Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unter 500.000 Genvarianten den Dickmachern auf der Spur

28.01.2009
Wissenschaftler der Universität Leipzig haben mit europäischen Kollegen einen großen Schritt in Richtung der weiteren Erklärung für die Funktion von Genen für das Dicksein gemacht.

"Zusammen mit Forschern vor allem aus Lille und London haben wir fast 500 000 Genvarianten des menschlichen Erbgutes betrachtet und untersucht, welche Gene sich bei den dicken Menschen gleichen und wo sie sich von Schlanken unterscheiden", umreißt Prof. Dr. Wieland Kiess, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Kinder und Jugendliche der Universität Leipzig.

Über erste Ergebnisse berichtete jetzt die international renommierte Fachzeitschrift "Nature Genetics". Was Kiess sowie seine Kollegen Dr. Antje Körner von der Universitätsklinik für Kinder und Jugendliche und Dr. Peter Kovacs vom Interdisziplinären Zentrum für Klinische Forschung (IZKF) sehr stolz macht: Es ist bereits das dritte Mal, dass das hoch angesehene Blatt die Forschungen des internationalen Konsortiums mit einer Veröffentlichung geadelt hat.

In der jüngsten Untersuchungsreihe haben die Wissenschaftler einen neuen Weg eingeschlagen. "Bislang haben wir immer ein Gen untersucht, von dem wir annahmen, dass es für frühkindliches Übergewicht und massive Fettleibigkeit bei Erwachsenen verantwortlich sein könnte", erläutert Kiess. So hatte das internationale Konsortium bereits vor einiger Zeit festgestellt, dass eine Veränderung des so genannten FTO-Gens für etwa 22 Prozent der genetisch bedingten Übergewichts- und Adipositasfälle verantwortlich ist. Schon in diesem Zusammenhang war vermutet worden, dass im genetischen Netzwerk weitere veränderte Gene die Ausbildung von Übergewicht maßgeblich beeinflussen. Die neuen Untersuchungen setzten genau an dieser Stelle an: Jeweils ca. 500.000 Genvarianten des Erbgutes der rund 15.000 Probanden wurden miteinander verglichen.

Ein Computer berechnete dabei, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass sich zwei Menschen gleichen.

"Erwartet wird in der Regel ein Unterschied von ca. 0,2 Prozent", so Kiess. Nun stießen die Forscher bei ihren Untersuchungen aber bei einzelnen Genvarianten teilweise auf sehr viel größere Unterschiede, wenn sie die Gene von Dicken und Schlanken miteinander verglichen. Dazu nutzten sie ein Analysegerät im französischen Lille, mit dem die menschliche Erbbotschaft als Muster dargestellt werden kann. Die aus den vorliegenden Proben hervorgegangenen Muster stellten sie schließlich nebeneinander und verglichen sie. Dabei waren und sind vor allem die Daten von Kindern, zu denen die Leipziger Forschergruppe wesentlich beigetragen hatte, für die Wissenschaftler hoch interessant. "Bei dicken Kindern schlägt die genetische Komponente stärker zu Buche als bei fettleibigen Erwachsenen, bei denen sich die Einflüsse in Richtung Essgewohnheiten und Alltagsverhalten verschieben", berichtet Kiess.

Die Ergebnisse der Untersuchungen und die daraus resultierenden stabilen Datensätze sind laut Kiess "Grundlage für eine Riesenwelle von Arbeit." Denn nachdem nun weitere Gene abgegrenzt wurden, die genauerer Betrachtung unterzogen werden müssen, kann die Forschung in Richtung polygene Erkrankungen weitergehen. Für den Wissenschafts- und Forschungsstandort Leipzig ergeben sich dadurch hervorragende Perspektiven: "Die Mannschaft in Leipzig macht gute Arbeit und das ist vor allem der tollen Zusammenarbeit der Mediziner hier am Universitätsklinikum, aber auch den Wissenschaftlern am Herzzentrum, den Biochemikern, den Bioinformatikern und vielen anderen zu verdanken, mit denen wir kooperieren", unterstreicht der Klinikdirektor. Es habe sich erneut gezeigt, dass es richtig gewesen sei, auch im Zusammenspiel mit der Stadt die Kinder in den Fokus der Aufmerksamkeit zu rücken. In der weiteren Zusammenarbeit mit den Kollegen auf europäischer und internationaler Ebene sei absehbar, dass die Universität Leipzig ihren Spitzenplatz in der Adipositasforschung festigen und weiter ausbauen wird.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Wieland Kiess
Telefon: 0341 97-26000
E-Mail: wieland.kiess@medizin.uni-leipzig.de

Dr. Bärbel Adams | Universität Leipzig
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de/presse
http://www.uni-leipzig.de/~kikli

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Studie entschlüsselt neue Diabetes-Gene
22.01.2018 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

nachricht Forschungsteam schafft neue Möglichkeiten für Medizin und Materialwissenschaft
22.01.2018 | Humboldt-Universität zu Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungen

Transferkonferenz Digitalisierung und Innovation

22.01.2018 | Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
Weitere B2B-VideoLinks
Aktuelle Beiträge

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Forschungsteam schafft neue Möglichkeiten für Medizin und Materialwissenschaft

22.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Ein Haus mit zwei Gesichtern

22.01.2018 | Architektur Bauwesen