit entfernt liegende Gene beeinflussen. Durch Computersimulationen fanden die Forscher heraus, dass ein großer Teil dieser regulatorischen Elemente zelluläre Prozesse steuert, die bereits aus der Brustkrebsentstehung bekannt sind.

*Nach Schätzungen erkranken in Deutschland etwa 65–75 % der BRCA1-Mutationsträgerinnen und 45–65 % der BRCA2-Mutationsträgerinnen bis zu ihrem 70. Lebensjahr an Brustkrebs.

Kyriaki Michailidou et al: Association analysis identifies 65 new breast cancer risk loci. Nature 2017, DOI: 10.1038/nature24284

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Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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