Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unterricht im „Grünen Klassenzimmer“: Ein halber Tag mit Langzeitwirkung

19.04.2012
Jährlich rund 2500 Schülerinnen und Schüler und auch in diesem Jahr bis weit in den Herbst hinein ausgebucht: Für den Botanischen Garten der Universität Ulm ist das „Grüne Klassenzimmer“ schon seit 1997 ein absolutes Erfolgsmodell.
Für seinen Initiator ist es das jetzt auch. Dr. Jürgen Drissner, der das außerschulische Bildungsangebot entwickelt, aufgebaut und seither geleitet hat, hat sich mit einer breit angelegten Arbeit über das Konzept und die Wirkungen des bundesweit in dieser Form wohl einmaligen Unterrichts habilitiert, lehrt inzwischen als Privatdozent auch Biologie an der Pädagogischen Hochschule (PH) Schwäbisch Gmünd.

„Keine Frage“, sagt Drissner, die Kinder und Jugendlichen seien bei der Beschäftigung mit den Lebensräumen Wald, Wiese und Gewässer von Anfang an mit Feuereifer bei der Sache gewesen, die Reaktionen danach stets positiv bis begeistert und die Nachfrage sei weiter ungebremst. Gleichwohl hätten ihn seit längerem verschiedene Fragestellungen beschäftigt: „Ist unser Konzept noch zeitgemäß, auch unter Berücksichtigung modernster Aspekte der Umweltpädagogik? Müssen wir etwas ändern? Bleibt bei den Kindern etwas ‚hängen‘ und wenn ja: was?“ Im Sprachgebrauch der Wissenschaft eine Evaluation also, verbunden mit einer Einordnung der pädagogischen Maßnahmen auf nationaler und internationaler Ebene, der Identifizierung von Anknüpfungspunkten zu aktuellen Bildungsplänen und einigen weiteren Themen mehr.

Entstanden ist die Untersuchung in Zusammenarbeit mit Professor Hans-Martin Haase, Experte für nachhaltige Umweltpädagogik an der PH Schwäbisch Gmünd, und Dr. Katrin Hille, Forschungsleiterin am Zentrum für Neurowissenschaften und Lernen (ZNL) in Ulm, insbesondere ihrer psychologischen Expertise bei der Gestaltung der Fragebögen wegen. Die Arbeit, in die auch die Ergebnisse früherer Studien eingeflossen sind, bestätigt Dr. Drissner zufolge dem „Grünen Klassenzimmer“ fraglos die damit angestrebten Wirkungen.
„Demnach haben wir viele Forderungen moderner Umweltpädagogik mit Erfolg umgesetzt“, freut sich der Wissenschaftler, der an der Uni Ulm studiert und promoviert hat. Ein wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang sei etwa, „dass Schüler die Möglichkeit haben, Lebewesen direkt in realer Lebenssituation durch eigenes Handeln kennen zu lernen“. Die dabei entstehenden Emotionen förderten einerseits die Motivation, sich mit den Kleintieren der Heimat zu beschäftigen, andererseits beeinflussten sie ganz entscheidend die Einstellungen der Schüler zu diesen Lebewesen. „Und gerade den Emotionen wird in der Bildungsarbeit für eine nachhaltige Entwicklung im Hinblick auf eine langfristige Wirkung große Bedeutung zugemessen“, so der Biologe, „selbst nach fünf Jahren ist eine gesteigerte Emotionalität gegenüber Kleintieren noch nachzuweisen“.

Dabei seien die Wirkungen des naturnahen Unterrichts umso bemerkenswerter angesichts der Tatsache, dass der Aufenthalt im Botanischen Garten gerade mal einen halben Tag dauere. „Ein überschaubarer Aufwand auch für die Lehrkräfte, die das Thema durchaus in der Schule nachbereiten können“, erklärt Drissner weiter. Zudem könne ein Besuch des „Grünen Klassenzimmers“ problemlos in Lehrpläne aller Schularten integriert werden. Anknüpfungspunkte jedenfalls gebe es für alle Schultypen zur Genüge. Wobei, wie der gebürtige Günzburger weiß, Pädagogen mitunter auch fächerübergreifende Themen wählen, Biologie in Verbindung mit Kunst etwa, Geografie oder Deutsch.

Grundsätzlich aber erfolge die Übernahme einer Schulklasse unabhängig von der Vorbildung der jeweiligen Lehrkraft. „Dies gewinnt vor allem dadurch an Bedeutung, weil viele Lehrer gern einen Spezialisten integrieren, um dann mit ihren Schülern in den einzelnen Lebensräumen aktiv werden und hier unterrichten zu können“, hat Dr. Drissner festgestellt. Vertraut ist ihm freilich auch die Ausgangslage: „Die Artenkenntnis, gerade was Kleintiere betrifft, liegt darnieder“, meint der Biologe und dies gelte wohl auch für das Verhältnis zur Natur. Letzteres indes nicht nur hierzulande, wie er bedauert: Einer amerikanischen Studie zufolge spielen Schüler lieber zuhause als im Wald. Begründung: Da gibt es mehr Steckdosen.

Weitere Informationen: PD Dr. Jürgen Drissner, Tel. 0731/50-31360

Willi Baur | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-ulm.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Das Klassenzimmer der Zukunft - DFKI & TUK eröffnen neues Labor für digitale Lehr- und Lernmethoden
03.05.2018 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

nachricht Technik unterstützt Inklusion in der Arbeitswelt
06.03.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Im Focus: Achema 2018: Neues Kamerasystem überwacht Destillation und hilft beim Energiesparen

Um chemische Gemische in ihre Einzelbestandteile aufzutrennen, ist in der Industrie die energieaufwendige Destillation gängig, etwa bei der Raffinerie von Rohöl. Forscher der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) entwickeln ein Kamerasystem, das diesen Prozess überwacht. Dabei misst es, ob es zu einer starken Tropfenbildung kommt, was sich negativ auf die Trennung der Komponenten auswirken kann. Die Technik könnte hier künftig automatisch gegensteuern, wenn sich Messwerte ändern. So ließe sich auch Energie einsparen. Auf der Prozesstechnik-Messe Achema in Frankfurt stellen sie die Technik vom 11. bis 15. Juni am Forschungsstand des Landes Rheinland-Pfalz (Halle 9.2, Stand A86a) vor.

Bei der Destillation werden Flüssigkeiten durch Verdampfen und darauffolgende Kondensation des Dampfes in ihre Bestandteile getrennt. Ein bekanntes Beispiel...

Im Focus: Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

Wie verleiht man Zellen neue Eigenschaften ohne ihren Stoffwechsel zu behindern? Ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München veränderte Säugetierzellen so, dass sie künstliche Kompartimente bildeten, in denen räumlich abgesondert Reaktionen ablaufen konnten. Diese machten die Zellen tief im Gewebe sichtbar und mittels magnetischer Felder manipulierbar.

Prof. Gil Westmeyer, Professor für Molekulare Bildgebung an der TUM und Leiter einer Forschungsgruppe am Helmholtz Zentrum München, und sein Team haben dies...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rotierende Rugbybälle unter den massereichsten Galaxien

23.05.2018 | Physik Astronomie

Invasive Quallen: Strömungen als Ausbreitungsmotor

23.05.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Matrix-Theorie als Ursprung von Raumzeit und Kosmologie

23.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics