Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Lernen braucht mehr Raum

23.09.2010
Neues Lernen braucht mehr Unterstützung: Professor Dr. Peter Baptist, Mitglied des Fibonacci-Scientific-Committees und Organisator der ersten internationalen Fibonacci-Konferenz an der Universität Bayreuth, forderte Kultusbehörden dazu auf, dem forschend-entdeckenden Lernen in Mathematik und den naturwissenschaftlichen Fächern künftig mehr Raum zu geben.

An der Notwendigkeit, den Mathematik- und naturwissenschaftlichen Unterricht an den europäischen Schulen zu verbessern, zweifele inzwischen niemand mehr, so Baptist bei einer Pressekonferenz aus Anlass der Fibonacci-Konferenz an der Universität Bayreuth. Die beiden Fibonacci-Vorgänger-Projekte, Pollen auf europäischer und SINUS auf deutscher Ebene, hätten sehr deutlich gezeigt, dass forschend-entdeckendes Lernen möglich ist und nachhaltig bessere Ergebnisse erbringt. Vorausgesetzt Kultusbehörden und Lehrer, Eltern und Schüler ziehen mit.

„Wir beginnen mit Fibonacci also keineswegs bei Null“, so der Bayreuther Professor für Mathematik und ihre Didaktik. Mit dem Kongress, an dem 170 Bildungsexperten aus 28 Ländern teilnahmen, solle nicht nur auf das bis dato erfolgreiche Vorgehen für forschend-entdeckendes Lernen hingewiesen werden. „Es geht uns genauso darum, die vielen guten nationalen Initiativen, die einen ähnlichen Ansatz verfolgen, in das übergeordnete europäische Projekt einzubinden“, so Baptist weiter.

Von einander zu lernen, ist einer der zentralen Aspekte des Fibonacci-Projektes. Denn jetzt schon profitieren Schüler an Fibonacci-Partnerschulen, darunter auch zehn Gymnasien in Oberfranken, von der neuen Einstellung ihrer Lehrer: Sie stellen nicht mehr die mathematische Formel in den Mittelpunkt ihres Unterrichts. Und sie geben sich auch nicht mehr die Reproduktion eines vorgegebenen Lösungswegs zufrieden. Sie fordern vielmehr ihre Schüler auf, Fragen mit Methoden der Mathematik zu beantworten. Die Umsetzung der Fibonacci-Strategie finde also bereits jeden Tag an Schulen und mit Hilfe von Pilotprojekten statt, so Professor Dr. Baptist. Die Erfahrungen daraus würden in der Folge in einem Europa umspannenden Netzwerk weiterverbreitet.

Bayern wird künftig vieles zu diesem Erfahrungsschatz beitragen können. Wie Professor Dr. Baptist ankündigte, werden ab dem nächsten Schuljahr alle Gymnasien im Freistaat an dem Projekt beteiligt sein. Der Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus, Dr. Marcel Huber, stellte sich bei seinem Besuch der Fibonacci-Konferenz an der Universität Bayreuth denn auch demonstrativ hinter das Vorhaben. „Der Unterricht an unseren Schulen sollte Problemlösungsstrategien in den Mittelpunkt stellen, er sollte auf Verständnis und vernetztes Lernen abzielen“, so der Staatssekretär. „Kurz gesagt: Weniger der Wissenserwerb als vielmehr der Erwerb von Kompetenzen sollte zentral sein.“ Dabei sehe er nicht nur die Lehrer in der Pflicht. Auch Schulverwaltungen und Kultusbehörden seien dafür verantwortlich, die angestrebten Veränderungen zu unterstützen und zu fördern. Eine ausreichende Zahl junger und gut ausgebildeter Menschen in den Bereichen Mathematik, Ingenieur- und Naturwissenschaften aufbieten zu können, sei eine der zentralen ökonomischen und gesellschaftlichen Zukunftsaufgaben. „Damit müssen wir in den Schulen anfangen und dazu kann Fibonacci einen besonderen Beitrag leisten“, so Huber.

Die gesellschaftspolitische Notwendigkeit eines besseren allgemeinen Bildungsniveaus in Mathematik und den Naturwissenschaften betonte Pierre Lena von der französischen Akademie der Wissenschaften. Ob Klima oder Wasserversorgung, Gesundheit oder Energie – die Gefahr werde größer, dass Menschen angesichts komplexer Themen ihrer Verantwortung als Bürger und Wähler nicht mehr gerecht werden könnten, weil es ihnen an Information mangelt. Fibonacci setzte einen Kontrapunkt, am Ende des Projektes werden laut Lena 150.000 Schüler in ganz Europa mit der besseren Art zu lernen in Berührung gekommen sein.

Mit dem Projekt Pathway ist die Universität Bayreuth maßgeblich an einem zweiten europäischen Bildungsprojekt, das auf forschend-entdeckendes Lernen in den naturwissenschaftlichen Fächern abzielt, beteiligt. Wie der Pathway-Verantwortliche und Inhaber des Lehrstuhls für Didaktik der Biologie, Professor Dr. Franz X. Bogner, erklärte, ist es der Universität Bayreuth gelungen, zwei der bislang drei von der Europäischen Union ausgeschriebenen Bildungsprojekte für eine neue Form des Lernens für sich zu gewinnen, zu gestalten und zu steuern.

Frank Schmälzle | Universität Bayreuth
Weitere Informationen:
http://www.fibonacci-conference.eu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Fast jeder vierte Hochschulabschluss ist ein Master
30.09.2016 | Statistisches Bundesamt

nachricht Digitaler Wandel kommt im Bildungsbereich an
25.08.2016 | Technologiestiftung Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weiterbildung zu statistischen Methoden in der Versuchsplanung und -auswertung

06.12.2016 | Seminare Workshops

Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen

06.12.2016 | Förderungen Preise

Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft

06.12.2016 | Agrar- Forstwissenschaften