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Nutzen sozialer Medien im Klassenzimmer

21.05.2015

Aus unserem Alltag sind soziale Medien wie Wikis, Blogs oder Facebook nicht mehr wegzudenken. Da liegt es nahe, soziale Medien auch für pädagogische Zwecke einzusetzen. Bislang ist ihr Einsatz in Schulen oder Unternehmen jedoch häufig enttäuschend und ihr Nutzen hinter den Erwartungen zurück geblieben. Zukünftig sollen soziale Medien gezielt im Unterricht so eingesetzt werden können, dass sie lern- und wissensrelevante Prozesse fördern und ihr besonderes Potenzial entfalten können.

„Vielleicht können soziale Medien dazu beitragen, Wissen ‚sozialer‘ zu machen“, so PD Dr. Joachim Kimmerle, Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Wissensmedien in Tübingen. In seinem Überblicksartikel in der Fachzeitschrift Educational Psychologist zeigt er zusammen mit Kolleginnen und Kollegen Möglichkeiten dafür auf.

Die Autoren beschreiben, wie stark sich die Nutzung sozialer Medien im Alltag von der im Klassenzimmer unterscheidet. So erlauben etwa die curricularen Vorgaben in einer Klasse nicht die gleichen Freiheiten und Möglichkeiten wie die offene Massenkollaboration im Internet.

Die Autoren belegen, dass soziale Medien vor allem dann ihr Potenzial entfalten, wenn sie ein selbst organisiertes, hoch dynamisches System erzeugen, in das sich einzelne Nutzer nahtlos integrieren können.

Wikipedia lebt davon, dass die Nutzer gemeinsam aushandeln, welche Art von Inhalten in die Enzyklopädie aufgenommen werden soll. Die Regeln der Wikipedia werden immer neu diskutiert und verändert, und sie werden auf jeden Artikel angewandt. Neue Beiträge müssen diesen Regeln genügen. Dies ist ein Prozess, der nicht von oben gesteuert ist, sondern sich selbst organisiert, in den sich aber neue Nutzer einzupassen haben.

Aus systemtheoretischer Perspektive sollte Bildung, die von sozialen Medien unterstützt wird, so gestaltet werden, dass Lernende zu Mitgliedern von Communities werden, in denen sie gemeinsam Wissen erschaffen und Kriterien für Wissen diskutieren.

Dafür sind Gruppennormen notwendig, die Lerner dazu anregen, ihre Ideen so beizutragen, dass andere darauf aufbauen und sie weiter entwickeln können. Soziale Medien leben von Dynamik, Kreativität und sozialer Integration – Aspekte, die unser Bildungssystem gut gebrauchen kann.

Das Leibniz-Institut für Wissensmedien

Das Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) in Tübingen erforscht das Lehren und Lernen mit digitalen Technologien. Rund 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Kognitions-, Verhaltens- und Sozialwissenschaften arbeiten multidisziplinär an Forschungsfragen zum individuellen und kooperativen Wissenserwerb in medialen Umgebungen. Seit 2009 unterhält das IWM gemeinsam mit der Universität Tübingen Deutschlands ersten WissenschaftsCampus zum Thema „Bildung in Informationsumwelten“. Internetadresse: www.iwm-tuebingen.de

Kontakt & weitere Informationen zum Leibniz-Institut für Wissensmedien
Dr. Evamarie Blattner, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Wissensmedien, Schleichstraße 6, 72076 Tübingen,
Tel.: 07071/ 979-222, E-Mail: presse@iwm-tuebingen.de

Die Leibniz-Gemeinschaft
Das IWM ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, die 89 selbstständige Forschungseinrichtungen der Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften verbindet. Leibniz-Institute bearbeiten gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevante Fragestellungen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Grundlagenforschung. Sie unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 16.500 Personen, darunter 7.700 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei 1,4 Milliarden Euro.

Dr. Evamarie Blattner | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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