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Verfahren zur Sprachstandserhebung bei Kindern mit Deutsch als Zweitsprache veröffentlicht

11.05.2012
Die frühkindliche Sprachförderung ist eine zentrale Forderung der PISA Studien und ein wichtiges Anliegen der Bildungspolitik. Insbesondere Kinder mit Deutsch als Zweitsprache haben einen erhöhten individuellen Förderbedarf.

Für sie gab es bisher kein geeignetes Sprachstanderhebungsverfahren, das dies berücksichtigte und nach wissenschaftlichen Standards normiert ist. Die Baden-Württemberg Stiftung hat die Entwicklung eines entsprechenden Verfahrens in Auftrag gegeben: LiSe-DaZ wurde heute im Rahmen einer Fachtagung vorgestellt.

Die Sprachförderung ist aus dem Kindergarten nicht mehr wegzudenken, denn sie ist eine der wichtigsten Aufgaben in der frühkindlichen Bildung. In Deutschland gibt es kaum noch eine Tageseinrichtung, die nicht auch von Kindern, die zwei- oder mehrsprachig aufwachsen, besucht wird. Gerade für sie ist das Beherrschen der deutschen Sprache die Grundvoraussetzung für die Teilnahme am Bildungssystem. Damit Kinder von Beginn an diese Chance nutzen können, sollten sie so früh wie möglich beim Spracherwerb gefördert werden.

Individuelle Förderung durch neue Diagnostik

Rund um die Investitionen in die frühe Sprachförderung wurden auch die zur Verfügung stehenden diagnostischen Verfahren auf den Prüfstand gestellt. Diese wiesen bislang noch Schwächen in Bezug auf die Berücksichtigung von Kindern mit Deutsch als Zweitsprache auf. Im Rahmen ihres Programms „Sag´ mal was“ hat die Baden-Württemberg Stiftung die Entwicklung eines neuen Verfahrens in Auftrag gegeben. Prof. Dr. Rosemarie Tracy (Universität Mannheim) und Prof. Dr. Petra Schulz (Universität Frankfurt/Main) ist es gelungen, mit LiSe-DaZ (Linguistische Sprachstanderhebung – Deutsch als Zweitsprache) ein diagnostisches Instrument zu entwickeln, das erstmals die Möglichkeit bietet, den sprachlichen Entwicklungsstand von Kindern mit Deutsch als Zweitsprache im Alter von drei bis sieben Jahren zu erfassen. Gleichzeitig lassen sich konkrete Anhaltspunkte für die individuelle Sprachförderung ableiten. Heute wurde das Verfahren, das an über 900 Kindern normiert wurde, aus „erster Hand“ im Rahmen einer Fachtagung der Öffentlichkeit vorgestellt. Gleichzeitig bot die Veranstaltung den Teilnehmenden Raum für Fragen und Austausch.

"Unser Ziel ist es, alle Kinder, die eine Förderung benötigen, bereits vom ersten Kindergartenjahr mit einer qualitativ hochwertigen Sprachförderung zu unterstützen. LiSe-DaZ schließt eine wichtige Lücke in der Sprachstandsdiagnostik. Bislang war es fast unmöglich, den Sprachstand bei denjenigen Kindern differenziert zu erheben, die mit einer anderen Muttersprache als Deutsch in die Einrichtungen gekommen sind. Und gerade bei dieser Gruppe wäre es besonders wichtig, das zu können. Für Kinder mit ausländischen Wurzeln sind gute Deutschkenntnisse der Schlüssel zu einer guten Schulbildung und damit grundlegend für ihre ganze Lebensgestaltung", sagte Dr. Frank Mentrup, Staatssekretär im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport.

Der Baden-Württemberg Stiftung war es ein wichtiges Anliegen, LiSe-DaZ als ein förderdiagnostisches Verfahren zu konzipieren, das die Anwender und Anwenderinnen aus Kindertagesstätten, Schulen, Fachberatungsstellen, der Sprachtherapie oder den Gesundheitsämtern befähigt, aus den Ergebnissen Konsequenzen für die Förderung des jeweiligen Kindes ziehen zu können. „Wir freuen uns, dass wir mit LiSe-DaZ ein Instrument auf den Markt gebracht haben, das mit einem vertretbaren Aufwand durchgeführt werden kann und sich erstmals vor allem für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache eignet“, erläuterte Geschäftsführer Christoph Dahl.

Positive Rückmeldung aus der Praxis

Das Verfahren lässt sich in Tageseinrichtungen für Kinder und in Schulen sowie im Rahmen von (vor-)schulischen ärztlichen Untersuchungen und der Sprachtherapie durchführen. Die Baden-Württemberg Stiftung hat zur Implementierung von LiSe-DaZ Schulungen angeboten, an denen bisher knapp 500 Einrichtungen teilgenommen haben. Die Rückmeldungen zur Anwendbarkeit sind durchweg positiv. „Die eingesetzten Materialien (wie Bilderbücher und eine Handpuppe) und die Methoden sind Kindern und Fachkräften gut vertraut“, so Prof. Dr. Rosemarie Tracy. Prof. Dr. Petra Schulz ergänzte: „Der Einsatz von LiSe-DaZ nimmt etwa eine halbe Stunde pro Kind in Anspruch, und für die anschließende Auswertung wird ebenfalls je eine halbe Stunde benötigt. Sowohl Zeit für die Erfassung der Sprache ist jeder Einrichtung zu wünschen“.

Der LiSe-DaZ® Test ist im Hogrefe Verlag erschienen und kann über den Handel bezogen werden. Weitere Informationen finden Sie unter http://www.lise-daz.de.

Julia Kovar | idw
Weitere Informationen:
http://www.lise-daz.de

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